Europäische Unternehmen sollten sich die Frage stellen, ob ihr Beziehungs- und Sales-Management zu/mit chinesischen Kunden für die Zukunft ausreichend gut ausgebaut ist, um den Einflüssen chinesischer Konkurrenten standzuhalten. Noch fallen unsere technischen Produktleistungen so stark ins Gewicht der chinesischen Kaufentscheidung, dass wir Verkaufsvorteile haben. Doch wie lange bleibt das so?

Im Rahmen des Weiterbildungsangebots «CAS-Engineering in China» lud die ZHAW School of Engineering am 17. Juni zum Infoaustausch beim China Network-Meeting. Thema des Abends war der rasante Wandel der chinesischen Wirtschaft und die Chancen sowie Risiken der Fertigung in China. Nicht ausser Acht gelassen wurden auch gesellschaftspolitische Ereignisse, die stets ihren Einfluss auf das Agieren in China haben. Die teilnehmenden Gäste kamen aus unterschiedlichsten Branchen und betrieblichen Funktionen. Auch die Vertreterin der Swiss-Chinese Chamber of Commerce war zu Gast und folgte dem Vortrag von Udo Müller, Studiengangleiter CAS-Engineering in China, und Christoph Wilhelm, der selbst in China für Markenartikler produziert.

Christoph Wilhelm produziert mit der Global Sourcing Services AG in China.

In Anlehnung an die Inhalte des CAS Engineering in China wurden die News und Entwicklungen zum «doing business in/with China» aufbereitet und vorgestellt.

In Anlehnung an die Inhalte des CAS Engineering in China wurden die News und Entwicklungen zum «doing business in/with China» aufbereitet und vorgestellt.

Nachfolgend werden einige Punkte genannt, die zum Meeting herausgestellt wurden:

1. Gleich, ob das Wachstum der Chinesischen Ökonomie nur mit geringeren einstelligen Raten ausfällt, bleibt es dabei, dass wir in vielen Branchen in China auf die jeweils weltweit grössten Märkte treffen. – Ein guter Grund sich in China zu engagieren!

2. Das wirtschaftliche Umfeld ist für europäische Unternehmer in China nicht einfacher geworden. Die Chinesische Konkurrenz wird zunehmend stärker. Aber dennoch greifen die Stärken der europäischen Unternehmen in China und werden nach wie vor von Chinesischen Kunden sehr geschätzt. Eine besondere Stärke bleibt das sehr gute Qualitätsniveau der europäischen Produktangebote.

3. Auch wenn der Kostendruck in China steigt, so lässt sich dennoch sehr kostengünstig in China produzieren.

4. China ist für Europäische Unternehmen ein gutes Sprungbrett zu anderen asiatischen Absatzmärkten.

5. Kreativlösungen bleiben eine besondere Stärke von Schweizer Unternehmen.

6. In mancher Hinsicht haben die Europäer jedoch Probleme mit dem technischen Niveau Chinas oder USA mitzuhalten. Es tut sich die Frage auf, ob wir (wieder) auf eine bipolare Globalorientierung zulaufen.

7. In der Selbstprüfung sollten sich die Europäer die Frage stellen, ob sie nicht, im Vergleich zu Chinesischen Entscheidern, zu langsam entscheiden und umsetzen.

8. Europäische Unternehmen sollten sich die Frage stellen, ob ihr Beziehungs- und Sales-Management zu/mit chinesischen Kunden für die Zukunft ausreichend gut ausgebaut ist, um den Einflüssen chinesischer Konkurrenten standzuhalten. Denn noch wiegen die europäischen Produktleistungen stark genug. Doch wie lange bleibt das so? China bleibt die Werkbank der Welt – aber China setzt vermehrt auf eigene Güter.

9. Die Ein-Kind-Politik hat grosse Auswirkungen auf die Chinesische Wirtschaft und daraus resultierende Nachfrage nach Problemlösungsangeboten ( z.B. Automatisierung / Robotik)

10. Aus der Engineering-Perspektive haben wir noch einige Problemfelder, die es zu bearbeiten gilt:

a. Japanische und Amerikanische Normen sind in China weiter verbreitet als Europäische Normen.

b. Materialien in China sind trotz Deklaration gleicher Normierungen nicht den Europäischen Materialien identisch.

c. Nicht selten stösst man auf praxisfremde Ausbildung von Chinesischen Ingenieuren. Praxistraining und Praxisprüfung ist ratsam.

d. Leistungen werden gern, auch ohne entsprechende Expertise, angeboten. Eine technische Gegenprüfung ist für das Abwenden von Pannen wichtig.

e. Man trifft stark abweichende Qualitätsvorstellungen an. Hier sind Nachbesserungen dringend erforderlich.

f. Prozessdokumentationen helfen viel Ausschuss zu sparen.

g. Schulungen zur Verbesserung der Grundlagenkenntnisse in der Werkstückbearbeitung sparen viel Zeit und Geld.

Fazit des Studiengangleiters
Wir haben versucht viele Fakten komprimiert und praxisnah vorzustellen – von Praktikern für Praktiker das «How doing Business in Asia – hier China» vertrauter und sicherer zu machen. Uns hat es Spass gemacht, Auskunft zu geben und deutlich zu machen, dass auf uns einige Chancen in China warten, die es zu nutzen gilt. Das Vorhaben ist sicher nicht ausschliesslich risikofrei. Auch politisch und gesellschaftlich erwarten Chinaakteure einige Herausforderungen. Und schlussendlich bleibt immer wieder die Frage: Will ich mit oder ohne diese Chancen und Risiken wirtschaften?

Wer das «Mit» präferiert, der ist herzlich eingeladen, auch in den nächsten Meetings Neues zu erfahren oder noch besser praktisch und fundamentiert eine eigene Chinaexpertise zum «doing business in China» aufzubauen oder zu festigen.

Interessenten für die kostenlose Teilnahme am nächsten China Network-Meeting können für die Vormerkung ihrer Teilnahme ein Mail an Udo Müller senden: udo.mueller@zhaw.ch

Udo Müller, Studiengangleiter CAS Engineering in China