{"id":498,"date":"2018-08-23T08:43:50","date_gmt":"2018-08-23T06:43:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/?p=498"},"modified":"2020-01-09T13:22:22","modified_gmt":"2020-01-09T12:22:22","slug":"mit-gezielten-subventionen-die-kosten-von-mangelernaehrung-reduzieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/2018\/08\/23\/mit-gezielten-subventionen-die-kosten-von-mangelernaehrung-reduzieren\/","title":{"rendered":"Mit gezielten Subventionen die Kosten von Mangelern\u00e4hrung reduzieren"},"content":{"rendered":"<p><em>Von <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/brub\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dr. Beatrice Brunner<\/a><\/em><\/p>\n<p>Kinder entwickeln sich in den ersten 1000 Tagen extrem schnell. Um gesund zu bleiben, ben\u00f6tigen sie w\u00e4hrend dieser Zeit ausreichend Energie (Kalorien), Eiweiss und lebenswichtige Spurenelemente wie Eisen, Vitamin A und Iod. Wird der K\u00f6rper damit \u00fcber die Nahrung nicht ausreichend versorgt, wird die Entwicklung der Kinder nachhaltig beeintr\u00e4chtigt. Unser Krankheitskostenmodell erm\u00f6glicht es, die gesellschaftlichen Kosten von Mangelern\u00e4hrung im Kindesalter zu quantifizieren und preisbasierte Interventionen zu evaluieren.<!--more--><\/p>\n<h4>N\u00e4hrstoffe sind entscheidend<\/h4>\n<p>W\u00e4hrend sich die Versorgung mit Kalorien in den letzten Jahren stetig verbessert hat, leiden viele Kinder weiterhin an einem Mangel an lebensnotwendigen Spurenelementen. Vor allem in einkommensschwachen L\u00e4ndern sterben deswegen jedes Jahr 3 Millionen Kinder. Diejenigen die \u00fcberleben, leiden h\u00e4ufiger an Krankheiten und bleiben in ihrer physischen und kognitiven Entwicklung zur\u00fcck.<\/p>\n<p>In Pakistan beispielsweise leiden 46% aller Kinder im Alter von 6 bis 23 Monaten unter Vitamin-A-Mangel und 44% leiden unter Eisenmangel. Je tiefer der Wohlstand, desto h\u00f6her ist der Anteil (siehe Grafik).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2018\/08\/180823_G\u00f6F_Kosten-von-Mangelern\u00e4hrung_Grafik1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-509\" src=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2018\/08\/180823_G\u00f6F_Kosten-von-Mangelern\u00e4hrung_Grafik1.png\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2018\/08\/180823_G\u00f6F_Kosten-von-Mangelern\u00e4hrung_Grafik1.png 450w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2018\/08\/180823_G\u00f6F_Kosten-von-Mangelern\u00e4hrung_Grafik1-300x256.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><\/p>\n<h4>Die betroffenen Gesellschaftsgruppen identifizieren<\/h4>\n<p>Das WIG hat gemeinsam mit anderen Forschungsgruppen ein Modell entwickelt, welches die lebenslangen Kosten sch\u00e4tzt, die in einer Gesellschaft durch Mangelern\u00e4hrung von kleinen Kindern entstehen. Das Modell ber\u00fccksichtigt die medizinischen Kosten, die Kosten von Produktivit\u00e4tsverlusten durch die geringere Leistungsf\u00e4higkeit und Lebensdauer, sowie die Kosten in Form von verlorener Lebensqualit\u00e4t. Das Modell erlaubt zudem die Differenzierung zwischen 10 unterschiedlichen Wohlstandsklassen. So lassen sich besonders stark betroffene Gesellschaftsgruppen identifizieren, wodurch gezielte Interventionen einfacher werden.<\/p>\n<h4>Kosten-Wirksamkeit von Interventionen berechnen<\/h4>\n<p>Um die Kosten und die Wirksamkeit von m\u00f6glichen Interventionen zu berechnen, f\u00fchrten wir umfangreiche Befragungen in verschiedenen L\u00e4ndern mit bis zu 4800 Haushalten durch. Erhoben wurden u.a. sowohl der gegenw\u00e4rtige Konsum von n\u00e4hrstoffangereicherter Kindernahrung, als auch die Reaktion der Haushalte auf Preis\u00e4nderungen in diesem Segment. Die Kombination der Umfrageresultate mit den Resultaten von Studien zur Wirksamkeit von Erg\u00e4nzungsnahrung und unserem Krankheitskostenmodell erm\u00f6glicht es, die Kosten und die Wirksamkeit unterschiedlicher Interventionen zu berechnen. Diese gehen von unterschiedlich hohen Preissubventionen f\u00fcr mit N\u00e4hrstoffen angereicherte Erg\u00e4nzungsnahrung f\u00fcr Kleinkinder aus.<\/p>\n<h4>Subventionen f\u00fchren zu Kosteneinsparungen<\/h4>\n<p>Wir haben unser Modell schon mehrfach angewendet: Auf den Philippinen, in Indien und aktuell auch in Pakistan. Nach der erfolgreichen Publikation der Resultate f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/bmcpublichealth.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/1471-2458-13-1167\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Philippinen<\/a> und <a href=\"http:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article?id=10.1371\/journal.pone.0152800\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Indien<\/a>, ist jetzt auch unsere Studie zu <a href=\"https:\/\/www.cambridge.org\/core\/journals\/public-health-nutrition\/article\/reducing-micronutrient-deficiencies-in-pakistani-children-are-subsidies-on-fortified-complementary-foods-costeffective\/FE67D138963D8250BB47BA700055C222\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Pakistan<\/a> erschienen.<\/p>\n<p>Die Haupterkenntnisse der Studie sind, dass Preissubventionen in jedem Fall zu Kosteneinsparungen f\u00fcr die Gesellschaft f\u00fchren. Ausserdem erweisen sich Interventionen am kosten-wirksamsten, welche nicht allen Haushalten, sondern lediglich den 20% \u00e4rmsten Preissubventionen gew\u00e4hren. Das l\u00e4sst sich einerseits damit erkl\u00e4ren, dass der gegenw\u00e4rtige Konsum von n\u00e4hrstoffangereicherter Kindernahrung bei diesen Haushalten besonders tief ist. Unter anderem deshalb sind die N\u00e4hrstoffdefizite dieser Kinder besonders hoch. Andererseits, weisen diese Haushalte die h\u00f6chste Preissensitivit\u00e4t auf. Das heisst, sie erh\u00f6hen ihre Nachfrage bei Preissenkungen prozentual am st\u00e4rksten.<\/p>\n<hr>\n<p><em>Die Studien wurden teilweise vom Nestl\u00e9 Research Center finanziert. Dieses hatte aber keinen Einfluss auf das Studiendesign, die Datenerhebung und \u2013analyse sowie die Erstellung der Publikationen.<\/em><\/p>\n<hr>\n<p><em><strong>Dr. Beatrice Brunner<\/strong> ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachstelle Gesundheits\u00f6konomische Forschung am WIG.<\/em><\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/beatrice-brunner\/\">Beatrice Brunner<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dr. Beatrice Brunner Kinder entwickeln sich in den ersten 1000 Tagen extrem schnell. Um gesund zu bleiben, ben\u00f6tigen sie w\u00e4hrend dieser Zeit ausreichend Energie (Kalorien), Eiweiss und lebenswichtige Spurenelemente wie Eisen, Vitamin A und Iod. Wird der K\u00f6rper damit \u00fcber die Nahrung nicht ausreichend versorgt, wird die Entwicklung der Kinder nachhaltig beeintr\u00e4chtigt. 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