{"id":16,"date":"2015-10-28T15:36:05","date_gmt":"2015-10-28T14:36:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/?p=16"},"modified":"2016-07-27T14:57:36","modified_gmt":"2016-07-27T12:57:36","slug":"onlinesucht-regeln-sind-nicht-viel-wert-wenn-sie-nicht-durchgesetzt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/2015\/10\/28\/onlinesucht-regeln-sind-nicht-viel-wert-wenn-sie-nicht-durchgesetzt-werden\/","title":{"rendered":"Onlinesucht: \u201eRegeln sind nicht viel wert, wenn sie nicht durchgesetzt werden\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eben ist das neue Buch von Isabel Willemse erschienen: &#8222;Onlinesucht &#8211; Ein Ratgeber f\u00fcr Eltern, Betroffene und ihr Umfeld&#8220; lautet der Titel. Warum sie diesen Ratgeber geschrieben hat, und wie er vor allem Eltern helfen soll, den Dialog mit ihren Kindern wieder aufzunehmen, hat sie mir im Interview verraten.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><em>Interviews von Joy Bolli, Redaktorin, ZHAW Angewandte Psychologie<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_18\" aria-describedby=\"caption-attachment-18\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2015\/10\/Willemse_Isabel-0713.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18 size-full\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2015\/10\/Willemse_Isabel-0713.jpg\" alt=\"Portr\u00e4t Isabel Willemse\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2015\/10\/Willemse_Isabel-0713.jpg 300w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2015\/10\/Willemse_Isabel-0713-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18\" class=\"wp-caption-text\">Medienpsychologin Isabel Willemse ber\u00e4t Eltern und Jugendliche bei Themen wie Onlinesucht und Cybermobbing<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong><strong>Isabel, wie kamst du darauf, einen Ratgeber f\u00fcr Onlinesucht zu schreiben?<br \/>\n<\/strong><\/strong>Isabel Willemse: Bei meiner wissenschaftlichen T\u00e4tigkeit im medienpsychologischen Forschungsteam an der ZHAW und in der Beratung bin ich immer wieder mit diesem Thema konfrontiert. Der letzte deutschsprachige Ratgeber zu diesem Thema, kam 2006 heraus. Seither hat sich einiges getan. Fachliteratur f\u00fcr Experten gibt es laufend neue. Aber f\u00fcr Eltern hat etwas gefehlt. In meinen Referaten und im direkten Austausch mit Eltern kamen immer wieder so viele Fragen auf, dass es mir wichtig war, den Betroffenen etwas Handfestes mit auf den Weg geben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong><strong>Du hast in deinem Buch verschiedene Formen der Onlinesucht beschrieben. Auch bei Erwachsenen gibt es das Problem. Du hast dich aber bewusst entschieden mehrheitlich \u00fcber Jugendliche zu schreiben. Wo ist der Unterschied?<br \/>\n<\/strong><\/strong>Ein Bereich, der vor allem Erwachsene betrifft, ist der ganze Bereich der Pornografie. Den habe ich bewusst ausgeschlossen, weil das ein zus\u00e4tzliches Thema ist. Nat\u00fcrlich kann das auch Jugendliche treffen, aber es ist ein ganz anderes Thema. Der gr\u00f6sste Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern liegt im ganzen Ablauf. Jugendliche leben noch bei ihren Eltern zuhause. Sie sind ganz anders eingebettet. Sie haben meist so etwas wie Familienstrukturen. Dadurch fallen Verhaltens-Ver\u00e4nderungen viel mehr auf. Das Umfeld merkt schneller, dass ein Problem da ist. Wenn eine erwachsene Person alleine lebt und sich sozial zur\u00fcckzieht, dann f\u00e4llt das dem Umfeld gar nicht so auf. Aber es hat auch einige Hinweise f\u00fcr Partnerinnen und Partner im Ratgeber.<\/p>\n<p><strong><strong>Wenn Jugendliche im Elternhaus eingebettet sind, m\u00fcsste man doch annehmen, dass sie in einem so sozialen Gef\u00fcge gar keine so &#8222;asozialen&#8220; S\u00fcchte entwickeln m\u00fcssten&#8230;.<br \/>\n<\/strong><\/strong>Es handelt sich oft um Familien, die nicht von Anfang an Regeln aufgestellt haben. Wenn der Medienkonsum lange kein Thema ist oder Eltern sogar selbst einen exzessiven Umgang mit Medien haben, also eine Art vorgelebte Probleml\u00f6sungsstrategie vorhanden ist, mit der man Langeweile oder Stress reguliert, dann kann die Sucht auch im Rahmen des Familienumfeldes entstehen. Irgendwann kommt dann der Moment, in dem einige Familienmitglieder merken, jetzt wird es zu viel. Wenn man erst dann mit Regeln kommt, wird es schwierig. Dann braucht es meist einen l\u00e4ngeren Prozess. Umgekehrt gibt es auch viele F\u00e4lle, wo innerhalb der Familie ganz Vieles richtig gemacht wurde in der Erziehung. Dennoch bekommt das Kind vielleicht Probleme, sei es in der Schule, mit der Lehrstelle, im Freundeskreis. Es kann dann sein, dass die Kinder die L\u00f6sung im \u201eGamen\u201c suchen, weil es dort einfacher ist. Das kriegen die Eltern am Anfang gar nicht so mit, oder sie finden das am Anfang noch okay. Doch dann kippt die Situation irgendwann.<\/p>\n<p><strong><strong>Ich habe das Buch verschlungen. Du erkl\u00e4rst, wie Soziale Netzwerke und Games aufgebaut sind und wie sie funktionieren. Diese Welt zu verstehen, so sagst du in deinem Buch, sei sehr wichtig f\u00fcr Eltern. Warum ist das so? Wenn es sich um Haschisch handeln w\u00fcrde, m\u00fcssten Eltern ja auch nicht erst mit Kiffen beginnen, um ihrem Kind zu helfen.<br \/>\n<\/strong><\/strong>Einerseits sind Medien ein sehr wichtiger Teil unserer Gesellschaft, die auch sehr viel Gutes mit sich bringen. Zudem braucht man die Medien &#8211; f\u00fcr die Schule, f\u00fcr die Arbeit, usw. Bei Substanzen kann man eher sagen, sie seien schlecht oder ungesund, und h\u00e4ufig sind dort ein kalter Entzug und Totalabstinenz wirklich sinnvoller. Das geht bei den Medien nicht so einfach. Man muss wirklich lernen, einen kompetenten Umgang mit dem potentiellen &#8222;Suchtmittel&#8220; zu finden. Daf\u00fcr ist es wichtig, dass die Eltern diese Welt verstehen, um selbst einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, was hilfreich ist, und was weniger Sinn macht. Das ist der eine Punkt. Der andere ist, dass man die Regeln viel besser anpassen kann, wenn man einen Einblick hat und versteht, wie ein Game aufgebaut ist und wie die Strukturen im Spiel funktionieren.<\/p>\n<p><strong><strong>Kannst du da ein Beispiel geben?<br \/>\n<\/strong><\/strong>Wenn man zum Beispiel weiss, dass bei dem gespielten Game ein Durchlauf 45-50min geht, macht es keinen Sinn zu sagen: \u201eUm diese Zeit muss Schluss sein!\u201c Dann sagt man lieber: \u201eSchau, diesen Durchlauf machst du noch zu Ende, und dann ist Schluss.\u201c Oder man bestimmt eine Zeit, ab der kein neuer Durchlauf mehr gestartet werden darf, damit die Kinder schon vor Beginn des Abendessens fertig sind. F\u00fcr dieses Wissen ist der Einblick wichtig. Andererseits darf man nicht vergessen, dass viele Medienangebote auch sehr positive Wirkungen haben. Auch beim Gamen k\u00f6nnen Kinder sehr viel lernen, solange die Games altersgerecht sind. Es gibt viele Spiele, die strategisches Denken verlangen, und Kinder brauchen unglaubliche F\u00e4higkeiten. Wenn Eltern mit ihren Kindern gamen, sehen sie sehr schnell, dass es daf\u00fcr auch Kompetenzen braucht. Die Bewunderung und Wertsch\u00e4tzung daf\u00fcr auch einmal aussprechen zu k\u00f6nnen, hilft zur Verbesserung der Beziehung.<\/p>\n<p><strong><strong>Welche Regel ist in deinen Augen die Wichtigste?<br \/>\n<\/strong><\/strong>Grunds\u00e4tzlich ist das Wichtigste, \u00fcberhaupt einmal Regeln zu machen. Dauer und Inhalt sind \u00e4hnlich zu gewichten. Aber es ist schwierig, das so pauschal zu sagen. Vielleicht ist der Inhalt fast noch ein bisschen wichtiger.<\/p>\n<p><strong><strong>Inwiefern?<br \/>\n<\/strong><\/strong>Wenn die Kinder zum Beispiel noch j\u00fcnger sind. Dann ist es wichtig, dass sie keine Dinge sehen, mit denen sie schlicht noch nicht umgehen k\u00f6nnen. Gewalt zum Beispiel. Was ich aber genauso wichtig finde, wie die Regeln selbst, ist die Pflicht, sie konsequent umzusetzen. Lieber hat man weniger, aber gute Regeln, die man auch konsequent umsetzen kann. Regeln sind nicht viel wert, wenn sie nicht durchgesetzt werden.<\/p>\n<p><strong><strong>Siehst du in der Praxis, dass es viele Regeln gibt und wenig Umsetzung<\/strong><\/strong>?<br \/>\nJa, es heisst dann zum Beispiel, \u201eunser Kind darf nur eine Stunde pro Tag gamen. Dann frage ich genauer nach, und die Betroffenen merken, dass es eigentlich viel mehr ist als eine Stunde jeden Tag. Manchmal ist es schwierig f\u00fcr Eltern, die Zeit \u00fcberhaupt zu kontrollieren, denn sie haben teilweise selbst nicht die Zeit daf\u00fcr. Da lohnt es sich dann, von Grund auf noch einmal zu schauen, welche Regeln Sinn machen und wie sich diese Regeln und die n\u00f6tigen Kontrollen auch in den Tagesablauf der Eltern und der Jugendlichen integrieren lassen.<\/p>\n<p><strong><strong>Als wir Kinder waren, gab es noch kein Internet. Aber die Vereinbarung, die Nutzung und die Kontrolle waren damals Thema bei der Handhabung des Taschengeldes. Ist das Lernen von Medienumgang \u00e4hnlich wie das Lernen des Umgangs mit Geld?<br \/>\n<\/strong><\/strong>Diese Analogie finde ich spannend. Den Umgang mit Geld muss man ja auch erst lernen, damit man sp\u00e4ter kompetent mit Geld umgehen kann. Es ist wichtig zu wissen, wie viele Einnahmen ich habe, wie viele Ausgaben und ob das einigermassen aufgeht. Man k\u00f6nnte tats\u00e4chlich die Mediennutzungszeit mit einer neuen W\u00e4hrung vergleichen. Die Betroffenen m\u00fcssen lernen, die Zeit, die sie zur Verf\u00fcgung haben, sinnvoll einzuteilen. Man hat grunds\u00e4tzlich die 24 Stunden des Tages. Davon geht ein Grossteil f\u00fcrs Schlafen drauf. Ein weiterer grosser Teil wird f\u00fcr die Arbeiten, resp. die Schule gebraucht. Und dann hat man Freizeit. Von dieser Zeit braucht man auch etwas f\u00fcr den sozialen Bereich. Man muss sich also gut einteilen. Darum gef\u00e4llt mir die Analogie zu Geld sehr gut. Da gibt es viele Gemeinsamkeiten.<\/p>\n<p><strong><strong>Du beschreibst in deinem Buch das teils aggressive Verhalten von Jugendlichen, wenn man ihnen die Ger\u00e4te abstellt. Woran k\u00f6nnen Eltern erkennen, ob ihr Kind gerade austickt, weil es s\u00fcchtig ist, oder ob es einfach nur in der Pubert\u00e4t ist und einen Hormonschub hat oder sich auflehnt?<br \/>\n<\/strong><\/strong>Das Beispiel, das ich im Buch beschrieben habe, ist sehr typisch: Ein Junge ist gerade am gamen, und die Eltern haben schon mehrfach gesagt, er solle den Computer ausschalten. Irgendwann ist es ihnen zu bl\u00f6d, und sie schalten das Modem oder den Computer einfach ab. Dann wird der Junge sauer. In dieser Situation muss man verstehen, was gerade abgeht: Der Junge hat in diesem Moment gerade seine Freunde im Stich gelassen, die nun einen Kampf mit einem Teammitglied weniger austragen m\u00fcssen, weil er als Spieler einfach weggefallen ist. Wenn man die Struktur des Spieles kennt, kann man vielleicht ein bisschen besser nachvollziehen, warum er so sauer wird. Deshalb ist es grunds\u00e4tzlich wichtig zu wissen, was denn eine Sucht oder ein exzessives Medienverhalten auszeichnet. Hier ist es wichtig zu erkennen, wann die Balance zwischen medialen und non-medialen T\u00e4tigkeiten verloren geht.<\/p>\n<p><strong><strong>Wie soll man das einsch\u00e4tzen?<br \/>\n<\/strong><\/strong>Ganz h\u00e4ufig haben Kinder Hobbies, wie zum Beispiel Fussball oder sonst ein Sport. Wenn das Hobby nun pl\u00f6tzlich reduziert wird und die Game-Dauer immer mehr ansteigt, wenn Kinder ihre Kollegen nicht mehr treffen \u2013 das alles sind wichtige Anzeichen. Auch wenn sie in der Schule einen Leistungsabfall haben oder sehr m\u00fcde sind und in der Schule einschlafen, auch das ist ein Warnsignal, wenn es im Zusammenhang mit Mediennutzung steht. Und nat\u00fcrlich ist es auch eine Form von Entzugserscheinung, wenn Betroffene aggressiv werden, sobald sie ihre &#8222;Droge&#8220; nicht mehr haben k\u00f6nnen. Dann kommen Angst und Stress auf, und das wiederum zeigt sich in aggressivem Verhalten.<\/p>\n<p><strong><strong>Du bringst Ideen f\u00fcr Eltern mit, wie man ein Kind sanft von der Onlinesucht wegf\u00fchren kann. Eine Idee hat mir besonders gut gefallen. Du schl\u00e4gst vor, einen Kurzfilm mit dem Kind zu drehen. Aber da m\u00fcssen Eltern ja auch Zeit investieren und kreativ werden\u2026<br \/>\n<\/strong><\/strong>Nun ja, wenn es einem Kind erst einmal so schlecht geht, dass es mehrfach aggressiv ist, dann kommt man mit einem Kurzfilm wohl auch nicht viel weiter. Dann muss man professionelle Hilfe holen. Aber eine Methode speziell zur Vorbeugung &#8211; es hat im Buch ja auch viele Tipps zur Pr\u00e4vention &#8211; ist tats\u00e4chlich, zusammen einen kreativen Umgang zu finden. Wenn die Jugendlichen sehr selbst\u00e4ndig sind, kann man sie auch alleine etwas machen lassen. Da m\u00fcssen die Eltern nicht immer dabei sein. Sie k\u00f6nnen den Kindern auch Filme in Auftrag geben. Im Buch gebe ich das Beispiel, dass sie einen Film \u00fcber ihr Haustier machen und die Familie portraitieren k\u00f6nnen aus der Sicht des Haustieres. Die Idee solcher Beispiele ist, dass die Jugendlichen einmal zeigen k\u00f6nnen, wozu sie f\u00e4hig sind. Sie sind technisch n\u00e4mlich meist sehr kompetent. Das ist bei den Eltern h\u00e4ufig nicht der Fall. Eltern haben andere F\u00e4higkeiten im Rahmen der Medienkompetenz, wie zum Beispiel, die Konsequenzen, Risikobereiche und Glaubw\u00fcrdigkeit der Medien besser absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Ihre technischen F\u00e4higkeiten sind aber manchmal nicht so stark. Wenn man nun diese zwei Teilbereiche (oft sind es sogar mehr, wenn die ganze Familie mitmacht) kombiniert, dann kann etwas sehr Sch\u00f6nes daraus entstehen. Da soll man der Kreativit\u00e4t auch einmal freien Lauf lassen, sodass Kinder auch Vorschl\u00e4ge machen k\u00f6nnen. Es kommt oft sehr viel von den Kindern, wenn man ihnen den Raum dazu gibt. Oft haben Kinder auch in der Schule schon Projektarbeiten gemacht, die man vielleicht auf neuere Medien \u00fcbertragen kann. Der Kreativit\u00e4t sind keine Grenzen gesetzt, denn heutzutage ist vieles mit geringem finanziellem Aufwand m\u00f6glich. Smartphones haben ja die meisten Jugendlichen. Diese kleinen Teile haben unglaubliche M\u00f6glichkeiten, man kann sogar Filme damit schneiden und bearbeiten. Und wem die Ideen ausgehen, der findet im Internet noch viele weitere Vorschl\u00e4ge&#8230; (lacht)<\/p>\n<p><strong><strong>Das heisst, man gibt dem Jugendlichen einfach den Auftrag, einen Film \u00fcber den Familienausflug zu machen?<br \/>\n<\/strong><\/strong>Ja, dann kommen die jungen Menschen vielleicht sogar lieber auf den Familienausflug mit. Wenn sie wissen, dass sie einen Auftrag haben, an dessen Ergebnis alle Freude haben. Das macht viel mehr Spass als einfach nur mit zu laufen.<\/p>\n<p><strong><strong>Was erhoffst du dir von diesem Buch?<br \/>\n<\/strong><\/strong>Meine gr\u00f6sste Hoffnung ist, dass all die Leute, die Fragen haben und unsicher sind, Antworten finden und vielleicht ein paar Hinweise und Ratschl\u00e4ge daf\u00fcr, wie sie mit der Situation umgehen k\u00f6nnen, auf was sie achten m\u00fcssen. Das Wichtigste ist doch, dass sie erst einmal einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, ob ihr Kind \u00fcberhaupt gef\u00e4hrdet ist, oder es sich noch in einem &#8222;normalen&#8220; Bereich bewegt. Das ist bei vielen Eltern die erste Frage, denn sie k\u00f6nnen das oft selbst nicht einsch\u00e4tzen. Die meisten Eltern sind selbst nicht mit dem Computer aufgewachsen, und durch die digitale Vernetzung haben Medien inzwischen eine ganz andere Funktion eingenommen als noch vor 10 oder 20 Jahren. Deshalb hat es auch Diagnosekriterien im Buch. Nat\u00fcrlich ist es wichtig, dass ein klinisches Wissen dazu kommt. Aber die Kriterien im Buch geben einen ersten Hinweis, in welche Richtung es geht. F\u00fcr einige ist es vielleicht sogar eine Entwarnung.<\/p>\n<p>Meine zweite Hoffnung ist, dass auch die positiven Seiten der Medien ein bisschen hervorgehoben werden und die Bereitschaft erh\u00f6ht wird, sich selbst einmal auf das Thema einzulassen. Dass Eltern vielleicht einmal mit ihren Kindern gamen und versuchen, diese Welt zu verstehen. Eine Mutter hat in der Beratung einmal pl\u00f6tzlich gemerkt, dass auch sie fr\u00fcher Fantasy-B\u00fccher verschlungen hat. Sie erinnerte sich, wie sie nachts noch unter der Bettdecke mit der Taschenlampe weiterlas, obgleich sie l\u00e4ngst h\u00e4tte schlafen m\u00fcssen. Als sie dann die Analogie zu ihrer eigenen Jugend zog, hat sie verstanden, wo die Faszination der Spiele liegen kann. Solche Dinge versuche ich in meinem Buch anzuregen. Es soll Eltern und Kindern helfen, den Dialog wieder aufzunehmen, der bei einer Onlinesucht oft wie eingefroren scheint.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Das bringt der Ratgeber:<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Leserinnen und Leser bekommen einen Einblick in die aktuelle Medienwelt von Jugendlichen und erfahren, welche Medien h\u00e4ufig genutzt werden, was ihre genauen Inhalte sind und worin die Faszination f\u00fcr junge Menschen besteht.<\/li>\n<li>Das Buch vermittelt fundiertes Wissen dar\u00fcber, was Onlinesucht eigentlich ist. Man bekommt zudem wichtige Hinweise, um die eigene Situation besser einzusch\u00e4tzen.<\/li>\n<li>Die Entstehung von Onlinesucht ist sehr individuell. Das Buch liefert Ans\u00e4tze, die dem Leser helfen, die Situation und die Bed\u00fcrfnisse in Kontext zu bringen.<\/li>\n<li>Es werden viele Ideen f\u00fcr den Umgang mit Online-Medien vermittelt. Leserinnen und Leser erfahren, auf was man achten muss, wie man die eigenen Grenzen anerkennen und wann sich eine Familie eingestehen darf, dass sie professionelle Hilfe braucht. Damit man sich besser vorstellen kann, wie professionelle Hilfe aussieht, widmet das Buch diesem Thema ein ganzes Kapitel.<\/li>\n<li>Die praktischen Arbeitsbl\u00e4tter helfen Eltern, aber auch Betroffenen, mit gewissen Bereichen der Problematik umzugehen.<\/li>\n<\/ol>\n<hr \/>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/angewandte-psychologie\/\">Angewandte Psychologie<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/isabel-willemse\/\">Isabel Willemse<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/jugendliche\/\">Jugendliche<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/jugendliche-und-medien\/\">Jugendliche und Medien<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/medien\/\">Medien<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/onlinesucht\/\">Onlinesucht<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/tag\/zhaw-angewandte-psychologie\/\">ZHAW Angewandte Psychologie<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eben ist das neue Buch von Isabel Willemse erschienen: &#8222;Onlinesucht &#8211; Ein Ratgeber f\u00fcr Eltern, Betroffene und ihr Umfeld&#8220; lautet der Titel. 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