{"id":260,"date":"2018-02-14T09:42:18","date_gmt":"2018-02-14T08:42:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/?p=260"},"modified":"2020-01-09T11:35:48","modified_gmt":"2020-01-09T10:35:48","slug":"drei-reformvorschlaege-fuer-das-spitalwesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/2018\/02\/14\/drei-reformvorschlaege-fuer-das-spitalwesen\/","title":{"rendered":"Drei Reformvorschl\u00e4ge f\u00fcr das Spitalwesen"},"content":{"rendered":"<p><em>Von <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/stcc\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Michael Stucki<\/a><\/em><\/p>\n<p>Vor einer Woche hat Avenir Suisse eine neue <a href=\"https:\/\/www.avenir-suisse.ch\/publication\/gesunde-spitalpolitik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Studie<\/a> mit drei Reformvorschl\u00e4gen f\u00fcr eine \u00abgesunde\u00bb Schweizer Spitalpolitik vorgestellt. Die Publikation reiht sich in eine Serie von Studien ein, die sich in den letzten Monaten mit Reformen im Gesundheitswesen besch\u00e4ftigt haben. Das WIG hat 2017 im Auftrag der Gesundheitsdirektion des Kantons Z\u00fcrich die kantonalen <a href=\"https:\/\/gd.zh.ch\/dam\/gesundheitsdirektion\/direktion\/themen\/behoerden\/gesundheitskosten\/studiezhaw\/studie_zhaw_2017_sparpotentiale_gesundheitswesen.pdf.spooler.download.1513171314287.pdf\/studie_zhaw_2017_sparpotentiale_gesundheitswesen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sparpotentiale<\/a> verschiedener Massnahmen bewertet. Kurz zuvor war bereits ein <a href=\"https:\/\/www.bag.admin.ch\/bag\/de\/home\/themen\/versicherungen\/krankenversicherung\/kostendaempfung-kv.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bericht<\/a> einer vom BAG einberufenen Expertengruppe ver\u00f6ffentlicht worden.<\/p>\n<p>Was sagt Avenir Suisse?<!--more--> Nicht erst seit Einf\u00fchrung der Neuen Spitalfinanzierung von 2012 steht der Spitalsektor im Fokus der Gesundheitspolitik. Mit dem Ziel, die Gesundheitskosten zu stabilisieren und die Qualit\u00e4t dank mehr Wettbewerb zu erh\u00f6hen, wurde 2012 ein DRG-System mit Fallpauschalen f\u00fcr station\u00e4re akutsomatische Leistungen eingef\u00fchrt. Die hohe Qualit\u00e4t der Leistungen konnte weitgehend gehalten oder gar gesteigert werden, allerdings trugen die Massnahmen der Neuen Spitalfinanzierung kaum zu mehr Wettbewerb zwischen den Spit\u00e4lern bei. Avenir Suisse analysiert die Hintergr\u00fcnde daf\u00fcr und pr\u00e4sentiert drei \u00abTherapien\u00bb, wie dank mehr Transparenz und der Beseitigung von Fehlanreizen im Spitalbereich der Wettbewerb vergr\u00f6ssert werden k\u00f6nnte. Die drei Vorschl\u00e4ge lassen sich mit den Stichworten \u00abMehr Transparenz, mehr Patientensouver\u00e4nit\u00e4t, weniger \u2018Kant\u00f6nligeist\u2019\u00bb, dem Untertitel der Studie, zusammenfassen.<\/p>\n<p>Mehr Transparenz bei gemeinwirtschaftlichen Leistungen (GWL): Avenir Suisse schl\u00e4gt erstens vor, durch Steigerung der Transparenz und Vergleichbarkeit bei der Vergabe von GWL durch die Kantone den Wettbewerb zwischen innen- und ausserkantonalen Leistungserbringern fairer zu gestalten. Im Jahr 2015 wurden schweizweit GWL in der H\u00f6he von rund 1.8 Mrd. Franken ausbezahlt, zus\u00e4tzlich zu den Fallpauschalen. Diese Subventionen der Kantone werden bspw. f\u00fcr Aus- und Weiterbildung, den Betrieb von Notrufzentralen oder die Aufrechterhaltung einer Notfallversorgung in abgelegenen Regionen bezahlt. Es gibt zwischen den Kantonen grosse Unterschiede hinsichtlich der H\u00f6he dieser GWL pro Einwohner. Ausserdem wird der genaue Verwendungszweck oftmals nicht transparent offengelegt, was die Vermutung nahelegt, dass mithilfe der GWL oftmals die \u00f6ffentlichen Spit\u00e4ler gegen\u00fcber den privaten bessergestellt werden sollen. Avenir Suisse schl\u00e4gt vor, durch transparente Offenlegung des Verwendungszwecks und durch \u00f6ffentliche Ausschreibungen dieser Leistungen den Wettbewerb zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Gutschriften f\u00fcr Patienten: Der zweite Vorschlag adressiert die Anreize f\u00fcr Versicherte bei der Spitalwahl. Patienten sollen demzufolge Gutschriften erhalten, wenn sie sich f\u00fcr eine Behandlung in einem g\u00fcnstigen Spital entscheiden. Seit 2012 besteht freie Spitalwahl unter Spit\u00e4lern auf kantonal gef\u00fchrten Spitallisten, auch f\u00fcr Allgemeinversicherte. Wenn sich Patienten jedoch f\u00fcr ein ausserkantonales Spital mit einem h\u00f6heren DRG-Basistarif als ein innerkantonales Spital entscheiden, m\u00fcssen sie unter Umst\u00e4nden einen Teil der Kosten selber \u00fcbernehmen. Wenn sie sich jedoch in einem bez\u00fcglich Basistarif g\u00fcnstigeren Spital behandeln lassen, k\u00f6nnen sie finanziell nicht davon profitieren. Von den Kosteneinsparungen profitieren ausschliesslich der Heimatkanton und die Krankenversicherung, welche die Kosten zu 55% bzw. 45% \u00fcbernehmen. Diese Asymmetrie stellt gem\u00e4ss der Studie ebenfalls ein Wettbewerbshindernis dar. Eine m\u00f6gliche L\u00f6sung aus Sicht von Avenir Suisse w\u00e4re eine je h\u00e4lftige Beteiligung an der Einsparung f\u00fcr den Patienten und die Versicherung. Die Krankenversicherer h\u00e4tten so ausserdem den Anreiz, den Patienten vorg\u00e4ngig \u00fcber Qualit\u00e4t und Preis aller Anbieter aufzukl\u00e4ren. Teure Spit\u00e4ler wiederum m\u00fcssten effizienter werden, um weiterhin attraktiv bleiben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kompetenzteilung Kanton\/Bund: Der dritte Vorschlag von Avenir Suisse setzt bei den Kompetenzen im Spitalbereich an. Die Studie h\u00e4lt fest, dass Kantone aus politischen Motiven und wirtschaftlichen Interessen momentan mittels diverser Instrumente die \u00f6ffentlich betriebenen Spit\u00e4ler bevorzugen k\u00f6nnen. Die Spitalplanung endet heute meist an den Kantonsgrenzen und ignoriert dabei regionale Patientenstr\u00f6me. Avenir Suisse schl\u00e4gt deshalb die Abschaffung der kantonalen Spitallisten und den gleichzeitigen Ersatz durch landesweit geltende Qualit\u00e4tskriterien vor. Diese nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten von einem unabh\u00e4ngigen Gremium definierten Kriterien sollen sich vor allem auf die Output-Gr\u00f6ssen (z.B. Patientenzufriedenheit) beziehen und weniger auf den Input fokussieren. Gem\u00e4ss der Studie w\u00e4re als Folge dieser \u00c4nderung mit einer Spezialisierung der Spit\u00e4ler zu rechnen, was m\u00f6glicherweise gar zu Qualit\u00e4tsgewinnen f\u00fchren k\u00f6nnte. Falls diese Konzentration zu einer Unterversorgung in einigen Regionen f\u00fchren sollte, st\u00fcnde den Kantonen mit den GWL ein Instrument zur Verf\u00fcgung, um die ben\u00f6tigten Leistungen zu subventionieren.<\/p>\n<p>Die drei Vorschl\u00e4ge setzen bei unterschiedlichen Akteuren im Gesundheitswesen an und unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit. Die erste \u00abTherapie\u00bb k\u00f6nnte relativ rasch und im geltenden Rechtsrahmen umgesetzt werden, w\u00e4hrend beim zweiten Vorschlag eine \u00c4nderung des Krankenversicherungsgesetzes und beim letzten Vorschlag gar eine \u00c4nderung der Verfassung hinsichtlich Kompetenzteilung zwischen Kantonen und Bund n\u00f6tig w\u00e4re. Ausserdem m\u00fcsste hier genauer untersucht werden, wie die Reform mit dem heute g\u00fcltigen Vertragszwang vereinbar w\u00e4re.<\/p>\n<p>Es wird sich zeigen, ob solche tiefgreifenden \u00c4nderungen politisch eine Chance haben. In der Theorie sind alle Vorschl\u00e4ge sinnvoll und zielf\u00fchrend, um den Wettbewerb im Spitalwesen zu verbessern. Ob dies auch zu tieferen Gesundheitskosten f\u00fchrt, wird sich herausstellen.<\/p>\n<p>Literatur:<br \/>\nCosandey, J., N. Roten und S. Rutz (2018). <em>Gesunde Spitalpolitik &#8211; Mehr Transparenz, mehr Patientensouver\u00e4nit\u00e4t, weniger \u00abKant\u00f6nligeist\u00bb<\/em>, avenir debatte, avenir suisse.<\/p>\n<p><em><strong>Michael Stucki<\/strong> ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachstelle Gesundheits\u00f6konomische Forschung am WIG.<\/em><\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/michael-stucki\/\">Michael Stucki<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Michael Stucki Vor einer Woche hat Avenir Suisse eine neue Studie mit drei Reformvorschl\u00e4gen f\u00fcr eine \u00abgesunde\u00bb Schweizer Spitalpolitik vorgestellt. Die Publikation reiht sich in eine Serie von Studien ein, die sich in den letzten Monaten mit Reformen im Gesundheitswesen besch\u00e4ftigt haben. 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