Flexible Arbeitsmodelle als Ausweg aus der Teilzeitfalle?

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Die Arbeitsorganisation an den Hochschulen, in der Wirtschaft und in der Verwaltung verändert sich kontinuierlich und bietet immer mehr Mitarbeitenden mehr Flexibilität. Die Studie SwissFlexWork 2014 der FHNW belegt, dass heutzutage bereits ein knappes Viertel der Beschäftigten in der Schweiz mobil arbeitet. Dies zeigt, welche Nachfrage besteht und es ist davon auszugehen, dass sich diese zukünftig weiterhin verstärken wird. Viele Organisationen haben bereits reagiert und bieten von Teilzeitmodellen, über Home Office, Job-Sharing, mobiles Arbeiten und neuen Arbeitsplatzkonzepten (ohne feste Zuordnung) bis zu Teilpensionierungsmodellen unterschiedlichste Möglichkeiten, um die Vereinbarkeit zwischen Beruf- und Privatleben zu verbessern.

Für die Mitarbeitenden sind flexible Arbeitsmodelle sehr attraktiv, jedoch gilt es zu beachten, dass sie bei einer Reduktion des Beschäftigungsgrades oft schlechtere Aufstiegsmöglichkeiten in Kauf nehmen müssen. Um diese Zusammenhänge zu untersuchen, lud die ZHAW als Gastgeberin den Verein Gleichstellungs-Controlling in den Technopark nach Winterthur ein. Der Verein engagiert sich unter der Leitung von Gudrun Sander seit mehr als zehn Jahren für ein Umdenken bei den Arbeitgebenden in Bezug auf das Diversity-Management und setzt sich für ausgewogene Geschlechterverhältnisse auf allen Führungsebenen ein. Die langjährige Sensibilisierungsarbeit trägt ihre Früchte und so trafen sich am 31. Mai 2016 Vertreterinnen und Vertreter unter anderem von AXA Winterthur, HEKS, Julius Bär, die Mobiliar, SBB, SRF sowie der Bundesverwaltung, einzelner Kantonsverwaltungen und Hochschulen, um sich über mögliche Auswege aus der Teilzeitfalle auszutauschen.

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Eine Antwort auf die Frage ob flexible Arbeitsmodelle aus der Teilzeitfalle führen, liefert die Studie CCDI-FIM der HSG (siehe Advance Future of Work Studie), die von Advance Women in Auftrag gegeben wurde. So konnte festgestellt werden, dass flexible Arbeitsmodelle keinen negativen Einfluss auf den Karriereaufstieg haben. Die Studie hat unter anderem auch ergeben, dass ein durchschnittlicher Mutterschaftsurlaub von 5.3 Monaten heute keine Karrierebremse mehr ist. Dafür haben aber das Alter, die Ausbildung, die Ergebnisverantwortung, die Sichtbarkeit durch wichtige Projekte und der Beschäftigungsgrad einen signifikanten Einfluss auf die Karriereaufstiegschancen. Deshalb ist es umso erschreckender festzustellen, dass nach Angaben der Studie bereits ein leicht reduziertes Arbeitspensum von 90% signifikant negative Effekte auf zukünftige Karrierechancen hat. Wer aufsteigen will, muss heutzutage weiterhin ein Arbeitspensum von 100% absolvieren. Dies macht klar, dass nur ein Kulturwandel ein Umdenken herbeiführen kann, um von der Präsenzorientierung zur Ergebniskultur zu kommen.

Arbeit ist eine Aktivität und kein Ort

Grundlegend werden folgende vier Faktoren als Hemmnis für die Einführung von flexiblen Arbeitsmodellen wahrgenommen: Angst vor Veränderungen, unbewusste Biases, mangelnde Kenntnisse und zu erwartende Anpassungsschwierigkeiten. Die Vorteile von flexiblen Arbeitsmodellen überwiegen jedoch in vielen Fällen, da das Vertrauensverhältnis der Mitarbeitenden steigt, sich die Arbeitszufriedenheit verbessert, weniger Krankentage anfallen und das Personal belastbarer wird. Das neue Arbeitsmodell im digitalen Zeitalter stellt in den Mittelpunkt, dass Arbeit eine Aktivität ist und kein Ort und dass der Fokus auf den Ergebnissen und weniger auf den geleisteten Arbeitsstunden liegen sollte (Quelle: Alison Maitland 2016). Es entsteht so etwas wie „Bindung durch Freiheit“. Die Mitarbeitenden werden immer selbständiger und die Verantwortung für die Arbeitsausübung wandert von der Organisation zu den Mitarbeitenden.

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Viele Organisationen interessieren sich für neue Arbeitsmodelle und deren Vorteile. Arbeitsplätze mit entsprechender Infrastruktur sind teuer, da kommt es gar nicht so ungelegen, wenn viele Mitarbeitende auch mal ein bis zwei Tage von zuhause arbeiten wollen und Arbeitsplätze geteilt werden können.

Die Mobiliar geht mit gutem Beispiel voran und hat mit einer Stichprobe von 150 Mitarbeitenden ausprobiert, wie es sich anfühlt, wenn man morgens ins Büro kommt und sich einen freien Arbeitsplatz aussuchen kann. Alle Dokumente sind digitalisiert, alle Mitarbeitenden verfügen nur noch über einen kleinen Wandschrank in Form eines Lockers für persönliche Dinge und schon starten sie ins neue Zeitalter des papierlosen und ortsungebundenen Büros…

 Geschrieben von: Leonie Renouil, Stabsstelle Diversity ZHAW 

Die Bilder wurden freundlicherweise von der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG zur Verfügung gestellt (Fotograf: Nik Hunger, Zürich).

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