{"id":1033,"date":"2016-07-21T15:58:01","date_gmt":"2016-07-21T13:58:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/?p=1033"},"modified":"2016-07-27T10:18:40","modified_gmt":"2016-07-27T08:18:40","slug":"stressmanagement-wie-geht-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/2016\/07\/21\/stressmanagement-wie-geht-das\/","title":{"rendered":"Stressmanagement \u2013 wie geht das?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Begriff Stress ist in aller Munde \u2013 immer mehr Menschen f\u00fchlen sich ersch\u00f6pft und derart kraftlos, dass sie das Gef\u00fchl haben, weder Arbeit noch Alltag bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Doch gerade in einer Gesellschaft, in welcher alles als machbar gilt, ist es umso schwieriger, wenn man den geforderten Anspr\u00fcchen nicht mehr gerecht werden kann. <\/strong><\/p>\n<p><em>Von Susanna Borner, Dozentin und Beraterin am IAP<\/em><\/p>\n<p>Klienten, welche bei mir eine Laufbahnberatung in Anspruch nehmen, f\u00fchlen sich in den allermeisten F\u00e4llen im Arbeitsleben gestresst. Dies kann verschiedene Gr\u00fcnde haben, mitunter die Bew\u00e4ltigung von neuen Aufgaben, Reorganisation der Firma oder Ver\u00e4nderungen im wirtschaftlichen Umfeld. Nur bedeutet dies tats\u00e4chlich Stress oder sprechen wir besser eher von momentanen Anpassungsschwierigkeiten? Oft bef\u00fcrchten die Ratsuchenden, sich bereits in einer Ersch\u00f6pfungsdepression (Burnout) zu befinden und haben Angst, ihren Arbeitsanforderungen nicht mehr gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Diese Bef\u00fcrchtungen sind nicht unberechtigt. \u00dcberstunden, st\u00e4ndige Erreichbarkeit, hoher Zeitdruck und die Zunahme der Arbeitsleistung in einer sich immer schneller wandelnden Arbeitswelt stellen viele Menschen vor grosse pers\u00f6nliche Probleme. Dazu gesellen sich zunehmend anspruchsvolle Aufgaben im privaten Umfeld, wie zum Beispiel die Doppelbelastung von Beruf und Familie oder die Betreuung von pflegebed\u00fcrftigen Eltern, welche zus\u00e4tzlich Zeit und Energie beanspruchen.<\/p>\n<p><strong>Wann reden wir von Stress?<\/strong><\/p>\n<p><!--more-->Grunds\u00e4tzlich ist Stress eine Aktivierungsreaktion unseres K\u00f6rpers. Diese kann positiv (z.B. Verliebtsein) oder negativ (z.B. K\u00fcndigung) beurteilt werden und h\u00e4ngt davon ab, wie wir eine Situation einsch\u00e4tzen. F\u00fchlen wir uns bedroht, erscheint uns die Situation unkontrollierbar. Belastet sie uns zudem \u00fcber l\u00e4ngere Zeit, werden die Stresshormone nicht abgebaut und die k\u00f6rperliche Anspannung bleibt bestehen. Meist bemerken wir dann im Alltag, dass wir nicht mehr so gelassen und ruhig auf weitere Anforderungen reagieren. Es wird uns alles zu viel.<\/p>\n<p>Welches sind nun aber klar feststellbare Ver\u00e4nderungen in unserem Selbsterleben? Hier einige ausgew\u00e4hlte Beispiele, welche erste Anzeichne f\u00fcr Stress sein k\u00f6nnen:<\/p>\n<ul>\n<li>Kopfschmerzen, Nacken- und R\u00fcckenschmerzen, St\u00f6rungen des Magen-Darmtraktes, Allergien, Schlafst\u00f6rungen, die sich im Ein- und Durschlafen zeigen<\/li>\n<li>Verminderte Konzentrationsf\u00e4higkeit, Vergesslichkeit, Denkblockaden, chronische M\u00fcdigkeit, Nervosit\u00e4t<\/li>\n<li>Sich fremdbestimmt, innerlich unruhig, lustlos und unzufrieden f\u00fchlen<\/li>\n<li>Angst und Verzweiflung, Wut und \u00c4rger \u00fcber die eigene nachlassende psychische Belastbarkeit<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im ersten Gespr\u00e4ch zur belastenden beruflichen Situationskl\u00e4rung stelle ich den Klienten Fragen zu diesen Symptomen. Eine Person kann sich derart einer Aufgabe verpflichtet f\u00fchlen, dass sie zwar Schlafst\u00f6rungen und Gereiztheit wahrnimmt, diese jedoch nicht mit den erh\u00f6hten Anforderungen in Verbindung bringt. Ein Beispiel:<\/p>\n<p>Martina F., 45 Jahre alt, arbeitete mehr als 20 Jahre als Direktionsassistentin in einem mittelgrossen Unternehmen. Sie bezeichnete sich als zuverl\u00e4ssige, korrekte, fachlich versierte und effiziente Arbeitskraft, welche immer die Erledigung ihrer Aufgaben in den Vordergrund und pers\u00f6nliche Anliegen zur\u00fcck gestellt hat. Vor zwei Jahren erkrankte ihr alleinstehender Vater an Krebs. Da sich niemand ausser ihr um ihn k\u00fcmmern konnte, wollte sie das Arbeitspensum reduzieren. Doch ihr Arbeitgeber konnte dem Wunsch nicht entsprechen, und so reiste Martina F. von nun an t\u00e4glich abends nach der Arbeit zu ihrem Vater und sp\u00e4ter noch heim zur Familie. Nat\u00fcrlich f\u00fchlte sie sich ab und zu m\u00fcde und sie bemerkte, dass ihre Arbeitsleistung aufgrund von Konzentrationsschwierigkeiten abnahm. F\u00fcr Martina F. war die Pflege des Vaters und die Betreuung der Kinder eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit und sie kam auch den beruflichen Aufgaben unvermindert nach. Die Folge: Sie konnte geistig nicht mehr abschalten und im Schlaf keine Erholung finden. Kurz nach dem Tod ihres Vaters erfolgte auch ihr eigener k\u00f6rperlicher Zusammenbruch.<\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnen wir gegen Stress tun?<\/strong><\/p>\n<p>Das Beispiel von Martina F. k\u00f6nnte neue Denk- und Verhaltensgewohnheiten anregen: Zum Beispiel, sich nicht innerlich unter Druck zu setzen und auch einmal einen Konflikt zu riskieren. Sich gegen ungerechtfertigte Anspr\u00fcche durchzusetzen, scheitert jedoch oft daran, dass wir den konstruktiven Umgang mit Konflikten zu wenig gelernt haben. Wir haben Angst davor, vom Arbeitgeber nicht mehr gesch\u00e4tzt oder von der Familie nicht mehr geliebt zu werden, sobald wir unsere eigenen Bed\u00fcrfnisse ins Zentrum stellen. Hier kann es wichtig sein, den Teufelskreis der eigenen und fremden Erwartungen zu durchbrechen. Delegieren Sie Aufgaben. Setzen Sie Priorit\u00e4ten und erstellen Sie eine realistische Zeitplanung. Das kann helfen, dass wir auch bei punktuell erh\u00f6htem Einsatz unsere Bed\u00fcrfnisse nicht aus den Augen verlieren. Mentales Training, Sport und andere Freizeitaktivit\u00e4ten, gesundes Essverhalten und soziale Begegnungen verbessern die Resilienz, also die psychische Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Krisen. Dazu geh\u00f6rt auch, einer Arbeit nachzugehen, die unseren Interessen und Kompetenzen Rechnung tr\u00e4gt und somit unsere Lebenszufriedenheit allein schon durch die Arbeitszufriedenheit massgeblich unterst\u00fctzen kann.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/07\/Susanne-Borner_3517_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1035\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/07\/Susanne-Borner_3517_-150x150.jpg\" alt=\"Susanne Borner_3517_\" width=\"200\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/07\/Susanne-Borner_3517_-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iap\/files\/2016\/07\/Susanne-Borner_3517_.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Zur Autorin<\/strong><br \/>\nSusanna Borner ist Dozentin und Beraterin am IAP Institut f\u00fcr Angewandte Psychologie der ZHAW. Nach ihrem Psychologiestudium an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich absolvierte sie verschiedene Nachdiplomstudien in Systemischer Familien- und Paartherapie, Personalmanagement sowie Berufs- und Laufbahnberatung. An der ZHAW leitet sie den MAS Berufs-, Studien- &amp; Laufbahnberatung und arbeitet als Coach mit Menschen, die sich weiterentwickeln m\u00f6chten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff Stress ist in aller Munde \u2013 immer mehr Menschen f\u00fchlen sich ersch\u00f6pft und derart kraftlos, dass sie das Gef\u00fchl haben, weder Arbeit noch Alltag bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Doch gerade in einer Gesellschaft, in welcher alles als machbar gilt, ist es umso schwieriger, wenn man den geforderten Anspr\u00fcchen nicht mehr gerecht werden kann. 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