{"id":4506,"date":"2026-09-24T11:23:04","date_gmt":"2026-09-24T09:23:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/?p=4506"},"modified":"2026-09-24T11:23:04","modified_gmt":"2026-09-24T09:23:04","slug":"darf-es-ein-bisschen-schlechter-sein-warum-das-gesundheitswesen-offenbar-keine-sparversionen-kennt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/2026\/09\/24\/darf-es-ein-bisschen-schlechter-sein-warum-das-gesundheitswesen-offenbar-keine-sparversionen-kennt\/","title":{"rendered":"Darf es ein bisschen schlechter sein? Warum das Gesundheitswesen offenbar keine Sparversionen kennt"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"434\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2026\/09\/20260924_GoeF_AdobeStock_2096358131-1024x434.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4509\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2026\/09\/20260924_GoeF_AdobeStock_2096358131-1024x434.jpeg 1024w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2026\/09\/20260924_GoeF_AdobeStock_2096358131-300x127.jpeg 300w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2026\/09\/20260924_GoeF_AdobeStock_2096358131-766x325.jpeg 766w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2026\/09\/20260924_GoeF_AdobeStock_2096358131-1536x652.jpeg 1536w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2026\/09\/20260924_GoeF_AdobeStock_2096358131-2048x869.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: AdobeStock.com<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/stcc\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dr. Michael Stucki<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letzte Woche habe ich meinen Schreibtisch aufger\u00e4umt und dabei ein Buch wiedergefunden, das ich vor einiger Zeit gelesen hatte: <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/book\/46444\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abWhy Not Better and Cheaper?\u00bb<\/a> von James und Robert Rebitzer. Dabei ist mir ein Argument aus dem Buch wieder in den Sinn gekommen, das mich seither besch\u00e4ftigt und eine Diskussion wert ist.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wir haben die Wahl \u2013 aber nicht \u00fcberall<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In fast jedem Lebensbereich haben wir die Wahl zwischen g\u00fcnstigeren und teureren Alternativen. Wer bei Migros oder Denner statt bei Globus einkauft, zahlt deutlich weniger f\u00fcr Eigenmarken, hat etwas weniger Auswahl und Ambiente und erh\u00e4lt vielleicht etwas schlechtere Qualit\u00e4t. Wer Basic Economy statt Business Class fliegt, spart viel und verzichtet auf mehr Beinfreiheit, kommt aber genauso sicher ans Ziel. Sogar Apple verkauft neben dem teuren iPhone 17 das iPhone 17e: g\u00fcnstiger, daf\u00fcr mit Abstrichen bei Kamera und Ausstattung. F\u00fcr alle diese Beispiele gilt: Auch die g\u00fcnstige Option ist sicher und erf\u00fcllt ihren Zweck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gesundheitswesen gibt es nur selten eine Sparversion. Neue Medizintechnologie macht die Versorgung fast immer teurer und besser, aber kaum je g\u00fcnstiger bei \u00e4hnlicher oder leicht tieferer Qualit\u00e4t. Die Autoren des Buchs argumentieren, das sei kein Zufall: Finanzielle Anreize in den Verg\u00fctungsstrukturen, Berufsnormen und Marktstruktur machen es leicht, mit aufw\u00e4ndigen \u00abbesser, aber teurer\u00bb-Innovationen Geld zu verdienen \u2013 und schwer, mit \u00abg\u00fcnstiger bei gleicher Qualit\u00e4t\u00bb erfolgreich zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst die Wissenschaft, die Kosten und Nutzen von Innovationen abw\u00e4gen soll, tut sich damit schwer. Eine <a href=\"https:\/\/www.frontiersin.org\/journals\/pharmacology\/articles\/10.3389\/fphar.2022.1025326\/full\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00dcbersichtsarbeit<\/a> fand unter fast 5000 gescreenten Studien nur 107, die eine Option untersuchten, die etwas weniger wirksam, aber deutlich g\u00fcnstiger ist. Kosten-Wirksamkeits-Analysen vergleichen fast immer \u00abbesser und teurer\u00bb mit dem Status quo. Die Frage \u00abWas, wenn wir f\u00fcr etwas weniger Wirkung viel Geld sparen k\u00f6nnten?\u00bb wird kaum gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Geht es auch anders?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei gibt es Gegenbeispiele. Wir alle k\u00f6nnen uns noch an die Tests w\u00e4hrend der Corona-Pandemie erinnern. Der Antigen-Schnelltest f\u00fcr Covid-19 ist deutlich g\u00fcnstiger und schneller als der PCR-Test \u2013 jedoch auch ungenauer. Er erkennt nicht jeden positiven Fall, aber wir k\u00f6nnen damit leben. Bei H\u00f6rger\u00e4ten gibt es seit 2022 in den USA frei verk\u00e4ufliche (\u00abOver-the-Counter\u00bb) Varianten, die man per App selbst einstellt \u2013 f\u00fcr deutlich weniger Geld. Erste Studien zeigen: Bei leichter bis mittelschwerer Schwerh\u00f6rigkeit wirken sie \u00e4hnlich gut wie die klassische Variante.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum bleibt \u00abg\u00fcnstiger bei \u00e4hnlicher Qualit\u00e4t\u00bb die Ausnahme? Vielleicht, weil Patienten ihre Behandlungen meist nicht selbst w\u00e4hlen und auch nicht direkt daf\u00fcr zahlen. Die Krankenversicherung \u00fcbernimmt die Kosten, und wer nicht selbst zahlt, spart nicht gern an der eigenen Gesundheit. Bei der Gesundheit wollen wir alle in der Business Class unterwegs sein. Vielleicht auch, weil eine \u00fcbersehene Krankheit eine andere Tragweite hat als eine schlechtere Handykamera. Und vielleicht, weil weder \u00c4rztinnen noch Forschende daf\u00fcr bezahlt werden, das Weglassen zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4re technologischer Fortschritt in Richtung \u00abg\u00fcnstiger, fast gleich gut\u00bb das, was unser Gesundheitssystem dringend br\u00e4uchte? Eine einfache Antwort gibt es nicht \u2013 aber es lohnt sich, beim n\u00e4chsten Griff ins Regal bei Denner kurz dar\u00fcber nachzudenken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Michael Stucki<\/strong> ist Dozent und Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team Gesundheits\u00f6konomische Forschung am Winterthurer Institut f\u00fcr Gesundheits\u00f6konomie ZHAW.<\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/gesundheitswesen\/\">Gesundheitswesen<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/michael-stucki\/\">Michael Stucki<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/sparversion\/\">Sparversion<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/why-not-better-and-cheaper\/\">Why Not Better and Cheaper<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dr. Michael Stucki Letzte Woche habe ich meinen Schreibtisch aufger\u00e4umt und dabei ein Buch wiedergefunden, das ich vor einiger Zeit gelesen hatte: \u00abWhy Not Better and Cheaper?\u00bb von James und Robert Rebitzer. 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