Strukturelle Diskriminierungen schränken unsere Handlungsmöglichkeiten ein

von Leonie Renouil (Stabsstelle Diversity ZHAW)
und Salome Schärer (Zentrum für Sozialrecht ZHAW)

Wie lassen sich strukturelle und institutionelle Diskriminierungen abbauen und welche Rolle spielen dabei die rechtlichen Grundlagen? Dies war eine der Fragen, die im Mittelpunkt der 3. Nationalen Tagung zum Diskriminierungsschutzrecht stand. Das ist eine wichtige Frage, denn strukturelle Diskriminierungen betreffen unseren Alltag und beeinflussen unsere Gestaltungsmöglichkeiten. Oft fallen sie uns gar nicht auf, doch es gibt sie überall. Dazu zählen zum Beispiel vorgegebene, starre Betreuungsmöglich-keiten für Kinder in Krippen und Horten, die nicht an die Bedürfnisse der Eltern und deren Arbeitszeiten angepasst sind. Wie sollen zum Beispiel Pflegerinnen und Pfleger, die im Schichtdienst arbeiten, ihre Kinder dort betreuen lassen? Ein anderes Beispiel für strukturelle Diskriminierung sind Gebäude, die für Menschen mit Behinderungen aufgrund baulicher Mängel (fehlende Zugangsrampen und ähnliches) nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen zugänglich sind.

Das Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsrecht hat die Grundlagen geschaffen, um diese Diskriminierungen abzubauen. Dazu zählen unter anderem das Gleichstellungs-gesetz für Mann und Frau (1996) und das Behindertengleichstellungsgesetz (2004). Aufgrund dieser Gesetze sind Behörden und Wirtschaft immer mehr sensibilisiert. Dies hat bereits zu Verbesserungen und Anpassungen geführt. Doch bleibt noch viel zu tun, um allen Menschen gleiche Chancen zu ermöglichen. Expertinnen und Experten, die in der Verwaltung von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie NGOs arbeiten, erklärten wie strukturelle und institutionelle Diskriminierungen entstehen und wie man ihnen zukünftig besser entgegenwirken kann.

Gleichstellungs- und Diversity-Beauftragte tragen dazu bei, dass die verschiedenen Kategorien von Diskriminierungen (Gender, Behinderung, Herkunft, sexuelle Orientierung…) den Menschen im Alltag und im beruflichen Umfeld immer bewusster werden. Diese veränderte Wahrnehmung sorgt für mehr Verständnis und trägt zur Umsetzung von Massnahmen bei, die diese Diskriminierungen abbauen helfen.

So hat zum Beispiel die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention das schweizerische Recht konkretisiert. Das Thema hat international mehr Bedeutung bekommen und die Gleichstellung der Menschen mit Behinderungen wurde in der Schweiz zu einem präsenteren Thema als noch vor der Ratifizierung. Damit strukturelle und institutionelle Diskriminierungen bekämpft werden, braucht es Menschen, die sich täglich für die Übersetzung des geschriebenen in das gelebte Recht einsetzen, dabei sehr geduldig bleiben und bereit sind Erfolge in kleinen Schritten zu verzeichnen.

Obwohl die Verantwortlichen in den verschiedenen Organisationen unterschiedliche Wege zur Bekämpfung von Diskriminierungen beschreiten, sind sie sich in einem Punkt alle einig: Am Ende eines langjährigen, kämpferischen Prozesses gegen strukturelle oder institutionelle Diskriminierungen, gibt es einerseits sichtliche Fortschritte, aber auch immer wieder Rückschritte gegen die wieder vorgegangen werden muss. Es bleibt somit ein langwieriger Prozess für den es sich immer wieder einzusetzen lohnt.

Die Tagung wurde durchgeführt vom Zentrum für Sozialrecht der ZHAW School of Management and Law. Für die Konzeption und Durchführung verantwortlich waren Tarek Naguib (wissenschaftlicher Mitarbeiter der ZHAW) und sein Team mit Nadine Bircher und Samantha Napoli. Die Veranstaltung fand am 15. September 2015 in Winterthur statt.

Geschrieben von: Leonie Renouil (Stabsstelle Diversity ZHAW) und Salome Schärer (Zentrum für Sozialrecht ZHAW)

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