{"id":1879,"date":"2017-03-01T18:40:16","date_gmt":"2017-03-01T17:40:16","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/?p=1879"},"modified":"2017-03-06T18:28:03","modified_gmt":"2017-03-06T17:28:03","slug":"africa-is-everywhere-oder-ueber-die-hoehen-der-interkulturellen-zusammenarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/africa-is-everywhere-oder-ueber-die-hoehen-der-interkulturellen-zusammenarbeit\/","title":{"rendered":"\u201eAfrica is everywhere\u201c oder: \u00dcber die H\u00f6hen der interkulturellen Zusammenarbeit"},"content":{"rendered":"<pre>von <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/skcp\/\" target=\"_blank\">Christoph Spurk<\/a>,\u00a0Projektleiter Forschungsprojekte Medien und Journalismus in Entwicklungsl\u00e4ndern und Dozent am IAM<\/pre>\n<p>Seit vielen Jahren sind IAM\u00a0Medienforscher und -forscherinnen in Afrika t\u00e4tig. Das derzeit gr\u00f6sste Projekt l\u00e4uft unter dem vom Schweizer Nationalfonds (SNF) und der Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) gemeinsam finanzierten Programm \u201eResearch for Development\u201c (R4D). Darin untersucht das IAM seit zwei Jahren in einem interdisziplin\u00e4ren Projekt (Agronomie, Soziologie und eben Medien\/Kommunikation), warum afrikanische Bauern die vielen Techniken, die zur Verf\u00fcgung stehen, um die sinkende Bodenfruchtbarkeit in Afrika wieder zu st\u00e4rken, nicht oder nicht richtig, auf jeden Fall in zu geringem Ausmass anwenden. Ausser dem Forschungsinstitut f\u00fcr biologischen Landbau (FiBL) in Frick und uns sind an dem Projekt insgesamt zw\u00f6lf afrikanische Universit\u00e4ten und Forschungseinrichtungen in insgesamt vier L\u00e4ndern (Sambia, Mali, Ghana und Kenia) beteiligt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/03\/Uni-Ghana.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1885 size-large\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/03\/Uni-Ghana-1024x768.jpg\" width=\"550\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/03\/Uni-Ghana-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/03\/Uni-Ghana-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/03\/Uni-Ghana-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/03\/Uni-Ghana.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wie l\u00e4uft nun diese Zusammenarbeit nicht nur \u00fcber disziplin\u00e4re Grenzen, vor allem auch \u00fcber kulturelle Barrieren hinweg?<\/p>\n<p>Wahrscheinlich hat sich jede(r), der\/die in Afrika unterwegs ist oder mit Afrika zu tun hatte, schon mal bei dem Gedanken erwischt, warum sich afrikanische Kollegen (Dozierende, Forschende, Studierende)\u00a0 bisweilen so verhalten, als wollten sie die g\u00e4ngigen Vorurteile zu Afrika \u00a0in vollem Umfang\u00a0 best\u00e4tigen. Auf konkrete Fragen per Email kommt als Antwort ein d\u00fcrres \u201eNoted. Regards\u2026\u201c und dann wochenlang nichts. Aus unserer Sicht fest vereinbarte Termine zum Start konkreter Untersuchungen verz\u00f6gern sich langfristig, und Begr\u00fcndungen gibt es erst auf mehrmaliges Nachfragen hin. Die eigens eingerichtete Web-Plattform ist bisweilen monatelang im Winterschlaf versunken&#8230; Uff. Schwierig. Wie erw\u00e4hnt, bestens geeignet, g\u00e4ngige Vorurteile zu best\u00e4rken.<\/p>\n<p>Nun, Sozialwissenschaftlern geht es nat\u00fcrlich gegen die Berufsehre, sich auf den eigenen Vorurteilen auszuruhen, und der Anspruch gewinnt die \u00dcberhand, Verhalten zumindest nachvollziehen zu k\u00f6nnen.\u00a0Dabei helfen aus meiner Sicht unterschiedliche Ans\u00e4tze. Erstens gibt es ja ganz generell viele denkbare Gr\u00fcnde f\u00fcr Verhalten, auch wenn es uns erstmal unverst\u00e4ndlich erscheint. Auf jeden Fall ist es der M\u00fche wert, Erkl\u00e4rungen f\u00fcr ein bestimmtes Verhalten zu suchen. Wenn diese Perspektive eingeschaltet ist, sind fruchtbare Erkl\u00e4rungen nicht weit, wie z.B. in unserem Fall:<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise ist das sehr stark von Schweizern initiierte Projekt noch l\u00e4ngst nicht das der afrikanischen Kollegen: Sie machen mit, weil ihre PhD-Studenten in Afrika finanziert werden k\u00f6nnen (die sonst gar keine Finanzierung erhalten w\u00fcrden), und weil die Kollegen selbst auch eine finanzielle Entsch\u00e4digung erhalten. Aber es ist nicht <u>ihr<\/u> Projekt, in dem sie mit Herzblut dabei w\u00e4ren. Sie w\u00fcrden m\u00f6glicherweise etwas ganz anderes erforschen wollen, aber f\u00fcr das laufende Projekt gibt es halt Geld, und aus Sicht der Afrikaner weiss das Schweizer Forschungsteam wahrscheinlich am besten, wof\u00fcr in der Schweiz Forschungsgelder aufzutreiben sind. Auf Entwicklungs-Chinesisch heisst das, dass das \u201eownership\u201c f\u00fcr das Projekt fehlt.<\/p>\n<p>Eine andere Variante zur Erkl\u00e4rung ist die: Es gibt, was die konkreten Methoden der empirischen Sozialforschung angeht, bei einigen Kollegen in Afrika ein gewisses Defizit an praktischer Erfahrung. Theoretisch sind sie auf gleichem Stand, schliesslich haben wir die gleichen amerikanischen Lehrb\u00fccher gelesen. Praktisch jedoch eher nicht. Aber eine gewisse Schw\u00e4che einzugestehen, ist f\u00fcr einen Kollegen im afrikanischen Kontext schwierig, zumal, wenn rangniedrigere Assistentinnen oder Studenten anwesend oder im cc sind. \u201eFace-saving\u201c ist ein absolutes Muss. Auch nur partielle Unkenntnis einzugestehen, w\u00fcrde die Reputation drastisch gef\u00e4hrden. Also, wird eben wenig nachgefragt, oder auf kritische Emails nicht inhaltlich reagiert.<\/p>\n<p>Perspektivenwechsel kann n\u00fctzlich sein: Fast jeder interkulturelle Stolperstein l\u00e4sst einen nach einiger Zeit auch dar\u00fcber nachdenken, wie es denn bei \u201euns\u201c ist. Ist das inkriminierte Verhalten tats\u00e4chlich so ungew\u00f6hnlich? Ist die Kluft zwischen uns und den afrikanischen Kollegen tats\u00e4chlich so gross? Wie viele kritische Nachfragen per Email pflege ich selbst gerne zu \u00fcbersehen?\u00a0 Wie oft pflegen wir in Sitzungen zu sagen, dass wir etwas nicht verstanden haben, was wir \u201eeigentlich\u201c verstehen sollten, m\u00fcssten, k\u00f6nnten. Der Bedarf nach \u201eface-saving\u201c ist uns jedenfalls nicht fremd, auch wir haben an einer Kultur der Offenheit sicher noch viel zu arbeiten. Das ist dann das Sch\u00f6ne an der interkulturellen Zusammenarbeit, dass es das eigene Verhalten st\u00e4rker reflektieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Und was machen wir nun in unserem Projekt konkret, um Abhilfe zu schaffen, schlaue Erkl\u00e4rungen hin oder her?\u00a0 Was hilft: das direkte Gespr\u00e4ch. Es ist immer wieder erstaunlich, was sich erreichen l\u00e4sst, wenn wir mit afrikanischen Kollegen direkt vor Ort sprechen und agieren. Was \u00fcber Monate unklar blieb, im Emailverkehr oder per Skype vergeblich auszuhandeln versucht wurde, das l\u00e4sst sich in drei Tagen \u201eface-to-face\u201c verbindlich kl\u00e4ren und regeln. Zum Beispiel, wie die Feldversuche in der Agronomie im Detail auszusehen haben, und wie die erste Umfrage unter Bauern tats\u00e4chlich durchzuf\u00fchren ist. Und dann passiert etwas, was wir in der Schweiz nicht gewohnt sind: Es geht rasend schnell. Mittwochs wird der Fragebogen f\u00fcr die Baseline-Umfrage verabschiedet, am Donnerstag fahren wir zum \u00dcben ins \u201eFeld\u201c ( in dem Falle Busch, 200 km weg von der Stadt ), proben den Random Walk (eine bestimmte Art, die Teilnehmer f\u00fcr eine Umfrage zuf\u00e4llig auszuw\u00e4hlen) und am Freitagmorgen sind zehn Studenten unterwegs, und haben am Abend die ersten 50 Interviews im Sack. Voil\u00e0, Chapeau.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/03\/Workshop.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1887 size-large\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/03\/Workshop-1024x768.jpg\" width=\"550\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/03\/Workshop-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/03\/Workshop-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/03\/Workshop-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/files\/2017\/03\/Workshop.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/tag\/christoph-spurk\/\">Christoph Spurk<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Christoph Spurk,\u00a0Projektleiter Forschungsprojekte Medien und Journalismus in Entwicklungsl\u00e4ndern und Dozent am IAM Seit vielen Jahren sind IAM\u00a0Medienforscher und -forscherinnen in Afrika t\u00e4tig. 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