{"id":1372,"date":"2019-09-19T11:43:53","date_gmt":"2019-09-19T09:43:53","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/?p=1372"},"modified":"2020-01-09T11:08:10","modified_gmt":"2020-01-09T10:08:10","slug":"it-is-worth-it-optimale-gestaltung-von-komfort-leistungen-im-spital-mittels-conjoint-analyse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/2019\/09\/19\/it-is-worth-it-optimale-gestaltung-von-komfort-leistungen-im-spital-mittels-conjoint-analyse\/","title":{"rendered":"It is worth it &#8211; Optimale Gestaltung von Komfort-Leistungen im Spital mittels Conjoint-Analyse"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2019\/09\/20190919_drev.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1382\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2019\/09\/20190919_drev.jpg 1000w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2019\/09\/20190919_drev-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2019\/09\/20190919_drev-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2019\/09\/20190919_drev-860x574.jpg 860w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Quelle: Colourbox<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Von <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/drev\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">PD Dr. Florian Liberatore<\/a><\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>\u00abZu teuer und unn\u00f6tig \u2013 die\nSpitalversicherung wird zum Auslaufmodell\u00bb. So titelt die NZZ am 11.03.2018\neinen Beitrag, der zeigt, dass station\u00e4re Zusatzversicherungsangebote von\nVersicherten immer weniger nachgefragt werden. Als Gr\u00fcnde hierf\u00fcr werden die\nimmer h\u00f6heren Standards im Grundversicherungsbereich\n(Einbett-\/Zweitbettzimmer), die Verlagerung von station\u00e4ren Leistungen in die ambulante\nVersorgung als auch die sinkenden Verweildauern bei station\u00e4ren Aufenthalten\ngenannt. Dies f\u00fchrt dazu, dass Komfort-Leistungen bei einem Spitalaufenthalt\nweniger versichert werden. Falls sie doch in Anspruch genommen werden, werden\nsie h\u00e4ufiger von Patienten als Selbstzahler-Leistungen getragen. Daher wird es\nf\u00fcr ein Spital immer wichtiger, die Komfort-Leistungen attraktiv\nauszugestalten, so dass die Patienten auch bereit sind daf\u00fcr zu zahlen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><em>Auch f\u00fcr Systemebene relevant<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine marktorientierte Gestaltung\nvon Komfort-Leistungen im Spital ist aber auch aus der Perspektive des\nGesundheitssystems relevant. Werden Komfort-Leistungen von Patienten\nnachgefragt, k\u00f6nnen Spit\u00e4ler dar\u00fcber Einnahmen generieren, mit denen sie\ndefizit\u00e4re Bereiche der station\u00e4ren Versorgung querfinanzieren k\u00f6nnen.\nAusserdem amortisieren sich bei hoher Nachfrage der Komfort-Leistungen die dazu\nget\u00e4tigten Investitionen des Spitals. So besteht keine Gefahr, dass Fehlinvestitionen\ngemacht werden, die nachher indirekt \u00fcber die Spitalfinanzierung kompensiert\nwerden m\u00fcssen. Zu guter Letzt f\u00fchrt eine marktorientierte Gestaltung zu h\u00f6herer\nPatientenzufriedenheit, ein wichtiger Outcome eines Gesundheitssystems. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Know-How zur optimalen Produkt- &amp; Preisgestaltung ist gefragt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der optimalen Gestaltung der\nKomfort-Leistungen handelt es sich um einen klassischen Anwendungsfall der optimalen\nProdukt- und Preisgestaltung, bei der Instrumente des Marketing Managements zum\nEinsatz kommen. Optimal bedeutet in dem Fall, dass die angebotenen\nKomfort-Leistungen an den Pr\u00e4ferenzen der Patienten ausgerichtet und richtig\nbepreist werden. Dies verhindert falsche Investitionen in Ausstattungen und\nService, die Patienten gar nicht w\u00fcnschen. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Methoden zur Ermittlung der\nPatientenpr\u00e4ferenzen kommen Expertenbefragungen, die Analyse der\nKomfort-Leistungsangebote konkurrierender Spit\u00e4ler sowie Patienten-Befragungen\nin Frage. Dabei sind letztere zu bevorzugen, denn Expertenurteile k\u00f6nnen sehr\nsubjektiv sein, die Orientierung an Konkurrenzangeboten den Nachteil haben,\ndass man reaktiv handelt.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Conjoint-Analyse als Mittel der Wahl<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als Methode bei\nPatientenbefragungen sollte man die sogenannte Conjoint-Analyse einsetzen. Bei\ndiesem Verfahren erhebt man, im Gegensatz zu Methoden der direkten\nPr\u00e4ferenzabfrage, indirekt \u00fcber die Bewertung ganzer Leistungspakete die\nPr\u00e4ferenzen und Zahlungsbereitschaften in der Zielgruppe, wie Abbildung 1 veranschaulicht.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem fiktiven Beispiel\nwerden die Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr die Zimmerart (Einbett\/Zweibett), f\u00fcr einen Hol- und\nBringservice, ein Wahlmen\u00fc anstelle eines Standardessens sowie die\nentsprechenden Zahlungsbereitschaften \u00fcber den Mehrpreis untersucht. Die\nBefragten w\u00e4hlen auf mehreren Auswahlbildschirmen mit jeweils einer anderen\nAuswahl beschriebener Leistungspakete dasjenige aus, was sie bei einem\nSpitalaufenthalt ausw\u00e4hlen w\u00fcrden. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2019\/09\/20190919_Grafik_drev.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1373\" width=\"591\" height=\"231\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2019\/09\/20190919_Grafik_drev.png 917w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2019\/09\/20190919_Grafik_drev-300x118.png 300w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2019\/09\/20190919_Grafik_drev-768x302.png 768w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/files\/2019\/09\/20190919_Grafik_drev-860x338.png 860w\" sizes=\"auto, (max-width: 591px) 100vw, 591px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf diese Weise nehmen die Befragten\nbei einer Conjoint-Analyse, \u00e4hnlich wie in der Realit\u00e4t, eine Bewertung ganzer Leistungspakete\nvor, die in einem Spital angeboten werden. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Conjoint-Analyse f\u00fchrt zu wertvollen, direkt anwendbaren\nErgebnissen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hat man diese Daten in einem\nm\u00f6glichst repr\u00e4sentativen Sample in der Zielgruppe erhoben, wird bei der\nConjoint-Analyse dann mittels statistischer Verfahren (u. a. logistischer\nRegressionen) errechnet, welchen Teilnutzenwert jedes einzelne Leistungspaket\nf\u00fcr den einzelnen Befragten gehabt hat. \u00dcber diese Teilnutzenwerte kann man nun\nfolgende wertvolle Ergebnisse f\u00fcr die optimale Gestaltung der\nKomfort-Leistungen generieren.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Wie\nwichtig sind die einzelnen Komponenten im Leistungspaket f\u00fcr die Entscheidung\nder Befragten (z. B. Zimmerart: 40 %, Hol\/Bring-Service: 20 %, Men\u00fc-Art; 10 %\nund Mehrpreis: 30 %)?<\/li><li>Welche\nMehrzahlungsbereitschaften weisen die Befragten f\u00fcr einzelnen Komponenten auf\n(z. B.: durchschnittlich CHF 150 f\u00fcr einen Hol-\/Bringservice oder CHF 50 f\u00fcr ein\nWahlmen\u00fc anstelle eines Standardessens)?<\/li><li>Welche\nLeistungspakete w\u00fcrden welchen Marktanteil unter den station\u00e4ren Patienten\nerreichen? (z. B. das Leistungspaket: Einbettzimmer, ohne Hol-\/Bringservice mit\nWahlmen\u00fc und einem Mehrpreis von 200 CHF w\u00fcrden 20 % der Zielgruppe bei einem\nAufenthalt w\u00e4hlen).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Diese Ergebnisse erh\u00e4lt man, ohne\ndie Befragten direkt danach befragt zu haben. Sie offenbaren ihre Zahlungsbereitschaften\nund Pr\u00e4ferenzen indirekt \u00fcber ihre Wahl- und Bewertungsentscheidungen zu den\nLeistungspaketen in der Befragung. Diese Ergebnisse sind sehr valide, wie\nbereits viele Forschungsstudien nachgewiesen haben.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Daher ist diese Methode der\nErmittlung der Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr die optimale Produkt- und Servicegestaltung sehr\nzu empfehlen. Dabei kann die Methode auch abseits der optimalen Gestaltung von\nKomfort-Leistungen im Spital wertvolle Ergebnisse liefern: <\/p>\n\n\n\n<p>Dazu geh\u00f6ren, u. a. die optimale\nGestaltung <\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>der\nServices von Spitexorganisationen &amp; ambulanter Leistungserbringer <\/li><li>von\nDigital Health Produkten &amp; Services <\/li><li>von\nKrankenversicherungsprodukten im Grund- und Zusatzversicherungsbereich<\/li><li>von\nAngeboten von Pharmaherstellern und\/oder Medtech-Unternehmen an ihre B2B Kunden\n<\/li><li>von\nkoordinierten Versorgungsmodellen. <\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><em>Die richtige Anwendung der Conjoint-Analyse setzt viel Erfahrung und\nMethodenwissen voraus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Jedoch ist Vorsicht geboten bei\nder Anwendung der Conjoint-Analyse ohne entsprechende Erfahrung und\nstatistischem Know-How. Nur bei richtiger Anwendung erh\u00e4lt man valide Daten.\nDaher ist zu empfehlen, sich entsprechend kompetenter Partner in der Forschung\nund Beratung zu bedienen, um eine solche Analyse durchf\u00fchren zu lassen statt in\nEigenregie vorzugehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Winterthurer Institut f\u00fcr Gesundheits\u00f6konomie an der School of Management and Law setzt die Methode regelm\u00e4ssig in ihren <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Forschungs- und Beratungsprojekten (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/sml\/institute-zentren\/wig\/forschung-und-beratung\/\" target=\"_blank\">Forschungs- und Beratungsprojekten<\/a> erfolgreich ein. In unseren <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Weiterbildungsangeboten (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/sml\/institute-zentren\/wig\/weiterbildung\/\" target=\"_blank\">Weiterbildungsangeboten<\/a>, dem MAS Healthcare &amp; Marketing, aber auch in einzelnen CAS-Modulen des MAS Managed Health Care ist die Vermittlung dieser Methode ein fester Bestandteil des Unterrichtsstoffs.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>PD Dr. Florian Liberatore <\/em><\/strong><em>ist Dozent, Projektleiter und Stellv. der Fachstelle Management im Gesundheitswesen am WIG.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>  <\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/gesundheitsoekonomie\/tag\/florian-liberatore\/\">Florian Liberatore<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von PD Dr. Florian Liberatore \u00abZu teuer und unn\u00f6tig \u2013 die Spitalversicherung wird zum Auslaufmodell\u00bb. 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