{"id":4438,"date":"2026-06-18T11:13:07","date_gmt":"2026-06-18T09:13:07","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/?p=4438"},"modified":"2026-06-18T11:13:07","modified_gmt":"2026-06-18T09:13:07","slug":"praevention-von-berufsunfaellen-und-berufskrankheiten-was-kann-die-schweiz-von-europa-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/2026\/06\/18\/praevention-von-berufsunfaellen-und-berufskrankheiten-was-kann-die-schweiz-von-europa-lernen\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4vention von Berufsunf\u00e4llen und Berufskrankheiten \u2013 was kann die Schweiz von Europa lernen?"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"945\" height=\"532\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2026\/06\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4439\" style=\"aspect-ratio:1.7763679619349722;width:734px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2026\/06\/image.png 945w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2026\/06\/image-300x169.png 300w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2026\/06\/image-768x432.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 945px) 100vw, 945px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle AdobeStock.com<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/grbt\">C\u00e9cile Grobet<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Berufsunf\u00e4lle und arbeitsbedingte Erkrankungen belasten nicht nur die Betroffenen, sondern verursachen auch erhebliche Kosten f\u00fcr Unternehmen und die Gesellschaft. Pr\u00e4vention ist deshalb eine zentrale Aufgabe des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Doch welche Ans\u00e4tze sind besonders wirksam, und was kann die Schweiz von anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern lernen?<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Fragen gingen wir im Auftrag der Eidgen\u00f6ssischen Koordinationskommission f\u00fcr Arbeitssicherheit (EKAS) nach. In <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/2024\/03\/07\/vielversprechende-massnahmen-fuer-gesunde-und-sichere-arbeitsplaetze-ein-blick-nach-europa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">diesem Blogbeitrag<\/a> haben wir bereits einmal \u00fcber dieses Projekt berichtet. Nach einer Analyse von Pr\u00e4ventionssystemen und -massnahmen in 13 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, einer vertieften Untersuchung ausgew\u00e4hlter Ans\u00e4tze und zahlreichen Interviews mit Fachpersonen haben wir im <a href=\"https:\/\/www.ekas.admin.ch\/de\/studie-zur-praeventionsmassnahmen-in-europa-abgeschlossen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">abschliessenden Projektmodul<\/a> jene Massnahmen beurteilt, die f\u00fcr die Schweiz besonders interessant sind. Drei Erkenntnisse sind f\u00fcr mich zentral.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Erfolgreiche Pr\u00e4vention beginnt mit einer systematischen Risikobeurteilung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In vielen der untersuchten L\u00e4nder sind Unternehmen verpflichtet, Gef\u00e4hrdungen systematisch zu erfassen, Risiken zu bewerten und daraus konkrete Pr\u00e4ventionsmassnahmen abzuleiten. Die Risikobeurteilung bildet dort die Grundlage f\u00fcr zahlreiche weitere Pr\u00e4ventionsaktivit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><\/ol>\n\n\n\n<p>In der Schweiz besteht zwar eine gesetzliche Pflicht zur Gefahrenerkennung, aber kein standardisiertes Instrument, das alle Betriebe nutzen k\u00f6nnen. Das von der Europ\u00e4ischen Agentur f\u00fcr Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz entwickelte <a href=\"https:\/\/osha.europa.eu\/de\/tools-and-resources\/oira\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Online-Tool OiRA<\/a>, das in mehreren L\u00e4ndern erfolgreich eingesetzt wird, k\u00f6nnte diese L\u00fccke schliessen. Es f\u00fchrt Unternehmen Schritt f\u00fcr Schritt durch die Risikobeurteilung, ist nach T\u00e4tigkeitszweigen aufgeschl\u00fcsselt und ber\u00fccksichtigt die typischen Risiken einer Branche. Aus der Beurteilung werden konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet. Idealerweise k\u00e4me OiRA in Kombination mit einer verbindlicheren Verpflichtung zur Risikobeurteilung zum Einsatz, denn die Erfahrung aus anderen L\u00e4ndern zeigt: Freiwillig wird das Tool kaum genutzt. Die Risikobeurteilung schafft Transparenz, erleichtert die Priorisierung von Massnahmen und f\u00f6rdert eine proaktive Auseinandersetzung mit Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. KMU brauchen einfache und praxisnahe Unterst\u00fctzung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden das R\u00fcckgrat der Schweizer Wirtschaft, stehen bei der Pr\u00e4vention jedoch vor besonderen Herausforderungen. Oft fehlen personelle Ressourcen oder spezifisches Fachwissen, um sich vertieft mit Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auseinanderzusetzen. Erfolgreiche Beispiele aus anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern setzen deshalb auf niederschwellige, branchenspezifische Unterst\u00fctzungsangebote wie Beratungen, digitale Hilfsmittel oder strukturierte Risikoanalysen, die sich mit vertretbarem Aufwand in den Betriebsalltag integrieren lassen. Die Untersuchung zeigt, dass in der Schweiz insbesondere bei der gezielten Unterst\u00fctzung von KMU noch Potenzial besteht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Sicherheitskultur durch gemeinsamen Entwicklungsprozess von Management und Mitarbeitenden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gesetze und verpflichtende Vorgaben bilden wichtige Grundlagen der Pr\u00e4vention. Die erfolgreichsten Beispiele aus Europa zeigen jedoch, dass nachhaltige Verbesserungen vor allem dort entstehen, wo sich Unternehmen aktiv mit ihrer Sicherheitskultur auseinandersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherheitskultur beschreibt die gemeinsamen Werte, Einstellungen und Verhaltensweisen im Umgang mit Sicherheit und Gesundheit. Sie entwickelt sich nicht automatisch, sondern muss gezielt gef\u00f6rdert werden. Erfolgreiche Programme setzen deshalb auf die aktive Beteiligung von F\u00fchrungskr\u00e4ften und Mitarbeitenden. Gemeinsam werden St\u00e4rken und Schw\u00e4chen analysiert, Verbesserungsbereiche identifiziert und konkrete Massnahmen entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders wirksam sind Ans\u00e4tze, die Unternehmen bei diesem Prozess unterst\u00fctzen, zum Beispiel durch strukturierte Selbsteinsch\u00e4tzungen, moderierte Workshops, Best-Practice-Beispiele, Beratungsangebote oder praktische Werkzeuge. Sicherheitskultur wird damit zu einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess und nicht zu einer einmaligen Intervention.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was bedeutet das f\u00fcr die Schweiz?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Schweiz verf\u00fcgt bereits \u00fcber zahlreiche erfolgreiche Initiativen. Gleichzeitig zeigen die internationalen Beispiele, dass weiteres Entwicklungspotenzial besteht. Besonders vielversprechend erscheinen Ans\u00e4tze, welche die systematische Risikobeurteilung st\u00e4rken, KMU gezielt unterst\u00fctzen und die Entwicklung einer gelebten Sicherheitskultur f\u00f6rdern. Die analysierten Massnahmen lassen sich dabei an bestehende Schweizer Angebote ankn\u00fcpfen und schrittweise einf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u00e9cile Grobet<\/strong> ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Co-Leitung im Team HTA und gesundheits\u00f6konomische Evaluationen am Winterthurer Institut f\u00fcr Gesundheits\u00f6konomie, ZHAW.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag basiert auf dem <\/em><a href=\"https:\/\/www.ekas.admin.ch\/de\/studie-zur-praeventionsmassnahmen-in-europa-abgeschlossen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Schlussbericht \u00abBeurteilung von Massnahmen zur Pr\u00e4vention von Berufsunf\u00e4llen und Berufskrankheiten aus ausgew\u00e4hlten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern\u00bb<\/em><\/a><em>, erstellt vom Winterthurer Institut f\u00fcr Gesundheits\u00f6konomie (WIG) der ZHAW im Auftrag der EKAS (Dezember 2025).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/arbeitssicherheit\/\">Arbeitssicherheit<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/berufskrankheiten\/\">Berufskrankheiten<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/berufsunfaelle\/\">Berufsunf\u00e4lle<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/cecile-grobet\/\">C\u00e9cile Grobet<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/ekas\/\">EKAS<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/gesundheitsschutz\/\">Gesundheitsschutz<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/kmu\/\">KMU<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/praevention\/\">Pr\u00e4vention<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/risikobeurteilung\/\">Risikobeurteilung<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/sicherheitskultur\/\">Sicherheitskultur<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von C\u00e9cile Grobet Berufsunf\u00e4lle und arbeitsbedingte Erkrankungen belasten nicht nur die Betroffenen, sondern verursachen auch erhebliche Kosten f\u00fcr Unternehmen und die Gesellschaft. 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