Verankerung von Chancengleichheit an Hochschulen durch Aktionspläne

Die Förderung der Chancengleichheit wurde seit dem Jahr 2000 bis 2016 mit finanziellen Mitteln vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) und später vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) aktiv unterstützt. Die Vorgaben hierfür basieren auf der Fachhochschulgesetzgebung. Von Beginn an wurde besonders kritisch die unausgewogene Verteilung der Geschlechter an Hochschulen begutachtet. Der Anteil von Frauen reichte beispielsweise im Jahr 2010 je nach Fachbereich von 7,3 Prozent in den Fachbereichen Technik und IT bis hin zu 86,2 Prozent in der Sozialen Arbeit und den Gesundheitsberufen (BFS 2010, Durchschnitt aller sieben FH ohne PH). Diese ausgeprägte Segregation zeigte sich nicht nur auf Stufe der Studierenden, sondern ist auch beim Fachhochschulpersonal über sämtliche Funktionen bis heute festzustellen.

Seit 2017 liegt die Leitung des für weitere vier Jahre laufenden Programms Chancengleichheit und Hochschulentwicklung im Rahmen der projektgebundenen Beiträge bei Swissuniversities. Das Programm verfolgt weiterhin das Ziel ausgewogener Geschlechterverhältnisse und befasst sich darüber hinaus mit weiteren Dimensionen von Diversität an Hochschulen. Es unterstützt die Verankerung von Chancengleichheit durch das bewährte Instrument «Aktionsplan» und ermöglicht hochschul- und hochschultypübergreifende Kooperationsprojekte mit sogenanntem «Leuchtturmcharakter». Auch die ZHAW hat im Rahmen der projektgebundenen Beiträge einen Aktionsplan erstellt und wird sich in den kommenden vier Jahren den nachfolgenden Handlungsfeldern widmen respektive plant die dafür ausgearbeiteten Wirkungsziele umzusetzen:

Chancengleichheit in der Nachwuchsförderung und in Laufbahnen
Die ZHAW engagiert sich für diversitygerechte Rekrutierungsverfahren. Sie sensibilisiert und schult Führungskräfte dahingehend, dass Chancenungleichheit bereits in Bewerbungsprozessen vermieden wird. Auch in den Arbeitsstrukturen werden Chancengleichheitsaspekte berücksichtigt, unter anderem bei der Möglichkeit zur Gestaltung flexibler Arbeitsverhältnisse wie auch bei der Optimierung von Angeboten zur Vereinbarkeit von Studium und Beruf mit Familien- und Careverpflichtungen. Um Diskriminierungen bei der Entlöhnung zu vermeiden, praktiziert die ZHAW Lohngleichstellung und kommuniziert Lohntransparenz. Für die Planung einer Hochschullaufbahn oder einer akademischen Karriere bietet die ZHAW Studierenden und Mitarbeitenden in der frühen Berufsphase unterstützende Massnahmen im Rahmen von Mentoring-Programmen an. Das neu konzipierte Projekt «Mentoring Pro Diversity» richtet sich darüber hinaus nicht nur an den wissenschaftlichen Nachwuchs, sondern hilft auch jenen Mitarbeitenden, welche eine Doppelbelastung zu vereinbaren haben und fördert die Selbstkompetenz älterer Mitarbeitender zum Schutz vor beruflicher Diskriminierung im Alter.

Man sieht einen Wegweiser auf dem das Wort Diversity steht

Diversitygerechte Rekrutierungsverfahren und viele weitere Massnahmen führen zu mehr Chancengleichheit

Chancengleichheit in der Berufs- und Studienwahl sowie Abbau von Berufsstereotypien
Besonders jene Departemente, in denen die Verteilung der Studierenden unausgewogene Geschlechterverhältnisse aufweisen, sind sensibilisiert für mehr Diversity in der Studien- und Berufswahl. Sie verfolgen eine diversitygerechte Kommunikationsstrategie und arbeiten darauf hin, Bedürfnisse untervertretener Gruppen stärker in die Curricula zu integrieren. Im Rahmen einer interdisziplinären Ringvorlesung zu «Unconscious Bias» sollen unbewusste Vorurteile und ihre Überwindung thematisiert werden. Um Chancengleichheit zu ermöglichen, ist der Einbezug von Betroffenen unabdingbar. Entsprechend ist die Bildung eines Studierendenbeirats ‘Diversity’ in Planung. Auch werden weiterhin Peer-to-Peer-Veranstaltungen von Menschen mit Behinderungen durchgeführt, sowie neu ein Peer-to-Peer-Treffen von Hochschulangehörigen aus dem LGBT- Personenkreis initiiert, um etwaiger Stigmatisierung entgegenzuwirken.

Kompetenzerweiterung Chancengleichheit und Diversität an Hochschulen
Die ZHAW engagiert sich weiterhin stark für den Ausbau einer hindernisfreien Hochschule und für die Partizipation von Menschen mit Behinderungen im Bildungsbereich auch auf nationaler Ebene. Sie plant eine Erhebung zur Lebenssituation ihrer Studierenden mit Behinderungen, engagiert sich gleichbleibend stark in der Beratung und im Coaching von betroffenen Studierenden und erweitert kontinuierlich das Angebot für eine hindernisfreie Didaktik. Auf nationaler Ebene ist ein Kooperationsprojekt mit anderen Hochschulen anvisiert, welches die Professionalisierung des Netzwerks «Studium und Behinderung Schweiz» zum Ziel hat.

Geschrieben von: Dr. Annette Kahlen, 
Leiterin Stabsstelle Diversity ZHAW

P.S.: Weitere Informationen erhalten Sie bei der Autorin dieses Beitrags unter: annette.kahlen@zhaw.ch

Gender Studies Förderpreis – ein Rückblick

In feierlichem Rahmen wurden die zwei Gewinnerinnen, Larissa Holaschke und Eva Vitija, geehrt. Nach sechs erfolgreichen Durchführungen schwang dieses Mal auch etwas Schwermut mit, denn der Wettbewerb wurde zum vorerst letzten Mal ausgeschrieben. Vergeben wurde der Preis in einer entspannten Runde, begleitet von angeregten Gesprächen und einem feinen Apéro. Die Juy-Mitglieder Marion Strunk und Thomas Weilenmann hielten die Laudationen für die zwei Gewinnerinnen.

Larissa Holaschke, ZHdK, wurde für ihre Arbeit «Lipstick Tehran. Subversive Zeichen im Reich der Mullahs» geehrt. Ergebnis der Arbeit ist ein wunderschön gestaltetes Buch, welches sowohl inhaltlich als auch ästhetisch zu überzeugen vermag. Das Buch soll publiziert werden. Eva Vitija, ebenfalls ZHdK, wurde für ihren Kinodokumentarfilm «Das Leben drehen» prämiert. Der Film hat bereits mehrere Preise gewonnen und befasst sich auf eindrückliche Weise mit Familienbildern und Tochter-Vater-Beziehungen. Der Film kann erworben werden und wurde bereits in einigen Kinos gezeigt.

Warum sich das Glück nicht festhalten lässt

Ein eindrückliches Portrait einer Tochter-Vater-Beziehung

Der Wettbewerb – 10 Jahre Förderung von Gender Studies
Zum ersten Mal ausgeschrieben wurde der Förderpreis 2006. Als Projekt der Arbeitsgruppe Diversity ZFH wurde er von ihr und dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) gestiftet. Der Förderpreis diente der Förderung der Geschlechterforschung an der Zürcher Fachhochschule und ehrte herausragende studentische Arbeiten. Die Arbeiten konnten dabei eine theoretisch-wissenschaftliche, künstlerische, anwendungsorientierte oder praktische Ausrichtung haben.

Der Wettbewerb fand Anklang: Im Rahmen der sechs Ausschreibungen wurden insgesamt 200 Arbeiten eingereicht. Daraus gingen sieben Gewinner_innen des Förderpreises und vier Gewinner_innen des Anerkennungspreises hervor. Vertreten waren erfreulicherweise jeweils Studentinnen und Studenten aller Teilhochschulen der ZFH. Eine Jury, bestehend aus internen und externen Fachpersonen in Cultural und Gender Studies, befand über die eingereichten Arbeiten.

Quo vadis Gender Studies

In den vergangenen Jahren haben das SBFI und die ZFH den Wettbewerb im Rahmen des Bundesprogramms für Chancengleichheit an Fachhochschulen finanziert. Im Moment steht noch offen, ob der Wettbewerb auch im Rahmen der nächsten Programmperiode 2017 bis 2020 ausgeschrieben werden kann. Für alle Beteiligten steht jedoch fest: Gender Studies leisten einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von gesellschaftlichen Machtbeziehungen und fördern das kritische Denken der Studentinnen und Studenten. Es muss im Interesse der ZFH liegen, Gender Studies in ihren Studiengängen zu implementieren.

 Geschrieben von Sheila Karvounakis, Departement Soziale Arbeit ZHAW 

Beratungsdienste klären auf und warnen vor medizinisch unbegründeter Einnahme leistungssteigernder Mittel

Grosses Interesse am IAP beim Vortrag Ritalin - das "legale" Kokain?

Grosses Interesse am IAP beim Vortrag Ritalin – das „legale“ Kokain?

Die Studierenden der ZHAW zeichnen sich durch ihre Vielfalt und Unterschiedlichkeit aus, allen gleich ist, dass sie grosse Leistungen erbringen müssen, um erfolgreich ihr Studium zu absolvieren. Nicht jeder oder jedem fällt es allerdings leicht, sich mit dem gleichsam einhergehenden Leistungsdruck gut zu arrangieren. Einige fühlen sich überfordert, manche resignieren oder greifen zu stimulierenden Substanzen, in der Hoffnung, damit ihre Leistungen verbessern zu können.

Bei den Beratungspersonen, welche bei Problemen im Studium Hilfe und Unterstützung anbieten, wird eine Zunahme des Missbrauchs leistungssteigernder Mittel unter Studierenden beobachtet. Aus diesem Grund wurde im November ein Vortrag unter dem Titel „RITALIN –das „legale“ Kokain?“ angeboten. Mit etwas mehr als 150 Zuhörerinnen und Zuhörern löste das Thema grosses Interesse aus. Dr. Alessandro Huber, Psychiater und Psychotherapeut am IAP, referierte über die Geschichte von Ritalin, welches 1944 zum ersten Mal synthetisiert und ab den 1970er Jahren nur für Kinder mit einer ADHS-Störung zugelassen wurde. Diese Verordnung fiel in die sogenannten ‚Anti-Ritalin-Jahre‘, einem gesellschaftlichem Umfeld, welches eher durch Leistungsverweigerung charakterisiert werden kann. Bei den Eltern betroffener Kinder löste die medikamentöse Indikation vielfach starken Widerstand aus.

Um die Jahrtausendwende änderte sich das gesellschaftliche Umfeld hin zu einer ausgeprägten Leistungsorientierung. Karriere statt Aussteigertum waren die neuen Werte, mit welchen diese Phase beschrieben werden kann. Ritalin wurde in dieser Zeit nicht nur als therapeutische Massnahme für Kinder, sondern auch in der Behandlung von Erwachsenen salonfähig. Die an Schweizer Ärzte und Apotheker gelieferte Menge Methylphenidat stieg von 2000 bis 2014 um 810 Prozent an!

Vorsicht vor Nebenwirkungen
Auch wenn Konsumierende die positive Wirkung in Form von gesteigerter Aufmerksamkeit, besserer Konzentration und Ausdauer beschwören, so zeigen sich im Konsum auch starke körperliche und psychische Nebenwirkungen, Suchtentwicklung und Abhängigkeit. Auf die Frage, ob Ritalin als leistungssteigerndes Mittel wirklich das bringe, was sich Studierende davon versprechen, resümiert Alessandro Huber mit den Ergebnissen einer Studie die aufzeigt, dass es keine Evidenz für gesteigerte Lern- oder Gedächtnisleistung durch Substanzen wie Ritalin gebe. Die Nutzung steigere schlicht die generelle Wachheit und Aufmerksamkeit und verkürze die Schlafdauer. Somit liegen die Erwartungen an die Wirksamkeit an das Medikament höher als der tatsächliche Nutzen. Oder um es kurz zu sagen: Ritalin ist für das Studium entsprechend nicht mehr wert als Kaffee…

Gabi Rechsteiner weist alternative Lösungswege auf

Gabi Rechsteiner weist alternative Lösungswege auf

Leistungssteigerung durch Stressabbau
Die Psychologin Gabi Rechsteiner, welche unter anderem in der psychologischen Beratung für Studierende an der ZHAW tätig ist, ging im zweiten Teil des Vortrags auf das Zusammenwirken von Leistungsfähigkeit und Druck respektive Stresserleben ein. Sie zeigte modellhaft auf, wie Stresserleben instrumentell (durch das Reduzieren von Stressoren), mental (durch die eigene Einstellung und eigene Denkmuster) und regenerativ (durch Regulierung von Stressreaktionen) bewältigt werden kann. So können unterschiedliche Bereiche mit dafür verantwortlich sein, bessere Leistungen im Studium zu erzielen: auf motivationaler Ebene zum Beispiel das Setzen realistischer Ziele oder auch sich Lernerfolge regelmässig bewusst zu machen und sich dafür zu belohnen. Hilfreich kann eine Verbesserung der eigenen Arbeitsorganisation sein oder gar das Erlernen neuer Arbeitstechniken, und auch die klarere Trennung von Arbeit und Erholung führen in der Regel zu besseren Leistungen. Zu letztgenannter wurden scheinbar recht simple und doch nachgewiesenermassen wirksame Beispiele wie bewusste Entspannung durch Sport, körperliche Betätigung und dem Pflegen sozialer Kontakte genannt.

Gabi Rechsteiner wies ergänzend auch auf die Angebote der psychologischen Beratungsstelle der ZHAW hin, welche fachliche Unterstützung beim Erlernen von Arbeits- und Lerntechniken bietet, die bei Überforderung unterstützt und Hilfestellung dabei leistet, wie Prüfungsangst überwunden werden kann.

Aufgrund der hohen Nachfrage wird der Vortrag im kommenden Jahr wiederholt.
Auch wird es an diesem neuen Datum ausreichend Gelegenheit für einen Austausch mit und Rückfragen an die Fachpersonen geben.

 Geschrieben von: Dr. Annette Kahlen, 
Stabsstelle Diversity und Koordinatorin 
der Beratungsdienstleistungen der ZHAW

Science Week: Naturwissenschaften mit garantiertem Spassfaktor

Vier Jugendliche schauen sich ein Modell an, dass die Funktionsweise von Wind-, Wasser- und Stromproduktion abbildet. Sie erfahren, wie sich das Wetter auf Stromproduktion auswirkt.

Am Modell wird erprobt, wie sich unterschiedliches Wetter auf die Wind-, Wasser- und Solarstromproduktion auswirkt.

Um Jugendliche für MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu begeistern und auf Ingenieurberufe aufmerksam zu machen, bietet das Departement Life Sciences und Facility Management die Science Week an. Das Angebot richtet sich an Jungen und Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren. Die Veranstaltung findet vom 8. bis 12. August in Wädenswil statt. Die Jugendlichen können zwischen sechs ganztägigen Kursen aus den Bereichen Chemie, Biotechnologie, Umwelt und Informatik auswählen.

Die Vielfalt der Themen in den angebotenen Workshops ist gross. Sie reichen von der Erzeugung erneuerbarer Energien bis zur Programmierung eines menschlichen Roboters. Alles ist altersgerecht aufbereitet, so dass die Jugendlichen einen schnellen Zugang bekommen und etwas selber ausprobieren können. Wer sich zum Beispiel für Biologie interessiert, kann einen Bioreaktor bauen und Hefezellen kultivieren. Wer an Lebensmitteln und deren Zusammensetzung interessiert ist, kann Kartoffelchips auf Fettgehalt und Proteine hin untersuchen. Das genaue Programm ist auf der Website eingestellt.

Zwei Mädchen untersuchen in einem Versuch die DNA von Pflanzenzellen.

Hier wird die DNA von Pflanzenzellen untersucht.

Damit auch die Eltern die ZHAW und die spannende Welt der Hochschulforschung besser kennenlernen können, gibt es am 10. August einen Parent’s Day. An diesem Tag werden die Mütter und Väter in einer Vorlesung viel Neues über das Thema „essbare Insekten“ erfahren. Im Anschluss können sie an einem der Workshops ihrer Kinder teilnehmen. Die Science Week wird zum dritten Mal durchgeführt. Im vergangenen Jahr haben 150 Schülerinnen und Schüler daran teilgenommen. Davon waren 55 Prozent männlich und 45 Prozent weiblich. Die Science Week erfreut sich grosser Nachfrage und wird entsprechend positiv von den Medien begleitet.

Der Anmeldeschluss ist der 22. Juli 2016. Zur Anmeldung geht es hier.

Die Veranstaltung steht unter dem Patronat der Schweizerischen UNESCO-Kommission. Die Projektleiterin ist Frau Azita Ambühl-Khatibi.

 Geschrieben von: Leonie Renouil, Stabsstelle Diversity ZHAW 

Raum der Stille an der ZHAW

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Am 23. Februar wurde in der Hochschulbibliothek in Winterthur ein Raum der Stille eröffnet. Die Hochschulbibliothek wurde bewusst als Ort gewählt, denn sie ist nicht nur Bibliothek und Ort des Lernens, sondern auch ein Begegnungsort an der ZHAW. Das Bedürfnis nach einem Rückzugsort in einem oftmals hektischen Studien- und Arbeitsumfeld war schon seit einiger Zeit ausgewiesen, vor allem von Seiten der Studierenden. Losgetreten wurde die Idee von einem Studenten, der einen Ort zum Beten suchte. Selten, aber doch immer wieder werden an uns Anfragen zur Studien- oder Praktikumsdurchführung gerichtet, die in Zusammenhang mit einem religiösen Kontext stehen, wie zum Beispiel kann ein Praktikum mit Kopftuch absolviert oder muss eine Prüfung am Sabbat verschoben werden?

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Diese oder ähnliche Anfragen werfen bei der Lösungsfindung die Frage auf, ob praktizierter Glaube reine Privatsache ist und ob ‚Konfessions-neutralität‘ für eine Hochschule bedeutet, die Bedürfnisse ihrer Angehörigen auszublenden. Bei der Diskussion um das Angebot eines Raums der Stille wurde uns bewusst, wie die medial inszenierte Gewalt im Namen von Religion bereits Spuren in unserem Denken hinterlassen hat. Bei der Planung liessen Berichte aufhorchen, in denen andere Hochschulen von zu vielen Konflikten oder gar der Schliessung ihres „Raums der Stille“ berichten.

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Der Raum der Stille an der ZHAW ist allerdings keiner Weltanschauung gewidmet oder der Religionsausübung vorbehalten. Er ist konzipiert als überkonfessioneller Ort, welcher der zunehmenden Vielfalt der Hochschulangehörigen Rechnung trägt, denn unsere Hochschule wächst und wird immer internationaler. Er entstand aus der Überzeugung, dass es einen Ort der Einkehr und der Ruhe geben muss, einen Ort, an dem Studierende und Mitarbeitende sich über alle Unterschiede hinweg in Ruhe begegnen und verständigen können. Er orientiert sich an den persönlichen Bedürfnissen von Studierenden und Mitarbeitenden und dient zur Entspannung, zur Besinnung, um innerlich aufzutanken, zur Meditation oder für ein Gebet. Er bietet die Möglichkeit für einen kurzen Rückzug aus dem Alltag, sei es aus dem Prüfungsstress, aus schwierigen Arbeitssituationen, vor Lärm und Hektik.

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Mit dem Raum der Stille will die ZHAW einen weiteren Beitrag leisten zu einem attraktiven Hochschulleben, das geprägt sein soll von Toleranz, Wertschätzung und Dialog. Diese Werte gehören zu unserer Hochschulkultur ebenso wie Eigenverantwortung, Kreativität, Konfliktfähigkeit, Mitwirkung und die Einhaltung unserer Grundsätze von Diversity und Chancengleichheit.

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Die individuelle Nutzung eines Raums der Stille bedarf gegenseitiger Toleranz. Toleranz, die wir im Studien- und Arbeitsleben auch dadurch fördern wollen, dass es solche Rückzugsräume gibt. Um „Stille“ zu gestalten, wurde der Raum bewusst schlicht gehalten. Es stehen wenige Sitzelemente zur Verfügung und der einzige Blickfang an der Wand bildet eine Bildertrilogie, auf der von der Hamburger Künstlerin Gundi Wiemer in Zusammenarbeit mit Studierenden der als „Gebet der Vereinten Nationen“ bekannte Text des amerikanischen Dichters und Pulitzer Preisträgers Stephen Vincent Benét inszeniert wurde, welcher lautet:

„Unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im grossen Weltall.
An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen,
dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden,
nicht von Hunger und Furcht gequält,
nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.
Lasst uns mutig und vorausschauend schon heute diesem Werk begegnen,
damit unsere Kinder und Kindeskinder einst stolz den Namen Mensch tragen.“

 Geschrieben von: Annette Kahlen, Leiterin Stabsstelle Diversity ZHAW