{"id":2167,"date":"2017-09-11T14:50:41","date_gmt":"2017-09-11T12:50:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/?p=2167"},"modified":"2017-09-11T14:58:13","modified_gmt":"2017-09-11T12:58:13","slug":"die-mediale-service-public-debatte-ein-baerendienst-fuer-die-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/die-mediale-service-public-debatte-ein-baerendienst-fuer-die-demokratie\/","title":{"rendered":"Die mediale Service Public-Debatte: Ein B\u00e4rendienst f\u00fcr die Demokratie"},"content":{"rendered":"<p><em>Die andauernde Debatte um die Reform des medialen Service Public in der Schweiz ist haupts\u00e4chlich eine \u00f6konomische und rechtliche. Publizistische Aspekte sind zweitrangig. Ausserdem wird die gesellschaftliche Medienkompetenz und das Medienvertrauen im Diskurs bisher nur wenig gef\u00f6rdert. Dies zeigt eine Studie des Instituts f\u00fcr Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW in Winterthur.<\/em><\/p>\n<pre>von <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/sani\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mirco Saner<\/a>, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Forschungsschwerpunkt Journalistik des IAM<\/pre>\n<p><strong>Der mediale Service Public als Gesch\u00e4ft<\/strong><\/p>\n<p>Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein, hielt Karl Marx einst fest. Seit gut zwei Jahren dauert in der Schweiz eine intensive Debatte rund um die wohl gr\u00f6sste Umgestaltung des medialen Service Public seit seiner Einf\u00fchrung an. Ihre Protagonisten sind die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG, der Verlegerverband VSM als Vertreter der Privatmedien sowie die nationale Medienpolitik. Beherrscht wird die Diskussion von Streitigkeiten \u00fcber Finanzmittel, Markteinfluss, Machtausbau und medienrechtliche Regulierung. Dies zeigt eine Inhaltsanalyse von rund vierhundert medienkritischen Online-Beitr\u00e4gen zur Deutschschweizer Service Public-Debatte im ersten Quartal 2016. Ein Befund, der auf zweierlei Entwicklungen in der Medienbranche hindeutet. Erstens: Journalismus wird in erster Linie als Gesch\u00e4ft verstanden. Zweitens: Die Verlegersorgen um das Weiterbestehen der eigenen Unternehmen sind ein Grundmotiv im medienkritischen Diskurs.<\/p>\n<p><strong>Service Public und Medienkritik<br \/>\n<\/strong>Der Service Public wie er national von der SRG und regional von privaten Radio- und Fernsehsendern \u00fcbernommen wird, bildet einen Grundpfeiler des westlichen Journalismusverst\u00e4ndnisses. Er beschreibt den in der Verfassung festgehaltenen Auftrag an die Massenmedien, die Bev\u00f6lkerung sachgerecht zu informieren, zur Bildung, zur Meinungsvielfalt und zur kulturellen Entfaltung beizutragen sowie den vier Sprachregionen trotz aller Unterschiede ein Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl zu vermitteln. Inwiefern die Massenmedien diesen demokratierelevanten Auftrag erf\u00fcllen, muss im Rahmen einer \u00f6ffentlich sichtbaren Medienkritik diskutiert werden, an der sich neben der Medienpolitik m\u00f6glichst viele Akteure innerhalb und ausserhalb der Medienbranche beteiligen sollten. Eine breitabgest\u00fctzte, fortw\u00e4hrende Beobachtung und Bewertung medialer Leistungen erlauben es, langfristige Ver\u00e4nderungen in der Medienbranche wahrzunehmen, die \u00fcber das Fehlverhalten gewisser Sendeformate oder die pers\u00f6nliche Meinung einzelner Protagonisten hinausgehen.<\/p>\n<p><strong>Medienkritik als Luxusprodukt<br \/>\n<\/strong>Untersucht wurden w\u00e4hrend dreier Monate insgesamt 185 Medientitel der Massenmedien sowie Publikationen weiterer hundert Fachakteure, die sich mit dem medialen Service Public auseinandergesetzt haben &#8211; Berufsverb\u00e4nde, Branchennewsportale, Gewerkschaften, medienkritische Vereine und Blogs oder das Parlament. Im Mittel haben die analysierten Akteure in dieser Zeitspanne weniger als zwei medienkritische Beitr\u00e4ge publiziert (1.3 Beitr\u00e4ge). In den meisten Massenmedien findet gar keine nennenswerte, \u00f6ffentlich-kritische Auseinandersetzung mit der Service Public-Thematik statt. Fachakteure haben sich durchschnittlich st\u00e4rker mit dem Thema auseinandergesetzt als die Massenmedien und liefern auch etwas h\u00e4ufiger Beitr\u00e4ge, welche versuchen, die komplexen Zusammenh\u00e4nge zwischen dem Service Public, der Medienbranche und der Gesellschaft zu skizzieren. Dies mag damit zusammenh\u00e4ngen, dass bei Fachpublikationen mehr Medienfachwissen zur Verf\u00fcgung steht als bei den thematisch universellen Massenmedien. Die Analyse l\u00e4sst aber insgesamt den Schluss zu: Medienkritik ist ein Luxus, den sich Medien ab und zu leisten. Kontinuit\u00e4t bleibt hehrer Wunsch.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Akteurstypen liefern beinahe alle medienkritischen Beitr\u00e4ge zum Diskurs. Der mit Abstand gr\u00f6sste Anteil stammt von Massenmedien ohne institutionalisierte Medienkritik, also ohne feste Medienressorts oder Medienjournalisten. Auf dem zweiten Platz rangieren Online-Fachpublikationen mit digitalen Branchenmagazinen, -Newsportalen oder \u2013Newslettern. Der Rest stammt von SRG-internen Kan\u00e4len wie Regionalgesellschaften oder Qualit\u00e4tsgremien, Massenmedien mit institutionalisierter Medienkritik sowie parlamentarischen Vorst\u00f6sse in Form von Postulaten, Interpellationen oder Anfragen an den Bundesrat. \u00dcbrige Akteure wie medienkritische Vereine, Branchengewerkschaften, Medienausbildungsinstanzen, Medienblogs oder auch die Medien- und Kommunikationswissenschaft (MuKW) liefern keinen nennenswerten Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Debatte.<a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/09\/Grafik1_ServicePublic.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2170 size-full\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/09\/Grafik1_ServicePublic.jpg\" alt=\"\" width=\"753\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/09\/Grafik1_ServicePublic.jpg 753w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/09\/Grafik1_ServicePublic-300x140.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 753px) 100vw, 753px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Grafik 1:<\/strong> Akteurstypen mit dem gr\u00f6ssten Anteil Beitr\u00e4ge am \u00f6ffentlichen medienkritischen Diskurs<\/em>&nbsp;<em>im 1. Quartal 2016<\/em><\/p>\n<p><strong>Kritikschwerpunkte: Admeira und SRG<br \/>\n<\/strong>Im Fokus der \u00f6ffentlichen Debatte steht die Frage, wie die SRG und die Privatmedien zuk\u00fcnftig in finanzieller Hinsicht koexistieren k\u00f6nnen. Online und offline. Im Zentrum steht im Analysezeitraum insbesondere die Werbevermarktungsgesellschaft <em>Admeira<\/em>, welche die SRG im Jahr 2015 gemeinsam mit der Swisscom und dem Verlagshaus Ringier gegr\u00fcndet hat und die seit April 2016 am Markt ist. Der Verband Schweizer Medien VSM betrachtet die Kooperation einer geb\u00fchrenfinanzierten SRG mit einem privaten und einem teilprivatisierten Unternehmen als existenzielle Bedrohung und geht deswegen juristisch dagegen vor. Die Sorge: Admeira stelle eine die \u00fcbrigen Medienh\u00e4user benachteiligende Vermarktungsmacht dar, mit der es m\u00f6glich wird, personalisierte Werbung zu schalten. Dieser Hauptstrang der Debatte ist prim\u00e4r interessengeleitet, pr\u00e4sentiert sich also durch individuelle oder organisationale Meinungs\u00e4usserungen, die meist nicht auf die gesellschaftliche Aufgabe des Service Public, der SRG oder des Journalismus eingehen. Als Schlagworte kursieren Begriffe wie <em>Sparmassnahmen, Existenzbedrohung, Auflagen, Aufsichtsverfahren, Beschwerde<\/em> oder <em>Konsumw\u00fcnsche<\/em>. Publizistische Aspekte wie beispielsweise welche Angebote zu einem Service Public dazugeh\u00f6ren, welche Inhalte weshalb besser von der SRG und welche von Privaten geleistet werden k\u00f6nnen oder auch, inwiefern sich der Leistungsauftrag durch technologische und branchenspezifische Entwicklungen anzupassen hat, sind Mangelware. Der Kommunikationswissenschaftler Jay Blumler skizzierte Ende der 90er Jahre, dass \u201edas Gemeinwohl von partikularen Organisationsinteressen verdr\u00e4ngt\u201c werde, je mehr es in der Medienbranche um Quoten, Ertr\u00e4ge und Macht gehe. Es stellt sich also die Frage, ob es gesellschaftlich funktional ist, dass eine demokratierelevante Debatte von \u00f6konomisch motivierten Argumenten dominiert wird. Gem\u00e4ss Blumler ist Medienkritik bei gesamtgesellschaftlich relevanten Medienentwicklungen am einflussreichsten, da sich dann eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure und Meinungen in den \u00f6ffentlichen Diskurs einbringen. Wenn diese Stimmen \u00fcberwiegend \u00f6konomische Argumente transportieren, ist allerdings unklar, ob das Publikum den demokratischen Wert der Massenmedien und die gesellschaftliche Bedeutung des Service Public wahrnimmt.<\/p>\n<p><strong>Ein B\u00e4rendienst f\u00fcr die Demokratie<br \/>\n<\/strong>Eine qualitative, \u00f6ffentliche Medienkritik tr\u00e4gt dazu bei, seitens des Publikums die Medienkompetenz zu verbessern und das Vertrauen in die Medien zu st\u00e4rken. Der Erwerb von Medienkompetenz hat im Schweizer Bildungssystem bisher keine Priorit\u00e4t und muss deshalb auch anderweitig unterst\u00fctzt werden. Medienkritik wird dann als kompetenz- und vertrauensf\u00f6rdernd \u2013 und damit als demokratief\u00f6rdernd &#8211; angesehen, wenn sie neben dem reinen Kritikanteil auch konstruktive, l\u00f6sungsorientierte Elemente enth\u00e4lt. Dazu z\u00e4hlen konkrete Verbesserungsvorschl\u00e4ge, das Aufzeigen von vorbildhaften Pionierprojekten, weiterf\u00fchrende Ideen zur Finanzierung des Journalismus, das Aufarbeiten medienpolitischer oder medienwissenschaftlicher Erkenntnisse oder auch die Skizzierung vision\u00e4rer Vorstellungen zur Entwicklung der Medienbranche. Vertrauensf\u00f6rdernd k\u00f6nnen Metainformationen \u00fcber die Medienbranche und die journalistische Arbeitsweise sein: Welche Rahmenbedingungen beeinflussen die journalistische Produktion? Welche Einschr\u00e4nkungen erfahren Journalisten bei der Arbeit? Kann Journalismus die Realit\u00e4t abbilden, so wie sie ist? Sich von der eigenen Kritikermeinung zu l\u00f6sen und die Argumentation auf allgemein akzeptierte Grundlagen zu stellen, macht Kritik nachvollziehbar und ihrerseits kritisierbar. Solche Grundlagen k\u00f6nnen Vorgaben der Medienpolitik, des Medienrechts, medienethischer Kodices, aber auch Ergebnisse aus der Medienforschung und der Mediengeschichte sein.<\/p>\n<p><strong>Wenig demokratief\u00f6rdernde Medienkritik<br \/>\n<\/strong>Wie sieht es mit der medienkompetenz- und medienvertrauensf\u00f6rdernden Wirkung der laufenden Service Public-Debatte aus? Um diese Frage zu beantworten wurden im ersten Quartal 2016 rund vierhundert medienkritische Online-Beitr\u00e4ge untersucht. Im medialen Diskurs zeigen sich deutliche Anzeichen daf\u00fcr, dass in denjenigen Medien, in denen keine Ressorts oder personelle Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fcr Medienkritik vorhanden sind, eher wenig demokratief\u00f6rdernde Medienkritik hervorgebracht wird. Beitr\u00e4ge aus solchen Medien weisen eine \u00fcberwiegend negative Tonalit\u00e4t auf, berufen sich meist auf individuelle Meinungspr\u00e4ferenzen von Autoren oder befragten Quellen und sind seltener l\u00f6sungsorientiert. Auch Online-Fachpublikationen (z.B. digitale Branchenmagazine oder Branchennewsportale), die am zweith\u00e4ufigsten kritisch \u00fcber den Service Public schreiben und bei denen Medienkritik zum Tagesgesch\u00e4ft geh\u00f6rt, haben vergleichbar geringe Werte bei all diesen Qualit\u00e4tskriterien. Zwischen 30 und 40 Prozent der Beitr\u00e4ge besitzen bei beiden Akteurstypen demokratief\u00f6rdernden Charakter. Aufgrund dieser Werte ist es kritisch zu sehen, dass Kan\u00e4le mit nicht-institutionalisierter Medienkritik und Online-Fachpublikationen mehr als 80% der medienkritischen Inhalte zur Debatte beitragen (siehe Grafik 1oben).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/09\/Grafik2_ServicePublic.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2173\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/09\/Grafik2_ServicePublic.jpg\" alt=\"\" width=\"455\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/09\/Grafik2_ServicePublic.jpg 455w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/09\/Grafik2_ServicePublic-300x193.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 455px) 100vw, 455px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Grafik 2:<\/strong> Anteil Beitr\u00e4ge mit demokratief\u00f6rdernden Medienkritik-Elementen in %<\/em>&nbsp;<em>(Vergleich zwischen den Akteurstypen \u201ePublikationen des nicht-institutionalisierten, massenmedialen Journalismus\u201c und \u201eOnline-Fachpublikationen\u201c)<\/em><\/p>\n<p><strong>Wissenschaft verpasst Chance<br \/>\n<\/strong>Kommt man aufgrund dieser Daten zum Schluss, dass die bisherige Medienkritikleistung von Massenmedien und Fachmedien defizit\u00e4r ist, stellt sich die Frage, welche gesellschaftliche Verantwortung die Medien- und Kommunikationswissenschaft (MuKW) \u00fcbernimmt, um die Situation zu \u00e4ndern. Als Stimme ist die MuKW in weniger als f\u00fcnfzehn Prozent aller medienkritischen Beitr\u00e4ge zur Service Public-Debatte pr\u00e4sent. Durch eine solch marginale Rolle verspielt die Wissenschaft durchaus Potenzial, die \u00f6ffentliche Debatte zu bereichern, da die l\u00f6sungsorientierten Anteile und der Bezug auf allgemeinakzeptierte Grundlagen <em>signifikant*<\/em> zunehmen, wenn die Wissenschaft als Akteur in den Beitr\u00e4gen vorkommt. In beiden F\u00e4llen steigt der Anteil entsprechender Beitr\u00e4ge um mehr als das Doppelte an. Lediglich bei der Tonalit\u00e4t der Beitr\u00e4ge bleiben die Anteile vergleichbar \u2013 n\u00e4mlich \u00fcberwiegend negativ &#8211; was mit dem Rationalit\u00e4tspostulat der Wissenschaft zusammenh\u00e4ngen mag. Nat\u00fcrlich fliesst wissenschaftliches Wissen zus\u00e4tzlich auch indirekt in die Debatte ein. Im Rahmen von Wissenschaftlern, die f\u00fcr andere medienkritische Akteure t\u00e4tig sind wie das Bundesamt f\u00fcr Kommunikation BAKOM, die Eidgen\u00f6ssische Medienkommission EMEK oder medienkritische Vereine beispielsweise. Inwiefern das Publikum die MuKW in diesen F\u00e4llen als eigest\u00e4ndigen Akteur wahrnimmt, bleibt offen. In Zeiten von Fake News sind Vertrauen eine wichtige W\u00e4hrung f\u00fcr die \u00f6ffentliche Kommunikation. Vertrauensbildend wirken unaufgeregte, sachlich reflektierende Beitr\u00e4ge von unabh\u00e4ngiger Seite. Merkmale, die typischerweise der Wissenschaft zugeschrieben werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/09\/Grafik3_ServicePublic.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2174\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/09\/Grafik3_ServicePublic.jpg\" alt=\"\" width=\"465\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/09\/Grafik3_ServicePublic.jpg 465w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/09\/Grafik3_ServicePublic-300x180.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 465px) 100vw, 465px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Grafik 3:<\/strong> Anteil Beitr\u00e4ge mit demokratief\u00f6rdernden Medienkritik-Elementen in %<\/em>&nbsp;<em>(Vergleich zwischen dem gesamten Beitragssample und den Beitr\u00e4gen mit MuKW-Pr\u00e4senz)<\/em><\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist, dass Wissenschaft nur selten als eine Stimme unter vielen in einem Beitrag vorhanden ist, sondern wenn, dann die Hauptfunktion bzw. die Hauptargumentation \u00fcbernimmt. Wissenschaft scheint damit kein Akteur zu sein, den man nebenbei einbaut. Dies deutet darauf hin, dass der Wissenschaft als Quelle insgesamt ein hoher Stellenwert beigemessen wird, aber Hindernisse das h\u00e4ufigere Einbauen von Wissenschaft verhindern. M\u00f6glicherweise geht es dabei um zu wenig rasch verf\u00fcgbares oder zug\u00e4ngliches Datenmaterial und &nbsp;Hemmungen im Umgang mit Forschern.<\/p>\n<p><strong>Wie viel darf\u2019s denn sein?<br \/>\n<\/strong>Sowohl in den meisten Massenmedien als auch bei Fachakteuren ist der Anteil demokratief\u00f6rdernder Medienkritik deutlich in der Minderheit und im Falle der Massenmedien generell eine minimale kritische Auseinandersetzung mit der Thematik festzustellen. Aber die Frage, wie viel Medienkritik \u2013 und wie viel demokratief\u00f6rdernde Medienkritik \u2013 ausreichend w\u00e4re f\u00fcr eine Gesellschaft, ist ungekl\u00e4rt. L\u00f6sungsorientierter Journalismus wird innerhalb der Str\u00f6mung des \u201ekonstruktiven Journalismus\u201c seit l\u00e4ngerem gefordert. Der Ansatz steht jedoch auch in der Kritik, weil eine L\u00f6sungsorientierung dazu f\u00fchren kann, dass der Journalismus seine Objektivit\u00e4t verliert, da man beginnt, sich mit L\u00f6sungsideen zu identifizieren. Zu fordern ist in diesem Sinne nicht, dass s\u00e4mtliche Medienkritikbeitr\u00e4ge l\u00f6sungsorientiert sein sollen, sondern dass dieses Konzept regelm\u00e4ssig eingebaut und dann f\u00fcr das Publikum auch explizit deklariert wird. Das Publikum selbst liefert zur \u201eidealen Menge\u201c an Medienkritik bisher auch keine Antwort; es ist unklar, wie medienkritische Beitr\u00e4ge rezipiert werden. Da in der vorliegenden Analyse vorausgesetzt wurde, dass qualitative Medienkritik das Medienvertrauen und die Medienkompetenz positiv beeinflussen, k\u00f6nnten Ergebnisse entsprechender Vertrauens- und Kompetenzstudien ein Anhaltspunkt f\u00fcr eine Bewertungsskala sein. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2016 zeigt, dass die Schweizer Bev\u00f6lkerung durchaus Vertrauen in ihre Programmangebote von \u00f6ffentlichen und privaten Medien hat. Die Crux bei diesem Ansatz: Bisher fehlen breitfl\u00e4chige empirische Daten und eine verl\u00e4ssliche Messung von Medienkompetenz erweist sich als schwierig. Als Alternative bietet sich an, einen medialen Demokratief\u00f6rderungs-Index zu erstellen, der sich auf die diskutierten textlichen Elemente medialer Berichterstattung st\u00fctzt. Anhand eines solchen Index liesse sich zumindest erkennen, ob die Entwicklung \u00fcber die Zeit positiv oder negativ ausf\u00e4llt.<\/p>\n<hr>\n<p><span style=\"color: #999999\"><strong><em>Erl\u00e4uterungen zu Grafik 2:<br \/>\n<\/em><\/strong>*\u03c7<sup>2<\/sup><em>-Wert von 57,46 mit p&lt;0.001; Cramer-V .382<br \/>\nBeim Bezug auf allgemeinakzeptierte Grundlagen (normative Elemente) besteht eine <strong>hoch signifikante<\/strong> Beziehung.<br \/>\n<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #999999\"> *\u03c7<sup>2<\/sup><em>-Wert von 61,18&nbsp; mit p&lt;0.001; Cramer-V .395<\/em><em> Beim Bezug auf l\u00f6sungsorientierte Elemente besteht eine <strong>hoch signifikante<\/strong> Beziehung.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #999999\">*\u03c7<sup>2<\/sup><em>-Wert von 7,30&nbsp; mit p&gt;0.05; Cramer-V .136<br \/>\nBeim Bezug auf positiv-konstruktive Elemente (Tonalit\u00e4t) besteht <strong>keine<\/strong> signifikante Beziehung.<\/em><\/span><\/p>\n<hr>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bakom.admin.ch\/bakom\/de\/home\/elektronische-medien\/zahlen-und-fakten\/studien\/publikumsbefragung-programmbewertung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die 2016er- Schweizer Vertrauensstudie<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.educa.ch\/de\/guides\/medienkompetenz-schulalltag\/studien-medienkompetenz-jugendlichen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studien zur Medienkompetenz von Jugendlichen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Mehr von diesem Autor<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/viel-neues-im-osten-schweizer-journalismuspioniere-2-0\/\">Viel Neues im Osten: Schweizer Journalismuspioniere 2.0<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/gut-getarnt\/\">Gut getarnt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/ueber-verpuffungen-und-rezepte-dagegen\/\">\u00dcber Verpuffungen und Rezepte dagegen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<hr>\n<p><em>Der Artikel wurde auch im <a href=\"http:\/\/de.ejo-online.eu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europ\u00e4ischen Journalismus-Observatorium (EJO)<\/a> publiziert.<\/em><\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/tag\/journalistik\/\">Journalistik<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/tag\/mirco-saner\/\">Mirco Saner<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die andauernde Debatte um die Reform des medialen Service Public in der Schweiz ist haupts\u00e4chlich eine \u00f6konomische und rechtliche. 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