{"id":3150,"date":"2018-04-17T18:21:09","date_gmt":"2018-04-17T16:21:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/?p=3150"},"modified":"2019-07-03T15:52:33","modified_gmt":"2019-07-03T13:52:33","slug":"die-kunst-der-diagnostik-ist-das-puzzle-zusammenzusetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/2018\/04\/17\/die-kunst-der-diagnostik-ist-das-puzzle-zusammenzusetzen\/","title":{"rendered":"Die Kunst der Diagnostik ist, das Puzzle zusammenzusetzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Klaus Schmeck entwickelt seit mehr als 20 Jahren Instrumente f\u00fcr die Kinder- und Jugenddiagnostik. Am 28. Juni 2018 h\u00e4lt er am <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/psychologie\/institute\/iap\/veranstaltungen\/fachveranstaltungen\/zuercher-diagnostik-kongress\/?gclid=Cj0KCQjwh7zWBRCiARIsAId9b4pzzD6JeMNkqD6TB067ViFvexFdUFwLfLx1j1wNegYg7WmiK9F3i1UaAgB4EALw_wcB\">6. Z\u00fcrcher Diagnostik-Kongress<\/a> einen Vortrag \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/psychologie\/institute\/iap\/veranstaltungen\/fachveranstaltungen\/zuercher-diagnostik-kongress\/abstracts-referate\/#c103908\">Identit\u00e4t und Pers\u00f6nlichkeit im Kindes- und Jugendalter<\/a>. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p><em>Das Interview mit Klaus Schmeck f\u00fchrte Joy Bolli, Redaktorin ZHAW Angewandte Psychologie<\/em><\/p>\n<p><strong>Herr Schmeck, Mediziner bedienen sich gerne spezieller Checklisten, um Diagnosen sicher zu stellen. Gibt es in der Kinder- und Jugendpsychiatrie auch Checklisten daf\u00fcr?<\/strong><\/p>\n<p>Checklisten w\u00fcrde bedeuten, dass eine Fachperson eine Liste mit Kriterien hat, die sie abhaken kann, nach dem Motto: \u00abWas sehe ich und was sehe ich nicht\u00bb. Das macht man im psychologischen Bereich eher selten, denn man geht hier in aller Regel davon aus, dass die Person selbst jeweils am besten Auskunft \u00fcber sich geben kann \u2013 wenn man sie richtig fragt. Das nennt man eine Operationalisierung. Dabei geht es darum, ein Problem in Frageform zu bringen, so dass man mit einer Reihe von Fragen versuchen kann herauszufinden: Ist dieses Problem bei der jeweiligen Person vorhanden oder nicht. Wir arbeiten also eher mit Instrumenten in Form von spezifischen Fragebogen. Das ist vor allem wichtig f\u00fcr die Arbeit mit den Jugendlichen selbst, damit sie \u00fcber sich selbst Auskunft geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Jugendliche und Kinder \u00fcberhaupt analytisch genug \u00fcber sich selbst nachdenken, um ihre Situation richtig zu erfassen und zu formulieren?<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings. In der Regel sind Kinder und Jugendliche ab dem 11. oder dem 12. Lebensjahr dazu in der Lage. Sie brauchen also den Entwicklungsstand der sogenannten \u00absozialen Perspektiven\u00fcbernahme\u00bb. Das bedeutet, sie m\u00fcssen in der Lage sein, sich aus den Augen anderer Menschen anzuschauen. Ein Beispiel: Wenn ich eine Frage stelle wie \u00abHast du mehr Sorgen als andere Kinder?\u00bb, dann m\u00fcssen sie in der Lage sein zu \u00fcberlegen, wie viele Sorgen andere Kinder haben und wie viele Sorgen sie selbst haben, und ob vielleicht jemand, der sie von aussen betrachtet, auch sagen w\u00fcrde, sie h\u00e4tten mehr Sorgen. Sie m\u00fcssen also bereits den Blickwinkel und auch den Vergleich haben. Das ist bei j\u00fcngeren Kindern oft noch nicht der Fall. Aber ab dem 11.\/12. Lebensjahr geht das. Zudem testen wir solche Fragen ja vorher immer auch noch aus. Die Entwicklung diagnostischer Instrumente ist ein sehr langwieriger Prozess, der \u00fcber viele Jahre hinweggeht. Die Fragen m\u00fcssen in m\u00f6glichst einfacher Sprache formuliert werden. Dann legt man sie Kindern vor und schaut, ob sie die Fragen verstehen und wie sie darauf antworten. Meist m\u00fcssen die Fragen mehrfach \u00fcberarbeitet werden, solange bis wir Fragen haben, die wirklich gut passen und auch richtig verstanden werden. Zudem muss man \u00fcberpr\u00fcfen, ob wir mit den Fragen auch wirklich das erfassen, was wir erfassen wollen. Bis ein Instrument, also ein Fragebogen, fertiggestellt ist, vergehen daher h\u00e4ufig 3-4 Jahre.<\/p>\n<p><strong>Jugendliche sind in der Pubert\u00e4t vielen Stimmungsschwankungen unterworfen. Wie unterscheiden Sie in diesem schwierigen Alter eine korrekte ehrliche Antwort von der Antwort eines rebellierenden Pubertierenden?<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorstellung, dass die Pubert\u00e4t sowieso die schlimmste Zeit ist, in der das \u00abHimmelhoch-jauchzend\u00bb und das \u00abZu-Tode-betr\u00fcbt\u00bb sehr nah beieinander liegen, ist weit verbreitet. Tats\u00e4chlich ist es so, dass das f\u00fcr viele Jugendliche gar nicht so ist. Stimmungsschwankungen sind zwar nicht ungew\u00f6hnlich in dieser Zeit. Die Jugendlichen k\u00f6nnen in der Regel aber sehr gut unterscheiden, ob sie einfach \u00abmal nicht so gut drauf\u00bb sind, oder ob sie \u00fcber l\u00e4ngere Zeit so richtig depressiv sind. Das heisst, wirklich schwerwiegende St\u00f6rungen bilden sich ganz anders ab als die leichte Gereiztheit oder Probehandlungen, wo man einfach mal Dinge macht, die nicht so toll sind. Man kann also in der Regel die Probleme, die mit der Pubert\u00e4t verbunden sind, deutlich von psychischen St\u00f6rungen unterscheiden. Es gibt viele empirische Ergebnisse, die zeigen, dass unsere Vorstellung von der Pubert\u00e4t als einer Phase von Chaos, auf die meisten Jugendlichen gar nicht zutrifft.<\/p>\n<p><strong>Die meisten Menschen \u2013 und auch viele Eltern \u2013 sprechen doch aber immer wieder von der \u00abChaos-Phase\u00bb\u2026.<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind Schwankungen da. Wenn ein 10-j\u00e4hriges M\u00e4dchen pl\u00f6tzlich vermehrt trotzig und widerborstig reagiert und nicht mehr so gut gehorcht, gehen viele Eltern schon mal davon aus, dass ihr Kind nun in die Pubert\u00e4t kommt. Solche Verhaltensweisen sind ein Ph\u00e4nomen dieser Altersphase, aber &nbsp;es handelt sich dabei weder um eine psychische St\u00f6rung, noch ist diese Zeit bei den meisten Kindern eine Phase von durchgehendem Chaos. Es ist die Phase der Autonomie-Entwicklung, was ja eine ganz zentrale Aufgabe von Jugendlichen ist. Sie m\u00fcssen sich losl\u00f6sen, eigene Entscheidungen treffen. Wenn also zum Beispiel ein 12-j\u00e4hriges M\u00e4dchen am Morgen die Treppe runter kommt und die Mutter sagt: \u00aboh, du siehst aber s\u00fcss aus!\u00bb, dann sagt das M\u00e4dchen \u00abich glaube, ich muss nochmal hoch gehen und mich umziehen, so kann ich nicht aus dem Haus.\u00bb. Die Jugendlichen fangen an, nicht mehr die Meinung der Eltern an die erste Stelle zu setzen, sondern die ihrer gleichaltrigen Peers. Das bedeutet in erster Linie Chaos f\u00fcr die Eltern, nicht f\u00fcr das Kind. Es sind eher die Eltern, die von den Reibungen genervt sind, weil sie ganz klare Vorstellungen von dem haben, was gut und richtig ist, und wie sie ihre Weltordnung gerne h\u00e4tten. Diese Weltordnung der Eltern kommt ins Wanken, wenn Jugendliche ihre eigene Weltordnung errichten. Das ist aber f\u00fcr die psychische Reifung ein wichtiger Schritt im Leben eines eigenst\u00e4ndigen Menschen. Entscheidend ist, dass Jugendliche in dieser Phase Freunde haben, an denen sie sich orientieren k\u00f6nnen. Wenn Freunde fehlen, ist das ein Alarmzeichen. Kindern, die isoliert sind und keine Gleichaltrigen haben, mit denen sie sich austauschen k\u00f6nnen, fehlt ein entscheidender Teil, um ihre Entwicklung voranzubringen. Wenn jemand also in diesem Alter wenig oder gar keine Freunde hat, dann alarmiert uns das bei Abkl\u00e4rungen.<\/p>\n<p><strong>Wie unterscheidet sich Kinder- und Jugenddiagnostik von anderen Bereichen der Diagnostik?<\/strong><\/p>\n<p>Da wir die Familien in unsere Diagnostik immer miteinbeziehen, bekommen wir h\u00e4ufig sowohl Informationen von den Kindern und Jugendlichen, wie auch von den Eltern. Dabei ist es sehr wichtig, dass man die Kinder und Jugendlichen ernst nimmt und weiss, dass sie \u00fcber sich selber tats\u00e4chlich schon sehr gut Auskunft geben k\u00f6nnen. Der Blickwinkel der Eltern ist wiederum wichtig, weil sie manchmal Dinge sehen, die die Jugendlichen und Kinder selber nicht sehen \u2013 und umgekehrt. Alle internalisierenden Probleme, also Probleme, die sich innerlich abspielen, wie \u00c4ngste, Traurigkeit oder Zwangsgedanken, k\u00f6nnen die Betroffenen selbst am besten beschreiben. Was Kinder und Jugendliche nicht so gut sehen, ist, wenn sie st\u00f6rendes Verhalten zeigen, das nach aussen gerichtet ist, also externalisierendes Verhalten. Dazu geh\u00f6ren zum Beispiel hohe Impulsivit\u00e4t, Gereiztheit, Trotzverhalten. Das kriegt die Umgebung sehr viel st\u00e4rker mit, deshalb k\u00f6nnen die Eltern dar\u00fcber besser berichten. In der Kinder- und Jugenddiagnostik versuchen wir, beide Blickwinkel zu sehen. Wenn die nicht \u00fcbereinstimmen, dann ist es die Aufgabe des Diagnostikers, ein gemeinsames Bild daraus zu machen.<\/p>\n<p><strong>Also zu schauen, welche von beiden Seiten nicht die Wahrheit sagt?<\/strong><\/p>\n<p>Im Gegenteil, genau anders herum. Es hat n\u00e4mlich nichts mit Wahrheit zu tun, sondern vielmehr mit Wahrnehmung. Die ist bei jedem automatisch anders. Die meisten Menschen kennen das eher aus dem Bereich der Partnerschaft. Stellen Sie sich vor, Sie geben \u00fcber Ihren Partner Auskunft, und er \u00fcber Sie. Wenn dann auch beide Partner noch \u00fcber sich selbst Auskunft geben, wird die Wahrnehmung der eigenen Person nicht ganz deckungsgleich sein, weil Sie einen anderen Blick auf Ihren Partner haben als er selbst, und umgekehrt. Trotzdem l\u00fcgt keiner von beiden. Es sind einfach verschiedene Perspektiven und Aspekte, die in dieses Bild kommen.<\/p>\n<p><strong>Die Diagnostik muss also Wahrnehmungen vereinen?<\/strong><\/p>\n<p>Genau, die Kunst der Diagnostik ist es, das Puzzle zusammenzusetzen: Der Jugendliche sagt \u00abich habe \u00c4ngste und bin manchmal sehr traurig\u00bb. Die Eltern sagen \u00abder Junge ist immer so aggressiv\u00bb. Der Diagnostiker fragt dann, wie das zusammenpasst. Vielleicht ist das Eine die Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Andere. Oder es ist beides gleichzeitig vorhanden und muss f\u00fcr sich separat ernst genommen werden. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Mensch mit Aggressivit\u00e4t auf Traurigkeit reagiert, weil er keinen anderen Umgang damit kennt. Es kann aber auch sein, dass jemand mit aggressivem Verhalten andere vor den Kopf st\u00f6sst, entsprechend negatives Feedback von anderen bekommt, also schlechte Erfahrungen macht, und so in die Rolle des Aussenseiters rutscht und dar\u00fcber traurig wird.<\/p>\n<p><strong>Wie k\u00f6nnen Diagnostiker sicherstellen, dass ihnen nichts entgeht und sie die Probleme der Kinder und Jugendlichen mit ihrer Diagnose nicht noch schlimmer machen als sie sind?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist ein wichtiger Punkt. Man muss verstehen, dass ein diagnostischer Prozess nie abgeschlossen ist. Man darf nie sagen, man h\u00e4tte die endg\u00fcltige Wahrheit und \u00abes ist jetzt so\u00bb. Man muss alles immer wieder \u00fcberpr\u00fcfen anhand dessen, was man mitbekommt, erlebt, h\u00f6rt und sieht. Es kann sein, dass eine Diagnose sich nach einem halben Jahr oder einem Jahr ver\u00e4ndert. Das Schlimmste, was man machen kann, ist einfach aus den Vorbefunden abzuschreiben und zu sagen: \u00abach, das stand ja schon vor einem Jahr so in den Unterlagen, also hat er oder sie diese St\u00f6rung\u00bb. Auf der einen Seite ist es unsere Verpflichtung, klare \u00c4usserungen zu treffen. Auf der anderen Seite m\u00fcssen wir uns immer auch der Begrenztheit unserer M\u00f6glichkeiten bewusst sein. Wir sind daher angehalten, immer weiter zu schauen. Es kann sein, dass irgendwann ein Aspekt auftaucht, den man vorher gar nicht gesehen hat, und man daher die fr\u00fchere Diagnose revidieren muss. Solche Ver\u00e4nderungen kommunizieren wir dann klar den Jugendlichen und ihren Eltern und h\u00f6ren genau hin, was sie dazu sagen. Es ist also nicht so, dass wir die Experten sind und die Wahrheit verk\u00fcnden, sondern wir wollen mit den Betroffenen in einen Dialog kommen, damit man gemeinsam sowohl an einer Problemdefinition als auch am Entwicklungsweg arbeiten kann.<\/p>\n<p><strong>Sie schrieben in einem Essay, dass man speziell bei jungen Menschen m\u00f6glichst fr\u00fch eine Diagnose stellen sollte, um dem Kind oder dem Jugendlichen in einer fr\u00fchen Phase Unterst\u00fctzung bieten zu k\u00f6nnen. Andererseits ist der Gang zum Psychologen oder Psychiater hierzulande noch immer eher mit einem Stigma behaftet.<\/strong><\/p>\n<p>Die gr\u00f6sste Schwierigkeit ist meist, dass die Betroffenen zuerst einmal die H\u00fcrde \u00fcberwinden m\u00fcssen, eine Praxis zu betreten. Hier ist es hilfreich, wenn zum Beispiel von Seiten der Schulen ein Zeichen kommt, dass es eine diagnostische Abkl\u00e4rung braucht. Wenn wir die Jugendlichen in der Praxis haben und sie von ihren Problemen erz\u00e4hlen, dann ist es oft so, dass die Jugendlichen selbst sagen \u00abich wusste immer schon, dass etwas schwierig f\u00fcr mich war, aber jetzt habe ich wenigstens einen Namen daf\u00fcr\u00bb. Es kommt so gut wie nie vor, dass wir eine Diagnose vergeben und jemand sagt \u00abich habe \u00fcberhaupt kein Problem\u00bb. Das kann passieren, wenn jemand gegen seinen Willen in die Diagnostik gebracht wird und sich komplett dagegen zur Wehr setzt. Meist merken die Betroffenen aber, dass sie in ihrem realen Leben ein Problem haben und w\u00fcrden sich freuen, wenn das anders w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie mir ein Beispiel nennen?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr ist das St\u00f6rungsbild der Borderline-Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung, mit der wir uns sehr stark befassen. Diese Diagnose bekommt niemand gerne, weil es eine sehr schwerwiegende St\u00f6rung ist. Lange Zeit war die Frage, ob man diese Diagnose im Jugendalter \u00fcberhaupt stellen kann. Wenn man die Diagnose aber nicht stellt, macht man auch keine entsprechenden Behandlungsmassnahmen und vertut die Chance, dem Jugendlichen fr\u00fchzeitig zu helfen. Wenn man mit den Eltern dar\u00fcber spricht, ist unsere Erfahrung die, dass sie eher froh sind, weil sie nun nachvollziehen und verstehen k\u00f6nnen, was los ist, und Wege bekommen, wie sie damit umgehen k\u00f6nnen. Es geht dann nicht mehr nur um die Symptome, also den Streit, die Konflikte und die Probleme, die mit der St\u00f6rung verbunden sind. Von den Jugendlichen h\u00f6ren wir oft Aussagen wie \u00abich f\u00fchle mich schon so seit ich 10 oder 11 bin, und niemand hat erkannt, was wirklich mit mir los war\u00bb. Die meisten sind erleichtert, wenn sie merken, dass sie kein \u00abAlien\u00bb sind, denn genau so f\u00fchlen sie sich manchmal. Sie sind froh, wenn sie merken, dass es andere gibt, die die gleichen Probleme haben, und dass es M\u00f6glichkeiten gibt, ihnen zu helfen.<\/p>\n<p>Das Problem ist also letztlich nicht die Diagnose selbst, sondern die Probleme, die diese Kinder und Jugendlichen im Alltag haben. Die sind teils sehr massiv: Mit allen verstritten, immer auf der Suche nach einem guten Freund, und jedes Mal knallt es schon innert 14 Tagen, und sie verlieren wieder alles. Dann kommen Selbstverletzungen und tiefe Sinnkrisen dazu, bis hin zur Suizidalit\u00e4t. Sp\u00e4ter k\u00f6nnen Alkohol oder Drogenexzesse auftauchen, oder auch gef\u00e4hrliches Verhalten oder Zust\u00e4nde, in denen sie sich wie aus der Welt entr\u00fcckt empfinden. Und solche Dinge erleben sie t\u00e4glich. Zum Teil k\u00f6nnen die Stimmungen innerhalb von 30 Minuten massiv umschlagen, ohne dass sie wissen, was los ist, und was mit ihnen geschieht. Die Betroffenen wissen also sehr wohl: Das Problem ist nicht, wie man das Ph\u00e4nomen nennt, sondern das, was sie jeden Tag erleben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2018\/04\/Bild_freigegeben_small.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3152 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2018\/04\/Bild_freigegeben_small-200x300.jpg\" alt=\"Portraitbild von Klaus Schmeck\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2018\/04\/Bild_freigegeben_small-200x300.jpg 200w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2018\/04\/Bild_freigegeben_small.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><strong>Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Klaus Schmeck<\/strong> studierte zuerst Psychologie, merkte jedoch bald, dass die Psychologie allein den Menschen nicht ganzheitlich erfasst. Um seine Sicht zu erweitern, studierte er anschliessend Medizin und widmete sich \u00fcber 30 Jahre lang der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Von 2006 bis 2015 war er Chefarzt und Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik (KJPK) an den Universit\u00e4ren Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK). Gleichzeitig ist er seit 2006 Ordinarius f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Medizinischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Basel, wo er sich bis heute f\u00fcr Kinder und Jugendliche einsetzt. Seit drei Jahren leitet er ein Forschungsprojekt zur Wirksamkeit von Psychotherapie f\u00fcr Jugendliche mit Borderline-Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung. Laut Klaus Schmeck geh\u00f6rt dieses Projekt zu den sch\u00f6nsten seiner Karriere: \u00abIm Rahmen dieses Projekts dokumentieren wir sehr genau, wie wir die Behandlung mit den Jugendlichen machen. Alles wird auf Video aufgenommen und genau ausgewertet. Wir sehen dabei den Verlauf der Behandlungen \u00fcber Monate hinweg. Zu sehen, wie man Jugendlichen, die seit vielen Jahren in wirklich tiefen Krisen stecken, mit spezifischen Behandlungsmassnahmen helfen kann, da herauszukommen. Das ist etwas sehr Befriedigendes und Begl\u00fcckendes f\u00fcr mich.\u00bb<\/p>\n<p>Klaus Schmeck ist Autor zahlreicher Publikationen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der Temperaments- und Pers\u00f6nlichkeitsforschung, der psychopathologischen Dimensionen von Impulsivit\u00e4t und Aggression, der Entwicklung von psychologischen Messinstrumenten sowie in Bereichen der biologisch orientierten Forschung. Am 28. Juni 2018 h\u00e4lt er am <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/psychologie\/institute\/iap\/veranstaltungen\/fachveranstaltungen\/zuercher-diagnostik-kongress\/?gclid=Cj0KCQjwh7zWBRCiARIsAId9b4pzzD6JeMNkqD6TB067ViFvexFdUFwLfLx1j1wNegYg7WmiK9F3i1UaAgB4EALw_wcB\">6. Z\u00fcrcher Diagnostik-Kongress<\/a> einen Vortrag \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/psychologie\/institute\/iap\/veranstaltungen\/fachveranstaltungen\/zuercher-diagnostik-kongress\/abstracts-referate\/#c103908\">Identit\u00e4t und Pers\u00f6nlichkeit im Kindes- und Jugendalter<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/psychologie\/institute\/iap\/veranstaltungen\/fachveranstaltungen\/zuercher-diagnostik-kongress\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3213\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2018\/04\/Diagnostik-Kongress-2018.jpg\" alt=\"Link zur Webseite des 6. Z\u00fcricher Diagnostik-Kongress\" width=\"400\" height=\"358\"><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/diagnostik\/\">diagnostik<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/diagnostik-kongress\/\">diagnostik kongress<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/iap-institut-fuer-angewandte-psychologie\/\">IAP Institut f\u00fcr Angewandte Psychologie<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/jungendpsychiatrie\/\">jungendpsychiatrie<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/kinderpsychiatrie\/\">kinderpsychiatrie<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/psychiatrie\/\">psychiatrie<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/psychotherapie\/\">Psychotherapie<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klaus Schmeck entwickelt seit mehr als 20 Jahren Instrumente f\u00fcr die Kinder- und Jugenddiagnostik. Am 28. Juni 2018 h\u00e4lt er am 6. 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