{"id":396,"date":"2014-08-18T04:02:18","date_gmt":"2014-08-18T02:02:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/?p=396"},"modified":"2015-05-22T11:48:32","modified_gmt":"2015-05-22T09:48:32","slug":"vom-genuss-wissenschaftlerin-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/vom-genuss-wissenschaftlerin-zu-sein\/","title":{"rendered":"Vom Genuss Wissenschaftlerin zu sein. Ein R\u00fcckblick auf den AILA-Weltkongress in Brisbane"},"content":{"rendered":"<p>Wissenschaftlerin zu sein hat Vorteile. Besonders toll finde ich, dass ich mir den Luxus leisten kann, Stunden und Tage \u00fcber ein\u00a0Thema nachzudenken, es \u00fcber Jahre zu vertiefen und aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Aber still vor\u00a0mich hin br\u00fcten\u00a0und Ideen entwickeln kann es allein nicht sein. Deswegen sind wissenschaftliche Konferenzen ein Genuss: Was in einer Plauderei\u00a0\u00fcber den Gartenzaun oder einem Samstagabendgespr\u00e4ch an der Bar exotisch scheint, ist hier normal: \u00dcber journalistisches\u00a0Schreiben\u00a0fachsimpeln, \u00fcber scheinbare Details diskutieren \u2013 oder erkl\u00e4ren, wie und weshalb ich aus dem Handeln einzelner Journalistinnen auf\u00a0\u00fcbergeordnete gesellschaftliche Strukturen schliesse. Ich geniesse es, mich der Kritik stellen, zu \u00fcberzeugen, oder mit besseren Argumenten \u00fcberzeugt zu werden. Denken ist nicht nur ein individuelles, sondern auch ein kollektives Abenteuer. Erhellend kann zudem sein, auf Fachkolleginnen und -kollegen zu treffen, deren Namen man hundertfach in Bibliographien gelesen hat; ihren Pr\u00e4sentationen zuzuh\u00f6ren oder am Fr\u00fchst\u00fcckstisch mit ihnen ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Da k\u00f6nnen die Funken springen! Begeisterung steckt an \u2013 aber auch Ent-T\u00e4uschung hilft weiter.<\/p>\n<p>Ein handfester Vorzug wissenschaftlicher Konferenzen ist, dass sie oft weit weg stattfinden, man also hinreisen muss und darf. Manchmal auch\u00a0ans andere Ende der Welt, im Fall der <a href=\"http:\/\/www.aila2014.com\/\">AILA 2014 <\/a>nach Brisbane. AILA steht f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.aila.info\/\"><em>Association Internationale de Linguistique Appliqu\u00e9e<\/em><\/a> oder <em>International\u00a0Association of Applied Linguistics<\/em>. Ziel dieses Verbandes ist es, den weltweiten Austausch zwischen allen Forschungskulturen der Angewandten\u00a0Linguistik zu f\u00f6rdern. Zu diesem Zweck f\u00fchrt die AILA alle drei Jahre einen Kongress durch, an dem bis zu\u00a02000 Forschende aus aller Welt\u00a0teilnehmen. Ein weiteres Mittel der AILA zur F\u00f6rderung der Angewandten Linguistik sind die internationalen Forschungsnetzwerke, die\u00a0sogenannten <a href=\"http:\/\/www.aila.info\/en\/research.html\">ReNs<\/a> (Research Networks). Hier schliessen sich WissenschaflerInnen aus unterschiedlichen\u00a0L\u00e4ndern zusammen, um \u00a0an\u00a0aktuellen Themen aus ihrem Bereich zu forschen. An den Weltkongressen bekommen die ReNs ein eigenes, grossz\u00fcgig bemessenes Tagungsfenster: die Gelegenheit also,\u00a0seine Forschung vor einem breiten Publikum zu pr\u00e4sentieren und sich mit Kolleginnen zu treffen, mit welchen\u00a0man sich normalerweise\u00a0nur \u00fcber Mail und Skype austauschen kann.<\/p>\n<p>Unser <a href=\"http:\/\/www.lingua-media.net\">ReN Media Linguistics<\/a> hat sich dieses Jahr schon vor dem Treffen in Australien intensiv getroffen: Weil nicht alle Heim-Universit\u00e4ten der Netzwerkmitglieder f\u00fcr eine Reise nach Australien aufkommen konnten, haben wir ein virtuelles Pecha Kucha\u00a0Pre-Panel veranstaltet. \u00a0Die Textsorte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pecha_Kucha\">Pecha Kucha<\/a> bedeutet, mit wenigen Folien und in kurzer Zeit ein komplexes Thema auf den Punkt zu bringen. Die Videobeitr\u00e4ge im <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/transwritingthenews\/\">Pre-Panel auf Youtube<\/a> gehen ein auf den theoretischen Hintergrund medienlinguistischer Forschung, auf Methoden zur Erforschung journalistischer\u00a0Schreibprozesse in nat\u00fcrlichen Kontexten und, auf einer Metaebene, auf die Gestaltung der wissenschaftlichen Laufbahn.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_398\" aria-describedby=\"caption-attachment-398\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2014\/08\/photo2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-398 size-medium\" src=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2014\/08\/photo2-300x225.jpg\" alt=\"photo[2]\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2014\/08\/photo2-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2014\/08\/photo2.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-398\" class=\"wp-caption-text\">ReN Media Linguistics am AILA-Begr\u00fcssungsap\u00e9ro. Noch nicht vollst\u00e4ndig, aber strahlend \u2013 trotz Jetlag.<\/figcaption><\/figure>Im Panel selbst dann, in Brisbane, haben wir in sechs 20-min\u00fctigen Pr\u00e4sentationen die neusten Methoden und Erkenntnisse der\u00a0Medienlinguistik pr\u00e4sentiert und diskutiert. Spannend war das vor allem, weil die Forschenden unterschiedlichen Zug\u00e4nge zum Thema\u00a0haben, von Diskurs- und Argumentationsanalyse \u00fcber Interaktions- und Textanalyse bis hin zur Statistik. Die journalistische\u00a0Textproduktion wurde also aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Erforscht werden Handlungen einzelner Journalistinnen\u00a0beim Schreiben, Interviewen oder Diskutieren, aber auch die Bedeutung und das Zusammenspiel dieser Handlungen auf \u00fcbergeordneten\u00a0Ebenen wie Redaktion oder Gesellschaft. Wir haben sozusagen die einzelnen Puzzleteilchen angeschaut, die Prozesse des\u00a0Zusammenf\u00fcgens\u00a0beleuchtet und auch das Gesamtbild betrachtet, das dabei entsteht. Faszinierend war dabei nicht nur die Vielfalt der\u00a0Perspektiven und Methoden, sondern auch die Raffinesse der Softwaretools, die die Forschenden in ihrer Arbeit anwenden und die sie in interdisziplin\u00e4ren\u00a0Kooperationen\u00a0entwickelt haben. Vor und nach dem eigenen Panel haben wir als G\u00e4ste in anderen Panels mitgewirkt. Zum Beispiel im \u201eInvited Symposium\u201c von <a href=\"http:\/\/www.mq.edu.au\/about_us\/faculties_and_departments\/faculty_of_human_sciences\/linguistics\/linguistics_staff\/professor_christopher_n_candlin\/\">Chris Candlin<\/a> mit dem Titel \u201eMaking Applied Linguistics Matter: Opportunities for Engaging with Professional Practice\u201c. Hier haben transdisziplin\u00e4r Forschende gezeigt, wie sie zusammen mit Praktikerinnen und Praktikern Probleme der Kommunikation l\u00f6sen in Feldern wie Gesundheit, Recht, Wirtschaft, aber eben auch Medien und \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Ich habe das wissenschaftliche Tauchbad in Brisbane sehr genossen, die Pr\u00e4sentationen, Diskussionen, die gemeinsamen Essen\u00a0am Fluss und die Fahrrad-Sightseeing-Touren. Arbeiten und Reisen in einem sozusagen. Genau die richtige Motivationsspritze\u00a0f\u00fcrs\u00a0Vorbereiten meiner Lehrveranstaltungen im Herbstsemester und die Planung meiner n\u00e4chsten Publikationen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/tag\/aleksandra-gnach\/\">Aleksandra Gnach<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftlerin zu sein hat Vorteile. 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