«Wer würde ein Flugzeug besteigen, das nur noch von einem Robopilot geflogen wird?»

Auf die Frage von Peter Lenhart, Leiter der Forschungsgruppe Mensch-Maschine-Systeme vom Zentrum für Aviatik (ZAV) an ZHAW School of Engineering, hebt sich kein einziger Arm im Konferenzsaal der Chung Ang Universität in Seoul. Die rund 100 koreanischen Studierenden, ihre Professoren und die Gäste aus der Schweiz sind hier, um sich aus der schweizerischen und der koreanischen Perspektive über sicherheitsrelevante Aspekte des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) auszutauschen. Den Rahmen des Austausches bietet das Städtefestival «Zürich meets Seoul», an dem die School of Engineering zusammen mit der School of Management and Law an der Seouler Chung Ang Universität das Thema KI in der Aviatik und im Banking beleuchtet.

Peter Lenhart in einer Diskussionsrunde beim Städtefestival «Zürich meets Seoul»

Robopiloten im Gegenwind
Robotergesteuerte Flugzeuge seien technisch machbar, erklärt Peter Lenhart und verweist auf das Zürcher Startup «Daedalean»: Es konstruiere Autopiloten, die so smart seien, dass sie den Commercial-Pilot-Licence-for-Helicopters-Skill-Test erfolgreich absolvierten.
Mit Maschinen statt Menschen im Cockpit könnten also einerseits personelle Engpässe überwunden und andererseits grosse Kosteneinsparungen realisiert werden. Aber die Akzeptanz, so Peter Lenhart, sei zurzeit nicht nur in Seoul, sondern weltweit nicht gegeben: «Da droht Gegenwind, auch ich würde nicht in ein robopilot-gesteuertes Flugzeug einsteigen – dazu weiss ich zu gut, was alles geschehen kann!» Wie der Aviatikspezialist äussern sich in einer UBS-Studie alle Altersgruppen: Auch von den unter 40-Jährigen würden höchstens 30 Prozent ein Robopilot-Flugzeug benützen.

Menschliches Improvisationsvermögen unübertreffbar
So sei die Maschine dem menschlichen Piloten überlegen, wenn es beispielsweise um Navigation, Systemmanagement, grundlegende Luftfahrtkenntnisse, grundsätzlich um Routineabläufen gehe. In Notfallszenarien, allem, was mit Planung, Entscheidungsfindung und Kommunikation zu tun habe, wo Flexibilität, Improvisation oder sensorische Fähigkeiten gefragt sind, schlage der Mensch den Robopiloten nach wie vor.

Das Beste vom Menschen und von der Maschine
Erfolgsversprechender als die totale Substitution des Menschen durch die Maschine ist deshalb ein Ansatz, der im Cockpit das Beste vom Menschen und der Maschine kombiniert: So sitzen im Cockpit eines Verkehrsflugzeugs immer zwei Piloten. Obwohl beide dieselben Steuerelemente vor sich haben, fliegt stets nur der sogenannte Pilot Flying das Flugzeug, von Hand oder über den Autopiloten. Der Pilot Non Flying kontrolliert die Aktionen seines Kollegen dauernd – diese Aufgabe, so Peter Lenhart, könnte die Maschine erfolgreich übernehmen. Das ZAV habe mit dem «Speech enabled Cockpit» ein vielversprechendes Konzept entwickelt, das im ZHAW-ReDSim-Flugsimulator gute Resultate gezeigt habe: Dank der geschickten Kombination von menschlicher und artifizieller Intelligenz entstehe ein sicheres Systemdesign im Cockpit und damit ein zurzeit sinnvoller Einsatz von KI in der Aviatik.