{"id":779,"date":"2016-05-10T17:41:10","date_gmt":"2016-05-10T15:41:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/?p=779"},"modified":"2016-05-11T15:52:30","modified_gmt":"2016-05-11T13:52:30","slug":"bei-einem-langdistanztriathlon-bist-du-permanent-am-einstellen-deiner-psyche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/2016\/05\/10\/bei-einem-langdistanztriathlon-bist-du-permanent-am-einstellen-deiner-psyche\/","title":{"rendered":"\u201eBei einem Langdistanztriathlon bist du permanent am Einstellen deiner Psyche\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>Interview von Monika Tschudi, Studentin Angewandte Psychologie an der ZHAW<\/em><\/p>\n<p><strong>Er wurde \u201eMister INFERNO\u201c genannt. Unglaubliche 10 Mal siegte Marc Pschebizin als aktiver Leistungssportler beim INFERNO Triathlon, einem der h\u00e4rtesten eint\u00e4gigen Ausdauerevents vor beeindruckender Kulisse im Berner Oberland. Uns erz\u00e4hlte er, wie die Psyche mitl\u00e4uft und welchen Effekt das Aufgeben langfristig auf die Einstellung hat.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/05\/Marc-Pschebizin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-782 size-large\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/05\/Marc-Pschebizin-683x1024.jpg\" alt=\"Marc Pschebizin\" width=\"635\" height=\"952\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/05\/Marc-Pschebizin-683x1024.jpg 683w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/05\/Marc-Pschebizin-200x300.jpg 200w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/05\/Marc-Pschebizin-768x1151.jpg 768w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/05\/Marc-Pschebizin-860x1289.jpg 860w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/05\/Marc-Pschebizin-1200x1799.jpg 1200w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/05\/Marc-Pschebizin-1600x2398.jpg 1600w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/05\/Marc-Pschebizin.jpg 1910w\" sizes=\"auto, (max-width: 635px) 100vw, 635px\" \/><\/a><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>Marc Pschebizin, du hast den INFERNO Triathlon \u00fcber 155 Kilometer und 5500 H\u00f6henmeter von Thun aufs Schilthorn 10 Mal gewonnen. Welche Rolle spielt die Psyche bei einem solch hartenWettkampf?<\/strong><br \/>\nDie Psyche spielt aufgrund der L\u00e4nge des Rennens auf jeden Fall eine grosse Rolle. Bei einem Langdistanz-Triahtlon bist du permanent am Einstellen deiner Psyche. Du f\u00fchrst st\u00e4ndig ein Gespr\u00e4ch mit dir selbst und am Ende, wo es wirklich schwer wird und die Muskulatur und der Organismus ersch\u00f6pft sind, l\u00e4uft das Rennen haupts\u00e4chlich \u00fcber den Kopf. <!--more-->Wenn du da abschaltest und denkst \u201eich schaffe das sowieso nicht\u201c, dann hast du eigentlich schon verloren. Ich habe dies bei meinem Sieg am Inferno 2012 gemerkt, als sich eine Art Krimi zwischen mir und S\u00e4mi H\u00fcrzeler (2. Platz) abspielte. Zu Beginn der abschliessenden Laufstrecke hatte ich mit mehreren Minuten Vorsprung in F\u00fchrung gelegen. Er kam mir jedoch auf der ersten H\u00e4lfte des Laufes sehr schnell n\u00e4her und hatte zwischenzeitlich nur noch eine Minute R\u00fcckstand. Da dachte ich, \u201ewenn er in so kurzer Zeit so nah an deine F\u00fcsse kommt, kann er dich eigentlich nur noch einholen\u201c. S\u00e4mi war im Jahr zuvor, als er gewonnen hatte, an \u00e4hnlicher Stelle an mir vorbeigezogen. Damals war das Rennen f\u00fcr mich quasi gelaufen. Ich bin in eine Art Lethargie reingerutscht, in der mit alles egal war. In solchen Momenten spielst du auch mit dem Gedanken, am Streckenrand einfach ins Hotel abzubiegen. Dies habe ich jedoch unterlassen, weil ich wusste, wie schwer so ein Aufgeben im Nachgang zu bew\u00e4ltigen ist. Deshalb war die Angst im Jahr 2012 schnell wieder da, und ich musste den Gedanken \u201edu schaffst es sowieso nicht\u201c quasi umkonditionieren. Ich habe f\u00fcr mich dann entschieden weiterzuk\u00e4mpfen und zu versuchen, den Abstand m\u00f6glichst konstant zu halten. Es war interessant zu sehen, wie man das Blatt selbst in einem total ersch\u00f6pften Zustand nochmals wenden kann. Entweder du verlierst den Glauben an dich, was sich zu 100 Prozent in deiner Leistungsf\u00e4higkeit bemerkbar macht, oder du versuchst zu k\u00e4mpfen. Dies l\u00e4sst sich als kontinuierliches Verhandeln mit dir selbst beschreiben; ein Prozess, welcher auch einen grossen Teil deiner Aufmerksamkeit beansprucht.<\/p>\n<p><strong>Was meinst du genau, wenn du sagst, das Aufgeben eines Rennens sei im Nachgang extrem schwer zu bew\u00e4ltigen?<br \/>\n<\/strong>Gegen Ende eines Rennens kommen meistens Situationen, wo du nicht mehr weiter willst, in denen dich die Kraft verl\u00e4sst und du dich ein St\u00fcck weit aufgeben willst. Aus dem Rennen auszusteigen, sollte jedoch immer die letzte Option sein, welche im Grunde nur bei Verletzungen zul\u00e4ssig ist. Ansonsten wirst du am Ende immer einen sehr negativen Beigeschmack mitnehmen. Ausserdem wird dir das Aufgeben immer leichter fallen, wenn du dies zwei, drei Mal gemacht hast. Du hast sozusagen immer einen Seitenausgang, der dir Erleichterung verschafft. Selbst wenn du dein Ziel &#8211; zum Beispiel eine angestrebte Zeit oder Rangierung &#8211; nicht mehr erreichst: Es lohnt sich immer ein Rennen zu beenden. Ich habe diese kritischen Momente oftmals meistern k\u00f6nnen, indem ich mir vor Augen gef\u00fchrt habe, dass ich \u00e4hnliche Situationen in der Vergangenheit bereits erfolgreich bew\u00e4ltigt habe, und indem ich mir neue Ziele steckte, zum Beispiel zu finishen oder eine andere Zeit anzupeilen. Das ist etwas, was ich auch meinen Athleten mitgebe: Versuche dir verschiedene Szenarien klar zu machen, welche w\u00e4hrend eines Rennens passieren k\u00f6nnen und gehe diese bereits vorher durch. Du bist dann nicht so \u00fcberrascht, wenn es im Rennen nicht nach Plan l\u00e4uft. Die Athleten m\u00fcssen sich darauf einstellen, dass es schwer wird, dass sie auch eine mentale Grenze durchbrechen m\u00fcssen. Nicht nur das physische Training muss gut sein f\u00fcr den Saisonh\u00f6hepunkt. Du musst auch im Kopf bereit sein. Du musst es wollen und du musst es auch unter Widerstand zu Ende bringen wollen.<\/p>\n<p><strong>Du betreust seit 16 Jahren als Coach Athleten in den unterschiedlichsten Leistungsklassen. Welche Probleme oder Defizite im mentalen Bereich sind dir dabei am h\u00e4ufigsten begegnet?<br \/>\n<\/strong>Jeder Athlet ist individuell und bringt sportlich wie auch menschlich unterschiedliche Voraussetzungen mit. H\u00e4ufig sehe ich jedoch, dass die Athleten, sobald es Richtung Hauptwettkampf geht, sehr unsicher werden. Die Zuversicht, die sie einmal hatten, ist wie verflogen. Aus den sozialen Medien erfahren sie, was andere trainiert haben oder sie schauen sich Trainingsliteratur an &#8211; und pl\u00f6tzlich kommen die Zweifel: Habe ich genug trainiert? Habe ich das Richtige trainiert? So kurz vor dem Wettkampf geht es jedoch darum, sich nur noch auf sich selbst zu fokussieren und seinen F\u00e4higkeiten zu vertrauen, was vielen, selbst Spitzenathleten, oftmals nicht gelingt. Im Gegenzug gibt es aber auch Athleten, die \u00fcber Leichen gehen. Sie schauen nicht mehr nach rechts oder links und bringen am Tag X ihre Leistung. Mental starken Leuten gelingt es zudem extrem gut, sich in schwierigen Phasen w\u00e4hrend des Wettkampfes neu zu konditionieren. Dazu braucht es einerseits viel Erfahrung, andererseits aber auch eine gewisse Kaltschn\u00e4uzigkeit.<\/p>\n<p><strong>Welche mentalen F\u00e4higkeiten zeichnen einen erfolgreichen Triathleten noch aus? Unterscheiden sich diese je nach Wettkampfdistanz?<br \/>\n<\/strong>Erfolgreiche Sportler geben nicht auf. Sie verfolgen ihr Ziel trotz R\u00fcckschl\u00e4gen immer weiter. Zudem gelingt es ihnen, Niederlagen als Chancen zu sehen und daraus zu lernen. Je l\u00e4nger die Strecke, desto wichtiger ist meines Erachtens die mentale Konstitution. Bei k\u00fcrzeren Rennen bist du oft an der maximalen Leistungsgrenze. Zwar brauchst du da ebenfalls mentale St\u00e4rke, aber je l\u00e4nger das Rennen dauert, desto mehr Zeit hast du, dich mit dir selbst auseinanderzusetzen und diese D\u00e4monen, die dich befallen, nehmen einfach deutlich zu.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Marc Pschebizin<br \/>\n<\/strong>Der 42-j\u00e4hrige Deutsche ist 10-facher Sieger des INFERNO Triathlons. Zudem hat er in seiner Profikarriere zahlreiche Erfolge im Duathlon und bei Multisport-Events gefeiert. Als Coach und Management-Trainer betreut der studierte Sportwissenschaftler seit vielen Jahren Freizeit- und Spitzenathleten, und ber\u00e4t Unternehmen und F\u00fchrungskr\u00e4fte.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>\u00dcber die Autorin<\/strong><br \/>\nMonika Tschudi studiert im Bachelor Angewandte Psychologie an der ZHAW Z\u00fcrcher Fachhochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften und arbeitet am IAP Institut f\u00fcr Angewandte Psychologie als Praktikantin. Zudem verf\u00fcgt sie \u00fcber einen Master in Banking &amp; Finance der Universit\u00e4t St. Gallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview von Monika Tschudi, Studentin Angewandte Psychologie an der ZHAW Er wurde \u201eMister INFERNO\u201c genannt. Unglaubliche 10 Mal siegte Marc Pschebizin als aktiver Leistungssportler beim INFERNO Triathlon, einem der h\u00e4rtesten eint\u00e4gigen Ausdauerevents vor beeindruckender Kulisse im Berner Oberland. 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