Wie schnell die Zeit vergangen ist! Ich kann es kaum glauben, dass es bereits einen Monat her ist, seitdem ich in Seoul gelandet bin. Gründe für den Verlust des Zeitgefühls gibt es einige. Einerseits packt mich das Studium an der University of Seoul (UOS), andererseits habe ich viele neue Bekanntschaften gemacht – internationale sowie auch lokale – mit denen ich diese Megastadt erkunde.

Jetzt aber noch einmal zurück zum Anfang: Mein Name ist Melanie Binder, ich bin Verkehrssysteme-Studentin und absolviere derzeit mein 4. Semester in Südkorea.

Ich dachte, dank meinen gesammelten Erfahrungen aus meinem ersten Landesbesuch 2016 würde mir der Start hier etwas leichter fallen. Dies war zumindest auf das Essen bezogen der Fall. Seit drei Jahren schwärme ich von nichts anderem als koreanischem Essen, jedoch vergisst man viel anderes wieder. Beispielsweise, ob man das Wasser aus dem Hahn trinken kann oder wie eine koreanische Toilette funktioniert. Ich habe schnell rausgefunden, dass das Wasser aus dem Hahn zwar trinkbar ist, jedoch einen starken, unangenehmen Chlorgeschmack hat. Darum fülle ich meine Wasserflasche an den Dispensern auf, die auf jedem Stockwerk in den Uni-Gebäuden zu finden sind oder kaufe 2-Liter-Flaschen für zuhause. Wie eine Toilette funktioniert, hatte ich auch schnell wieder rausgefunden, aber wer wäre bei diesem Anblick zuerst nicht auch überfordert?

Der rote Punkte auf der WC-Brille ist ein Sensor, damit die Brille automatisch beheizt wird, sobald sich jemand setzt. Bei den restlichen Knöpfen auf der linken Seite handelt es sich um weitere, nicht detailliert beschriebene Funktionen, die man am besten selber ausprobiert. 🙂 Für die Spülung spielt dies aber alles keine Rolle. Diese funktioniert noch altmodisch mit einem Hebel, welcher sich hinter dem WC-Deckel verbirgt. Zum Glück hat mir mein Gastgeber dies gezeigt, ansonsten hätte ich wohl alle Knöpfe einmal durchprobiert.

Zurzeit ist die Luftverschmutzung ein grosses Thema in Seoul. Anscheinend war es noch nie so schlimm wie diesen März. Da ich aber nur eine begrenzte Zeit in Korea bin, sollte ich gesundheitlich keine Folgen davontragen. Für die Bewohner ist dies jedoch anders. An einem der schlimmsten Tage betrug die Verschmutzung 190 (siehe Skala). Um auf diese Zahl zu kommen, werden die Schadstoffe in der Luft gemessen und dann anhand des Air Quality Index (AQI) eingestuft. Als Vergleich, in Zürich ist der Wert normalerweise um die 23, was im grünen Bereich ist. An ganz schlimmen Tagen bekam ich eine Warnmeldung auf mein Handy, dass mir empfohlen wird, möglichst drinnen zu bleiben und falls ich nach draussen gehe, eine Maske zu tragen.

Es gab aber auch schöne Tage im März. Hier zum Beispiel war ich auf einem Ausflug mit ein paar Seoulmates in Bukchon Hanok Village, einer Nachbarschaft in Seoul mit vielen traditionellen Koreanischen Häusern. Seoulmates sind Studenten aus meiner Uni, welche sich dazu bereit erklärt haben, sich um je vier internationale Studenten zu kümmern. Ihre Aufgabe besteht darin, uns den Einstieg in die koreanische Kultur und das Campusleben zu vereinfachen. Gleichzeitig organisieren sie jedes Wochenende ein paar Seoulmates-Ausflüge in Seoul und der Umgebung. Ich bin sehr froh, hat die UOS dieses Angebot, denn ohne meinen Mate wäre ich am Anfang recht verloren gewesen. Mittlerweile finde ich mich schon sehr gut zurecht. Ich weiss jetzt wie man in einem Kopierladen etwas druckt, wie die Bestellautomaten in der Cafeteria funktionieren, wie ich meine SIM-Karte sowie ÖV-Karte aufladen kann, wie man ein Soju, koreanischen Reiswein mit ca. 16 % Alkoholgehalt, bestellt, was man dem Taxifahrer sagen muss, um zurück nach Hause zu kommen und vieles mehr.

Ausflug nach Bukchon Hanok Village in Seoul