{"id":2833,"date":"2022-01-13T09:50:21","date_gmt":"2022-01-13T08:50:21","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/?p=2833"},"modified":"2022-01-13T09:50:22","modified_gmt":"2022-01-13T08:50:22","slug":"wie-viel-kostet-jede-krankheit-neue-erkenntnisse-zu-den-ambulanten-gesundheitsausgaben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/2022\/01\/13\/wie-viel-kostet-jede-krankheit-neue-erkenntnisse-zu-den-ambulanten-gesundheitsausgaben\/","title":{"rendered":"Wie viel kostet jede Krankheit? Neue Erkenntnisse zu den ambulanten Gesundheitsausgaben"},"content":{"rendered":"\n<p>Von <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/stcc\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Michael Stucki<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber 50% der Gesundheitsausgaben in der Schweiz fallen im ambulanten Bereich an, beispielsweise bei Haus\u00e4rzten, Apotheken oder in der Physiotherapie. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/gesundheit\/kosten-finanzierung.gnpdetail.2021-0179.html\" target=\"_blank\">Offizielle Statistiken<\/a><a> <\/a>zeigen, in welchen Leistungsbereichen und bei welchen Leistungserbringern diese Kosten entstehen und wie sie finanziert werden \u2013 haupts\u00e4chlich durch die obligatorische Krankenversicherung (OKP) oder direkt durch die Patienten.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings ist kaum bekannt wie viel wir f\u00fcr die einzelnen Krankheiten ausgeben. Nun haben Forschende des WIG in Zusammenarbeit mit dem Krankenversicherer SWICA die ambulanten Gesundheitsausgaben in der OKP im Jahr 2017 nach 42 Krankheiten in 15 Krankheitsgruppen sowie nach Altersgruppen und Geschlecht zerlegt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Unsere <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/bmchealthservres.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s12913-021-07262-x\" target=\"_blank\">Studie<\/a>* zeigt, dass muskuloskelettale Erkrankungen mit 19.2% den gr\u00f6ssten Kostenanteil aufwiesen, gefolgt von psychischen Krankheiten mit 12.0% und Erkrankungen der Sinnesorgane mit 8.7% (siehe erste Spalte in Abbildung 1). Trotz ihrer grossen Krankheitslast und ihres grossen Anteils an den <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/ind.obsan.admin.ch\/indicator\/obsan\/verlorene-potenzielle-lebensjahre\" target=\"_blank\">verlorenen potenziellen Lebensjahren<\/a>&nbsp;in der Schweiz folgten kardiovaskul\u00e4re Krankheiten (8.6%) und Krebserkrankungen (7.3%) erst auf den R\u00e4ngen vier und f\u00fcnf der teuersten Krankheitsgruppen im ambulanten Bereich. Zu den teuersten einzelnen Krankheiten innerhalb dieser aggregierten Krankheitsgruppen z\u00e4hlten Depression (4.3%), Osteoporose (2.7%), Diabetes (2.4%), chronische Nierenerkrankungen (1.6%) sowie Lungen- und Luftr\u00f6hrenkrebs (1.6%).<\/p>\n\n\n\n<p>Die krankheitsspezifischen Kostenanteile unterschieden sich sowohl zwischen verschiedenen ambulanten Leistungsbereichen als auch in Bezug auf Alter und Geschlecht der Versicherten. Die Studie weist die Kostenanteile f\u00fcr zw\u00f6lf ambulante Leistungsbereiche aus (siehe Spalten 2-13 in Abbildung 1). Bei den Medikamenten lag der Kostenanteil der Krebserkrankungen bei 14.4% und damit \u00fcber ihrem Anteil an den gesamten Kosten, w\u00e4hrend derjenige der muskuloskelettalen (15.3%), psychischen (9.4%) und Sinnesorgan-Erkrankungen (5.8%) tiefer war als ihr Gesamt-Anteil. Die h\u00f6chsten Kostenanteile bei haus\u00e4rztlichen Leistungen wiesen muskuloskelettale Erkrankungen auf (23.7%), gefolgt von \u00fcbertragbaren (13.8%) und kardiovaskul\u00e4ren Krankheiten (12.1%).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2022\/01\/20220113_GoeF-Gafik-1-1024x683.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2834\" width=\"840\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2022\/01\/20220113_GoeF-Gafik-1-1024x683.png 1024w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2022\/01\/20220113_GoeF-Gafik-1-300x200.png 300w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2022\/01\/20220113_GoeF-Gafik-1-768x512.png 768w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2022\/01\/20220113_GoeF-Gafik-1-860x574.png 860w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2022\/01\/20220113_GoeF-Gafik-1-1200x800.png 1200w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2022\/01\/20220113_GoeF-Gafik-1.png 1387w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><figcaption><strong>Abbildung 1: <\/strong>Prozentuale Anteile der Krankheitsgruppen an den OKP-Ausgaben nach Leistungsbereichen (Jahr 2017; eigene Abbildung basierend auf Stucki et al. 2021). Nicht-Krankheiten umfassen u.a. Schwangerschaften ohne Komplikationen. Lesebeispiel Muskuloskelettale Erkrankungen: Diese Erkrankungen sind f\u00fcr 19.2% der gesamten ambulanten Kosten, f\u00fcr 23.7% der Kosten f\u00fcr Haus\u00e4rzte, f\u00fcr 9.4% der Kosten f\u00fcr Spezialisten usw. verantwortlich.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei der Sch\u00e4tzung der krankheitsspezifischen ambulanten Behandlungskosten sind wir in drei Schritten vorgegangen. Zuerst nutzten wir die detaillierten Abrechnungsdaten auf Individualebene von rund 700&#8217;000 Versicherten der SWICA zur Identifikation von Krankheiten, basierend auf Hinweisen auf deren Behandlung. Solche Hinweise k\u00f6nnen beispielsweise Medikamente sein, die in der Behandlung von bestimmten Krankheiten eingesetzt werden, oder Tarifpositionen aus dem Tarmed, der Analysenliste oder der Mittel- und Gegenst\u00e4ndeliste, die auf eine Krankheit hindeuten. Beispiele daf\u00fcr sind Diabetes-Medikamente, ambulante Radiotherapie f\u00fcr die Behandlung von Krebs, oder H\u00f6rger\u00e4te. In einem zweiten Schritt wurden die Kosten dieser Leistungen, die als Hinweise auf Krankheiten genutzt wurden, direkt derselben Krankheit zugeteilt. Nach diesem Schritt blieb ein grosser Teil krankheitsunspezifischer Kosten \u00fcbrig. Dieser wurde im dritten Schritt mittels Regressions-basierter Methoden den Krankheiten zugewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist der Nutzen dieser Kostenzerlegung nach Krankheiten?<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Erstens liefert unsere Studie wichtige Hinweise darauf, welche Krankheiten oder Gruppen von Krankheiten den gr\u00f6ssten monet\u00e4ren \u00abdisease burden\u00bb verursachen. Der Vorteil unseres Ansatzes liegt darin, dass er \u2013 anders als bei den verbreiteten Kostenstudien zu einzelnen Krankheiten \u2013 Doppelz\u00e4hlungen von Kosten verunm\u00f6glicht und so das Risiko einer \u00dcbersch\u00e4tzung mindert.<\/li><li>Zweitens ist unsere Studie ein wichtiger Baustein f\u00fcr ein systematisches Monitoring der krankheitsspezifischen Kosten \u00fcber die Zeit. Bestehende Studien \u2013 vor allem aus den USA \u2013 haben das Potential von Kostenzerlegungen als Instrument zur Identifikation von Kostentreibern im Gesundheitswesen aufgezeigt. Durch eine Kombination der Krankheitskosten mit Daten zur Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6sse und -struktur sowie Pr\u00e4valenzdaten k\u00f6nnen die Einfl\u00fcsse verschiedener Faktoren auf die Gesundheitsausgaben, z.B. Alterung, Morbidit\u00e4t oder Kosten pro pr\u00e4valenten Fall, quantifiziert werden. Einen solchen Ansatz hat <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/2021\/02\/25\/wieso-steigen-die-gesundheitskosten-neue-wig-studie-gibt-wichtige-hinweise\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">eine k\u00fcrzlich erschienene WIG-Studie<\/a> verfolgt. F\u00fcr eine ganzheitliche Analyse der Gesundheitsausgaben m\u00fcssen allerdings krankheitsspezifische Kosten f\u00fcr alle Leistungsbereiche und f\u00fcr mehrere Zeitpunkte verf\u00fcgbar sein. Wir arbeiten bereits an einem solchen Projekt und erwarten erste Ergebnisse im Laufe des Jahres.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die hier zusammengefassten Ergebnisse wurden k\u00fcrzlich in der Fachzeitschrift BMC Health Services Research ver\u00f6ffentlicht. Die <a href=\"https:\/\/bmchealthservres.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s12913-021-07262-x\">Studie<\/a> ist \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Michael Stucki<\/strong> ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team Gesundheits\u00f6konomische Forschung am WIG.<\/p>\n\n\n\n<p>* Stucki, M., Nemitz, J., Trottmann, M., Wieser, S<em>.<\/em> Decomposition of outpatient health care spending by disease &#8211; a novel approach using insurance claims data. <em>BMC Health Serv Res<\/em> <strong>21, <\/strong>1264 (2021). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1186\/s12913-021-07262-x\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1186\/s12913-021-07262-x<\/a><\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/ambulante-gesundheitsausgaben\/\">ambulante Gesundheitsausgaben<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/krankheitskosten\/\">Krankheitskosten<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/michael-stucki\/\">Michael Stucki<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/studie\/\">Studie<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Michael Stucki \u00dcber 50% der Gesundheitsausgaben in der Schweiz fallen im ambulanten Bereich an, beispielsweise bei Haus\u00e4rzten, Apotheken oder in der Physiotherapie. 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