Elektrotechnik-Student Andreas Eberhart hat im Rahmen des Internationalen Profils ein Austauschsemester an der Grand Valley State University in Michigan verbracht. Er blickt zurück auf spannende Begegnungen – und anspruchsvollen Unterricht.

Hatten Sie Angst, Ihren Kommilitonen nach Ihrem Austauschsemester hinterherzuhinken?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe die Lehrpläne der School of Engineering und meiner Gastuniversität verglichen und wusste so, dass ich den Anschluss wohl problemlos schaffen würde.

Dann haben Sie in den USA also kein gemütliches „Feriensemester“ verbracht.

Keineswegs. Die fachlichen Anforderungen an die Studierenden waren mindestens so hoch wie diejenigen an der School of Engineering. Die Studiensysteme unterscheiden sich aber recht deutlich: Hier sind die Abschlussprüfungen sehr hoch gewichtet. Dort sind die wöchentlichen Aufgaben, die Kurztests und praktische Aufgaben wichtiger. Darum war auch der zeitliche Aufwand während des Austauschsemesters sehr hoch.

Wie haben Sie davon profitiert?

In akademischer Hinsicht sind mir ein paar „Knöpfe“ aufgegangen: Ich habe verschiedene Problemstellungen, die ich aus der Theorie kannte, dank der vielen praktischen Aufgaben aus einer neuen Perspektive betrachten und so auch verstehen gelernt. Auch persönlich empfinde ich das Austauschsemester als tolle Erfahrung: Ich habe während des Aufenthalts in den USA viele Kontakte geknüpft, die ich hoffentlich weiter pflegen kann.

“Warum entscheiden sich nicht alle Studierenden für das Internationale Profil?”

Warum haben Sie sich für das Internationale Profil entschieden?
Die Frage müsste eigentlich lauten: Warum entscheiden sich nicht alle Studierenden für das Internationale Profil? Die internationale Vernetzung und die englische Sprache sind mittlerweile so wichtig für Ingenieursberufe, dass es für mich ein Muss ist, sich in einem interkulturellen Kontext bewegen zu können.

Hatten Sie bei der Wahl des Internationalen Profils ein konkretes Berufsziel vor Augen?

Kein konkretes Berufsziel, nein. Aber ich wünsche mir einen Beruf, bei dem ich mit anderen Kulturen in Kontakt komme. Für die spätere Jobsuche ist es sicher hilfreich, dass ich mit dem Internationalen Profil und dem Austauschsemester meine Offenheit diesbezüglich schon unter Beweis gestellt habe.

Wie haben Sie Ihre Partnerhochschule ausgewählt?

Die School of Engineering hat verschiedene Partnerschulen auf der ganzen Welt. Ich wollte an einer Universität im englischsprachigen Raum studieren. Da lag Michigan auf der Hand.

Wie haben Sie sich auf den Austausch vorbereitet?

Es gab administrative Aufgaben wie die Beschaffung eines Visums zu erledigen. Ich musste mir eine Unterkunft suchen. Dann hatte die Gastuniversität spezifische Anforderungen an das Englischniveau ihrer Gaststudenten, die ich allerdings bereits erfüllte. Auf Land und Leute habe ich mich hingegen kaum vorbereitet. Einzig auf Google Maps habe ich nachgeschaut, wo die Universität liegt.

“Mir ist sofort aufgefallen, wie entgegenkommend und einladend Amerikanerinnen und Amerikaner sind.”

Wie waren Ihre ersten Eindrücke von Ihrem zeitweiligen Zuhause?

Mir ist sofort aufgefallen, wie entgegenkommend und einladend Amerikanerinnen und Amerikaner sind. Unser Flug wurde gestrichen und wir landeten stattdessen in einer kleinen Stadt eine Stunde südlich der Universität. Dort lernten wir sofort Leute kennen, die sich bereiterklärten, uns zu unserem eigentlichen Ziel zu chauffieren. Diese Offenheit erlebt man in der Schweiz eher selten. Das bedeutet aber auch, dass Gespräche sehr schnell persönlich werden und auch private Themen rasch zur Sprache kommen. Das war für anfangs eher ungewohnt.

Wem empfehlen Sie die Teilnahme am Internationalen Profil?

Eigentlich allen. Klar sollte man grundsätzlich offen für andere Kulturen und ein bisschen anpassungsfähig sein. Aber es muss sicher niemand Angst davor haben, während seines Austauschsemesters zu vereinsamen. Die Kontakte entstehen nicht nur zu den Einheimischen im Gastland; auch unter den Austauschstudierenden selber ist der Zusammenhalt gross.

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie diesbezüglich mit nach Hause genommen?

Ich habe nicht nur die Uni, sondern auch Städte wie Detroit, Chicago oder New York besucht. Einheimische luden mich zu einer Bootstour auf dem Lake Michigan ein. Ich verbrachte sogar Thanksgiving bei der Familie eines Mitstudenten – das sind Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

In drei Worten: Ein Austauschsemester ist…?

…eigentlich nicht in drei Begriffe zu fassen. Wenn ich es trotzdem versuchen müsste, dann vielleicht ‚neu‘, ‚horizonterweiternd‘ und ‚persönlichkeitsbildend‘.