Der nationale Zukunftstag als „Türöffner“ für zukünftige Berufsperspektiven

Die Berufswahl ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die Jugendliche und junge Erwachsene treffen müssen. Sie ist herausfordernd, weil das Angebot gross ist und sie auf wenige eigene Erfahrungen zurückgreifen können. Um dieses Feld anzugehen und eine offene Berufswahl zu fördern, die sich an den eigenen Talenten und Potenzialen orientiert, wurde vor sechzehn Jahren der Nationale Zukunftstag ins Leben gerufen, der sich inzwischen bundesweit zum Grossevent entwickelt hat. Das Ziel des Projekttages ist die Förderung der offenen geschlechterunabhängigen Berufs- und Lebensplanung von Schülerinnen und Schülern. Die Jugendlichen sollen „Berufsluft“ schnuppern und zu sehen bekommen, was es alles für Ausbildungswege gibt. Sie sollen erfahren, dass ihnen zahlreiche Möglichkeiten offenstehen. Dieses Ziel unterstützten in diesem Jahr mehr als 2300 Unternehmen, die sich beim Grundprogramm registrierten. Sie ermöglichten, dass am 10. November 2016 Tausende von Kindern den Arbeitsplatz ihrer Mutter oder ihres Vaters kennenlernen konnten.

Insgesamt nahmen 217 Jugendliche an allen drei Standorten der ZHAW teil

Insgesamt nahmen 217 Jugendliche an allen drei Standorten der ZHAW teil

Das vielfältige Studien- und Berufsbildungsangebot der ZHAW
Auch die ZHAW unterstützt dieses Anliegen bereits seit Jahren mit einem eigenen Angebot, um den Berufswahlhorizont der Jugendlichen zu erweitern und sie für eine offene Berufswahl zu sensibilisieren und zu begeistern. Aufgrund des eigenen breit aufgestellten Berufsbildungsangebotes ist die ZHAW eine ideale Gastgeberin, da sie durch zahlreiche Workshops die Vielfalt der Berufswelten von der Arbeit als Ingenieurin bis zum Ergotherapeuten an eigenen Beispielen aufzeigen kann. In diesem Jahr nahmen 155 Kinder im Alter zwischen 11 und 13 Jahren (5. bis 7. Klasse) in Winterthur teil. Der Projektleiter der Stabsstelle Diversity, Matthias Fehlmann, hatte in Zusammenarbeit mit den einzelnen Departementen ein umfangreiches und altersgerechtes Angebot zusammengestellt. Nach einer Einführung konnten die Jugendlichen an zwei verschiedenen Workshops teilnehmen. Durch die Aufteilung in zwei thematische Blöcke mit jeweils natur-wissenschaftlich/technischem und sprachlich/gesundheitlichem Schwerpunkt wurde dafür gesorgt, dass jedes Kind einen Einblick in Themen bekam, die es selbst bei einer freien Auswahl vielleicht nicht berücksichtigt hätte.

Lernvideos produzieren - das fanden diese Mädchen sehr spannend

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Um die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ihr Spezialgebiet zu begeistern und sie in neue „Berufswelten mitzunehmen“, boten die Dozentinnen und Dozenten in achtzehn verschiedenen Workshops anwendungsorientierte Aufgabestellungen an, die von den Mädchen und Jungen mit viel Interesse aufgenommen und umgesetzt wurden. Die Kinder konnten sich unter anderem als Pilotin oder Pilot in einer Simulation erproben (Zentrum für Aviatik), selber ein Märchen in einer professionell ausgestatteten Kabine dolmetschen (Institut für Übersetzen und Dolmetschen), einen Transistor zusammenbauen, um Musik verstärken zu können (Institut für Angewandte Mathematik und Physik) oder ausprobieren, wie man mit einem Rollstuhl durch den Alltag kommt (Institut für Ergotherapie und Institut für Physiotherapie). Genauso aktiv beteiligt waren die ZHAW Standorte Zürich (22 Kinder) und Wädenswil (40 Kinder), die ebenfalls einen eigenen Zukunftstag mit verschiedenen Workshops durchführten. Ein gemeinsames Mittagessen mit den Eltern und der anschliessende Besuch beim Arbeitsplatz der Mutter oder des Vaters rundeten den Projekttag ab.

Mal etwas anderes ausprobieren: drei Jungen erlernen, wie man eine Spritze verabreicht

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Spezialprogramme der ZHAW
Um zukünftige Ingenieurinnen zu gewinnen, engagierte sich die School of Engineering zusätzlich auch für externe Kinder und bot ein Spezialprogramm für Mädchen an, die sich über die Geschäftsstelle des Nationalen Zukunftstages angemeldet hatten. Unter der Leitung der Dozentin Dr. Marina de Queiroz Tavares konnten zwanzig Mädchen an vier verschiedenen Schwerpunkten teilnehmen und Wissen zu den Themen Aviatik und Energie, Elektronik, Mechanik und Informatik sammeln. Am Nachmittag besuchte die Gruppe dann gemeinsam die Mechatronik Schule Winterthur. Auch das Departement Gesundheit war aktiv, um der Unterrepräsentation der männlichen Studierenden in ihrem Bereich entgegenzuwirken. Stefan Engler und Markus Dali boten ein Spezialprogramm für Buben an, die sich für gesundheitsbezogene Themen interessieren. Fünfzehn Jugendliche nahmen an einem Workshop im Departement Gesundheit teil und besuchten am Nachmittag die Rettungsdienste des Kantonspitals Winterthur. Somit trug die ZHAW auch zum Spezialprogramm bei, das die Geschäftsstelle des Nationalen Zukunftstages koordinierte und an dem in diesem Jahr neben dem Grundprogramm zusätzlich 3100 Mädchen und 1700 Buben teilgenommen haben.

Zusatzangebot für Eltern der ZHAW
In diesem Jahr wurde zum ersten Mal auch den Eltern eine Weiterbildungs-möglichkeit im Rahmen des Nationalen Zukunftstages angeboten. Die Studienlauf- und Berufsberaterin, Dr. Nicola Kunz, die am Departement für Angewandte Psychologie tätig ist, erklärte, wie der Berufsfindungsprozess der Jugendlichen abläuft und wie die Eltern ihre Kinder bei dieser wichtigen Weichenstellung helfen können. Im Mittelpunkt stand vor allem die Frage, wie man Kinder bei der Entwicklung einer eigenen beruflichen Identität unterstützen kann. Dies ist leichter gesagt als getan und erstreckt sich über viele Jahre, da die Jugendlichen sich diesem Ziel nur über eigene Erfahrungen und Ausschlussverfahren annähern können. Im Mittelpunkt stehen hier wichtige Fragen wie „Wer bin ich? Was macht mich aus? Was kann ich gut und was mache ich gerne? Wichtige Einflussfaktoren sind die Eltern sowie Freundinnen und Freunde. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. „Denn Erfahrung ist etwas, was man nicht geschenkt bekommen möchte“, sagt Nicola Kunz.

Der unbewusste Orientierungsprozess beginnt bereits im Alter von sechs bis acht Jahren. In dieser Zeit werden die geschlechtsspezifischen Zuordnungen der einzelnen Berufsgruppen wahrgenommen. Bereits zu diesem Zeitpunkt findet das Ausschlussverfahren statt und geschlechtsuntypische Berufe werden ausgeklammert. In der Altersgruppe der neun- bis dreizehnjährigen beginnt die Wahrnehmung der Prestigeträchtigkeit der einzelnen Berufe und erst ab 14 Jahren fangen die Jugendlichen an, die eigenen Fähigkeiten und Interessen in den Berufsfindungsprozess miteinzubeziehen. Es läuft also vieles bereits ab bevor die Kinder ernsthaft über ihre eigenen Möglichkeiten nachdenken. Das zeigt, dass der Nationale Zukunftstag ein gutes Instrument ist, um als Schaukasten einmal die ganze Bandbreite der Berufsbilder und der dazugehörigen Entfaltungsmöglichkeiten zu zeigen.

 Geschrieben von: Leonie Renouil, Stabsstelle Diversity ZHAW 

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