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Ist Markowitz überholt? Neue Modelle in der Asset Allocation.

Der Grossteil der heutigen Finanzpraxis basiert immer noch auf dem nobelpreisgekrönten Modell von Harry Markowitz aus dem Jahre 1952. Die Suche nach innovativen Ansätzen zur Portfoliokonstruktion hat sich in den letzten Jahren verstärkt, da sich die Markowitz-Optimierung, insbesondere während Finanzkrisen, als fragil herausstellte. Der Trend zur faktorbasierten Asset Allocation (FBAA) versucht diesem Umstand Rechnung zu tragen und könnte in Zukunft die Vermögensverwaltung prägen. Doch wie funktioniert faktorbasiertes Anlegen? Was sind die Vorteile einer FBAA gegenüber dem Standardansatz aus einer strategischen Asset Allocation (SAA) und taktischen Abweichungen (TAA)? Kann eine FBAA die Diversifikation eines Portfolios robuster machen? Ist der Ansatz einer faktorbasierten Asset Allocation nur für institutionelle Kunden geeignet oder können auch Privatanleger davon profitieren?
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Am Finance Circle von Anfang Juni beleuchteten drei hochkarätige Experten alle Aspekte. Prof. Dr. Peter Meier , Institut für Wealth & Asset Management (IWA), führte durch den Abend und moderierte auch die Podiumsdiskussion.
Effektive Diversifikation statt Renditemaximierung
Carmine Orlacchio, CIO und Gründungspartner der OLZ & Partners Asset and Liability Management AG, umriss kurz die klassische Portfoliotheorie und betonte, dass eine gute Zusammenarbeit der Finanzindustrie mit den Forschungsinstitutionen für die Überwindung des aktuellen Anlagenotstands von hoher Relevanz ist. «In der aktuellen Situation lassen sich viele Investoren dazu verführen, die Risikokomponente bei der Portfoliokonstruktion zu vernachlässigen», so Orlacchio.
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Faktorbasierte Asset Allocation

Dr. Daniel Höchle, Institut für Wealth & Asset Management der ZHAW, stellte den Grundgedanken einer faktorbasierten Asset Allocation vor. Dabei machte er klar, dass faktorbasiertes Anlegen zu einer robusteren Diversifikation führen könne und dass dieser Ansatz sowohl für institutionelle als auch private Anleger geeignet sei sofern diese über einen ausreichend langen Anlagehorizont verfügen. «Wesentlich ist, dass bei der FBAA, anders als beim Standardansatz, das Portfolio-Exposure nicht gegenüber Asset-Klassen, sondern gegenüber Risikofaktoren, welche als Treiber der Assetklassen-Renditen verstanden werden, festgelegt wird», erklärte Daniel Höchle. Da sich die Faktorexposures der Assetklassen im Zeitablauf ändern, führt eine Asset Allocation mit konstanten Positionen gegenüber den Risikofaktoren zu einer dynamischen Anpassung der Assetklassen-Gewichte. «Als Hauptvorteil der FBAA kristallisierte sich deren verfeinerte Steuerung der Portfoliorisiken heraus», fasst Höchle zusammen. «Demgegenüber besticht der Standardansatz durch seine Einfachheit.»

Prof. Dr. Heinz Zimmermann, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Basel, analysierte, weshalb der Markowitz-Ansatz so weit verbreitet ist und inwiefern der amerikanische Ökonom die Modellierung der Finanzmärkte vor über sechzig Jahren revolutioniert hatte. Am Beispiel der modernen Portfoliotheorie zeigte er auf, welche Herausforderungen sich stellen, wenn man versucht, Finanzinnovationen in die Praxis umzusetzen. Seine Konklusion war, dass der Ansatz von Markowitz natürlich nicht überholt ist, dass eine erfolgreiche Umsetzung des Modells in der Praxis jedoch clevere Ansätze zur Schätzung der Input-Parameter erfordert – die Extrapolation von historischen Daten funktioniert nicht.
Für weitere Informationen zur faktorbasierten Asset Allocation: Dr. Daniel Höchle, Institut für Wealth & Asset Management

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