{"id":1411,"date":"2016-10-13T15:59:39","date_gmt":"2016-10-13T13:59:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/?p=1411"},"modified":"2016-10-13T15:59:39","modified_gmt":"2016-10-13T13:59:39","slug":"im-ausland-unter-druck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/2016\/10\/13\/im-ausland-unter-druck\/","title":{"rendered":"Im Ausland unter Druck"},"content":{"rendered":"<p><strong>Expatriierte, kurz Expats, sind Mitarbeitende von Firmen, die f\u00fcr einige Monate oder Jahre ins Ausland geschickt werden. Dort \u00fcbernehmen sie in einer anderen Filiale neue Aufgaben, haben wichtige Schnittstellenfunktionen und werden \u2013 in der neuen Arbeitskultur mit anderen Arbeitskollegen \u2013 positiv herausgefordert. Doch in dieser spannenden Umgebung erleben sie immer wieder auch schwierige Situationen, auf die sie sich nicht vorbereiten konnten, und wof\u00fcr sie eigentlich Unterst\u00fctzung br\u00e4uchten.<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Simone von Ah und Verena Berchtold-Ledergerber<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Im Ausland sind Expats mit einer neuen Umwelt, mit der Integration in eine neue (Arbeits-)kultur und unter Umst\u00e4nden auch mit neuen Familienverh\u00e4ltnissen konfrontiert. Man muss sich im neuen Heim einleben, den neuen Ort kennenlernen, die staatlichen Strukturen und Prozesse verstehen und neue Freunde finden. Zudem ver\u00e4ndert sich die Konstellation der Partnerschaft, denn in den meisten F\u00e4llen kann der Partner oder die Partnerin keine Arbeitsstelle im neuen Land finden. Auch die Arbeitswelt ist eine vollkommen andere. Die Firma ist zwar dieselbe, doch oft gibt es in anderen L\u00e4ndern andere Organisationsstrukturen, neue Ansprechpartner, neue Vorgesetzte und vollkommen neue Umgangsformen. Bei all den spannenden neuen Aufgaben erleben Expats h\u00e4ufig schwierige Gef\u00fchle, die ihnen in diesem Ausmass weniger bekannt oder sogar neu sind wie zum Beispiel Wut, Frust, Angst oder das Gef\u00fchl von Ohnmacht. Im Heimatland haben sie gelernt, mit den erlebten Gef\u00fchlen umzugehen und sie in einer angemessenen Art und Weise zu \u00e4ussern. Meist verf\u00fcgen sie dort auch \u00fcber einen Freundeskreis, der ausgleichend wirkte, nun aber nicht mehr so leicht zug\u00e4nglich ist. Die F\u00e4higkeit, die eigenen Gef\u00fchle zu erkennen und selbst zu regulieren nennen Fachleute \u201eEmotionsregulationskompetenz\u201c. Diese F\u00e4higkeit ist wichtig, um Gef\u00fchle in der t\u00e4glichen Zusammenarbeit sozial vertr\u00e4glich und in der jeweiligen Kultur ad\u00e4quat zu \u00e4ussern. Expats erleben in ihrer Relocation-Zeit eine speziell intensive Art der Zusammenarbeit. Gerade im Kontakt mit Menschen aus anderen Kulturen ist die Emotionsregulationskompetenz besonders wichtig, denn durch sprachliche und kulturelle Missverst\u00e4ndnisse kann es schnell zu unangepasster Kommunikation und irritierenden Konflikten kommen. Dazu kommen die hohen Erwartungen der Firma. Schliesslich ist eine Relocation meist Teil eines Entwicklungsprogramms, das auf Bef\u00f6rderungen abzielt. Die Zeit im Ausland wird dadurch auf allen Ebenen zur Bew\u00e4hrungsprobe. Das setzt Expats stark unter Druck und kann sie manchmal auch \u00fcberfordern.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Geteiltes Leid ist halbes Leid<\/strong><\/p>\n<p>Wie die Wissenschaft zeigt, kann eine erfolgreiche Regulation von negativen Gef\u00fchlen die Wahrscheinlichkeit eines Arbeitsabbruchs im Ausland verringern. Die Emotionsregulationskompetenz ist daher zentral f\u00fcr einen erfolgreichen Auslandaufenthalt. Trotzdem wird das Thema in heutigen firmeninternen oder -externen Trainings- und Unterst\u00fctzungsangeboten kaum beachtet. In einer Masterarbeit in Angewandter Psychologie konnte nun gezeigt werden, wie wichtig es w\u00e4re, die Themen \u00abGef\u00fchle\u00bb und \u00abEmotionsregulation\u00bb in Unterst\u00fctzungsangebote f\u00fcr Expats aufzunehmen. In umfangreichen Interviews wurden Expats in Indien gefragt, was ihre Firmen tun k\u00f6nnen oder bereits tun, um sie im Bereich der Emotionsregulierung zu unterst\u00fctzen. Die Resultate zeigen, dass sich die Expats grunds\u00e4tzlich Unterst\u00fctzung in allen Phasen des Auslandsaufenthalts (Vorbereitung, Aufenthalt, R\u00fcckkehr) w\u00fcnschen, jedoch in jeder Phase andere Themen relevant sind. Zudem werden die Schwierigkeiten bei der R\u00fcckkehr in die Schweiz h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt, da erwartet wird, dass alles so ist wie vor dem Auslandaufenthalt. Durch die neuen Erfahrungen im Ausland ist jedoch normalerweise eine Reintegration erforderlich, die ebenfalls sehr anstrengend sein kann. Wieder muss ein neues Zuhause, eine neue Stelle gefunden werden. F\u00fcr den Partner oder die Partnerin nicht selten ein harter Wiedereinstieg, der teils nicht mehr gelingt und die Beziehung belastet. Auch alte Freundschaften haben sich nach Jahren der Abwesenheit vielleicht ver\u00e4ndert und die R\u00fcckkehr in die alte Filiale kann wie ein Neueinstieg wirken. Ausnahmslos alle Expats betonen in der Befragung die Wichtigkeit des Austauschs mit anderen Expats, da hier \u2013 im Sinne von \u00abgeteiltes Leid ist halbes Leid\u00bb \u2013 schwierige Erfahrungen und Gef\u00fchle besprochen und letztere besser eingeordnet werden k\u00f6nnen. Zudem sollten ihrer Meinung nach Themen wie \u00abGef\u00fchle im Zusammenhang mit einem Auslandaufenthalt\u00bb und \u00abUmgang mit schwierigen Gef\u00fchlen\u00bb in bereits vorhandene Kompetenztrainings aufgenommen werden. Da die Schwierigkeiten sehr individuell sind und je nach Familiensituation, Gegebenheiten des Landes und Dauer des Aufenthaltes variieren, scheint Unterst\u00fctzung, die auf die individuellen Bed\u00fcrfnisse der Expats angepasst ist, am vielversprechendsten. Daf\u00fcr bieten sich Coachings oder Mentorings besonders an \u2013 idealerweise mit einem Coach oder Mentor, der selbst \u00fcber Arbeitserfahrungen im Ausland und psychologische Grundkenntnisse verf\u00fcgt und helfen kann, Emotionen zu regulieren, kulturelle Eigenarten zu verstehen und Austauschm\u00f6glichkeiten zu vermitteln.<\/p>\n<p><strong>Tipps f\u00fcr Firmen<\/strong><\/p>\n<p>Helfen Sie Ihren Expats schon vor der Abreise und bereiten Sie sie nicht nur auf den Auslandaufenthalt, sondern auch auf die \u00dcbergangsphasen vor.<\/p>\n<p><strong>Vor dem Aufenthalt:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Geben Sie den Expats neben kulturellen Hintergrundinformationen auch Informationen zum Thema Gef\u00fchle im interkulturellen Setting.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Bieten Sie Trainings zur Aneignung von spezifischen Bew\u00e4ltigungsstrategien an (z.B. Achtsamkeitstrainings).<\/li>\n<li>Sprechen Sie mit Ihren Expats \u00fcber m\u00f6gliche Schwierigkeiten und Konsequenzen, auch im privaten Bereich. Zu wissen, dass die eigene Ver\u00e4nderung auch Familie und Freunde betrifft, kann Verst\u00e4ndnis f\u00f6rdern und den Druck enorm verringern.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>W\u00e4hrend dem Aufenthalt:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Machen Sie es Ihren Expats m\u00f6glich, sich mit anderen Expats und Einheimischen auszutauschen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Organisieren Sie Coachings oder Beratungen, die von den Expats nach Bedarf beansprucht werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Bieten Sie Ihren Expats auch w\u00e4hrend des Aufenthalts die M\u00f6glichkeit, sich neue Bew\u00e4ltigungsstrategien zur Regulation schwieriger Emotionen anzueignen (z.B. durch Achtsamkeitstrainings, Coachings oder spezielle E-Learning Programme)<\/li>\n<li>Unterst\u00fctzen Sie Ihre Expats bei konkreten Problemen mit der Familie oder der Wohnungssuche am neuen Ort (und auch wieder daheim).<\/li>\n<li>Suchen Sie das Gespr\u00e4ch und fragen Sie Ihre Expats, wie sie sich f\u00fchlen und was sie schwierig finden \u2013 auch wenn solche Fragen in Ihrer Firma eher ungewohnt sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Nach dem Aufenthalt:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Sprechen Sie mit Ihren Expats \u00fcber Schwierigkeiten und Bed\u00fcrfnisse bei der R\u00fcckkehr und bieten Sie auch hier Unterst\u00fctzung an.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p><strong>Zu den Autorinnnen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/10\/Simone-von-Ah.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1421\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/10\/Simone-von-Ah.jpg\" alt=\"simone-von-ah\" width=\"240\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/10\/Simone-von-Ah.jpg 650w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/10\/Simone-von-Ah-244x300.jpg 244w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a>Simone von Ah, hat ihr Psychologiestudium an der ZHAW mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie im Februar 2016 abgeschlossen. Ihre Masterarbeit wurde vom SBAP ausgezeichnet. Ihre Forschungsinteressen liegen unter anderem bei der interkulturellen Psychologie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/10\/Berchtold_Verena-2329.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1414\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/10\/Berchtold_Verena-2329.jpg\" alt=\"berchtold_verena-2329\" width=\"240\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/10\/Berchtold_Verena-2329.jpg 660w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/10\/Berchtold_Verena-2329-248x300.jpg 248w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a>Verena Berchtold-Ledergerber ist Psychologin und Dozentin am Psychologischen Institut der ZHAW im Bereich Studium &amp; Forschung und begleitete diese Masterarbeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Expatriierte, kurz Expats, sind Mitarbeitende von Firmen, die f\u00fcr einige Monate oder Jahre ins Ausland geschickt werden. 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