Raum der Stille an der ZHAW

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Am 23. Februar wurde in der Hochschulbibliothek in Winterthur ein Raum der Stille eröffnet. Die Hochschulbibliothek wurde bewusst als Ort gewählt, denn sie ist nicht nur Bibliothek und Ort des Lernens, sondern auch ein Begegnungsort an der ZHAW. Das Bedürfnis nach einem Rückzugsort in einem oftmals hektischen Studien- und Arbeitsumfeld war schon seit einiger Zeit ausgewiesen, vor allem von Seiten der Studierenden. Losgetreten wurde die Idee von einem Studenten, der einen Ort zum Beten suchte. Selten, aber doch immer wieder werden an uns Anfragen zur Studien- oder Praktikumsdurchführung gerichtet, die in Zusammenhang mit einem religiösen Kontext stehen, wie zum Beispiel kann ein Praktikum mit Kopftuch absolviert oder muss eine Prüfung am Sabbat verschoben werden?

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Diese oder ähnliche Anfragen werfen bei der Lösungsfindung die Frage auf, ob praktizierter Glaube reine Privatsache ist und ob ‚Konfessions-neutralität‘ für eine Hochschule bedeutet, die Bedürfnisse ihrer Angehörigen auszublenden. Bei der Diskussion um das Angebot eines Raums der Stille wurde uns bewusst, wie die medial inszenierte Gewalt im Namen von Religion bereits Spuren in unserem Denken hinterlassen hat. Bei der Planung liessen Berichte aufhorchen, in denen andere Hochschulen von zu vielen Konflikten oder gar der Schliessung ihres „Raums der Stille“ berichten.

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Der Raum der Stille an der ZHAW ist allerdings keiner Weltanschauung gewidmet oder der Religionsausübung vorbehalten. Er ist konzipiert als überkonfessioneller Ort, welcher der zunehmenden Vielfalt der Hochschulangehörigen Rechnung trägt, denn unsere Hochschule wächst und wird immer internationaler. Er entstand aus der Überzeugung, dass es einen Ort der Einkehr und der Ruhe geben muss, einen Ort, an dem Studierende und Mitarbeitende sich über alle Unterschiede hinweg in Ruhe begegnen und verständigen können. Er orientiert sich an den persönlichen Bedürfnissen von Studierenden und Mitarbeitenden und dient zur Entspannung, zur Besinnung, um innerlich aufzutanken, zur Meditation oder für ein Gebet. Er bietet die Möglichkeit für einen kurzen Rückzug aus dem Alltag, sei es aus dem Prüfungsstress, aus schwierigen Arbeitssituationen, vor Lärm und Hektik.

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Mit dem Raum der Stille will die ZHAW einen weiteren Beitrag leisten zu einem attraktiven Hochschulleben, das geprägt sein soll von Toleranz, Wertschätzung und Dialog. Diese Werte gehören zu unserer Hochschulkultur ebenso wie Eigenverantwortung, Kreativität, Konfliktfähigkeit, Mitwirkung und die Einhaltung unserer Grundsätze von Diversity und Chancengleichheit.

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Die individuelle Nutzung eines Raums der Stille bedarf gegenseitiger Toleranz. Toleranz, die wir im Studien- und Arbeitsleben auch dadurch fördern wollen, dass es solche Rückzugsräume gibt. Um „Stille“ zu gestalten, wurde der Raum bewusst schlicht gehalten. Es stehen wenige Sitzelemente zur Verfügung und der einzige Blickfang an der Wand bildet eine Bildertrilogie, auf der von der Hamburger Künstlerin Gundi Wiemer in Zusammenarbeit mit Studierenden der als „Gebet der Vereinten Nationen“ bekannte Text des amerikanischen Dichters und Pulitzer Preisträgers Stephen Vincent Benét inszeniert wurde, welcher lautet:

„Unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im grossen Weltall.
An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen,
dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden,
nicht von Hunger und Furcht gequält,
nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.
Lasst uns mutig und vorausschauend schon heute diesem Werk begegnen,
damit unsere Kinder und Kindeskinder einst stolz den Namen Mensch tragen.“

 Geschrieben von: Annette Kahlen, Leiterin Stabsstelle Diversity ZHAW 

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