Ein Gemisch aus Farben und Klängen

Winterthur‒Addis Abeba: Generalsekretär Matthias Elmer hat in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba die nationale Agentur für Hochschulakkreditierungen evaluiert.

Eindrücklich war für mich diese ungeheure Lebendigkeit in den Strassen von Addis Abeba. Die Menschen sind sehr farbenfroh gekleidet, und von jedem Stand an den Strassenmärkten wird man aus tragbaren CD-Spielern mit westlicher Musik beschallt – in der Summe ein wildes Gemisch an Klängen. Autos vorab chinesischer Hersteller und Busse teilen sich die Strassen mit Lasteseln, die an speziellen Stationen beladen werden, und manchmal auch mit Schafherden. Und morgens vor sieben Uhr, wenn die Luftverschmutzung noch nicht so hoch ist, trainieren die äthiopischen Marathonläufer.

Anfang September 2016 war ich während zweier Wochen für die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Äthiopiens Hauptstadt. Die Gesellschaft unterstützt das Bildungsministerium bei Planung und Aufbau von Hochschulen und Universitäten. Ich habe zusammen mit Gutachtern aus den Niederlanden und aus Grossbritannien die äthiopische Agentur für Hochschulakkreditierungen evaluiert. Vor dieser Reise war ich schon mehrmals in Deutschland als Gutachter tätig. Das gibt mir auch wichtige Impulse für meine Aufgaben an der ZHAW.

Matthias Elmer vor dem Lokal Chez Lucy, inspiriert vom Urmenschen Lucy

Meine äthiopischen Kontaktpersonen waren sehr bemüht und sehr stolz auf das, was sie im Bildungswesen erreicht haben. Der Staat investiert viel in die Entwicklung der Bildung. Doch es mangelt an grundlegenden Dingen: Es gibt auf allen Stufen viel zu wenig Lehrkräfte, und Internetverbindungen an den Hochschulen funktionieren mehr oder weniger nach dem Zufallsprinzip, so scheint es. Selbst fliessendes Wasser in den Toiletten ist nur selten vorhanden. Die Hälfte der 90 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner sind Analphabeten, und nur rund 750 000 studieren.

Die meisten Menschen leben in bescheidenen Verhältnissen; doch ich habe nie jemanden klagen gehört. Und jeder hat immer irgendeine Idee bereit, wie noch etwas Geld dazuverdient werden könnte: beispielsweise indem man für die Autofahrer Parklücken organisiert. Als ich wieder in der Schweiz war, habe ich bei mir gedacht: Eigentlich haben wir hier gar keine Probleme, wir machen uns nur oft selbst welche.

 Aufgezeichnet von: Sibylle Veigl, freie Journalistin

Dieser Beitrag stammt aus dem Hochschulmagazin ZHAW-Impact 36 /2017.

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