Beratungsdienste klären auf und warnen vor medizinisch unbegründeter Einnahme leistungssteigernder Mittel

Grosses Interesse am IAP beim Vortrag Ritalin - das "legale" Kokain?

Grosses Interesse am IAP beim Vortrag Ritalin – das „legale“ Kokain?

Die Studierenden der ZHAW zeichnen sich durch ihre Vielfalt und Unterschiedlichkeit aus, allen gleich ist, dass sie grosse Leistungen erbringen müssen, um erfolgreich ihr Studium zu absolvieren. Nicht jeder oder jedem fällt es allerdings leicht, sich mit dem gleichsam einhergehenden Leistungsdruck gut zu arrangieren. Einige fühlen sich überfordert, manche resignieren oder greifen zu stimulierenden Substanzen, in der Hoffnung, damit ihre Leistungen verbessern zu können.

Bei den Beratungspersonen, welche bei Problemen im Studium Hilfe und Unterstützung anbieten, wird eine Zunahme des Missbrauchs leistungssteigernder Mittel unter Studierenden beobachtet. Aus diesem Grund wurde im November ein Vortrag unter dem Titel „RITALIN –das „legale“ Kokain?“ angeboten. Mit etwas mehr als 150 Zuhörerinnen und Zuhörern löste das Thema grosses Interesse aus. Dr. Alessandro Huber, Psychiater und Psychotherapeut am IAP, referierte über die Geschichte von Ritalin, welches 1944 zum ersten Mal synthetisiert und ab den 1970er Jahren nur für Kinder mit einer ADHS-Störung zugelassen wurde. Diese Verordnung fiel in die sogenannten ‚Anti-Ritalin-Jahre‘, einem gesellschaftlichem Umfeld, welches eher durch Leistungsverweigerung charakterisiert werden kann. Bei den Eltern betroffener Kinder löste die medikamentöse Indikation vielfach starken Widerstand aus.

Um die Jahrtausendwende änderte sich das gesellschaftliche Umfeld hin zu einer ausgeprägten Leistungsorientierung. Karriere statt Aussteigertum waren die neuen Werte, mit welchen diese Phase beschrieben werden kann. Ritalin wurde in dieser Zeit nicht nur als therapeutische Massnahme für Kinder, sondern auch in der Behandlung von Erwachsenen salonfähig. Die an Schweizer Ärzte und Apotheker gelieferte Menge Methylphenidat stieg von 2000 bis 2014 um 810 Prozent an!

Vorsicht vor Nebenwirkungen
Auch wenn Konsumierende die positive Wirkung in Form von gesteigerter Aufmerksamkeit, besserer Konzentration und Ausdauer beschwören, so zeigen sich im Konsum auch starke körperliche und psychische Nebenwirkungen, Suchtentwicklung und Abhängigkeit. Auf die Frage, ob Ritalin als leistungssteigerndes Mittel wirklich das bringe, was sich Studierende davon versprechen, resümiert Alessandro Huber mit den Ergebnissen einer Studie die aufzeigt, dass es keine Evidenz für gesteigerte Lern- oder Gedächtnisleistung durch Substanzen wie Ritalin gebe. Die Nutzung steigere schlicht die generelle Wachheit und Aufmerksamkeit und verkürze die Schlafdauer. Somit liegen die Erwartungen an die Wirksamkeit an das Medikament höher als der tatsächliche Nutzen. Oder um es kurz zu sagen: Ritalin ist für das Studium entsprechend nicht mehr wert als Kaffee…

Gabi Rechsteiner weist alternative Lösungswege auf

Gabi Rechsteiner weist alternative Lösungswege auf

Leistungssteigerung durch Stressabbau
Die Psychologin Gabi Rechsteiner, welche unter anderem in der psychologischen Beratung für Studierende an der ZHAW tätig ist, ging im zweiten Teil des Vortrags auf das Zusammenwirken von Leistungsfähigkeit und Druck respektive Stresserleben ein. Sie zeigte modellhaft auf, wie Stresserleben instrumentell (durch das Reduzieren von Stressoren), mental (durch die eigene Einstellung und eigene Denkmuster) und regenerativ (durch Regulierung von Stressreaktionen) bewältigt werden kann. So können unterschiedliche Bereiche mit dafür verantwortlich sein, bessere Leistungen im Studium zu erzielen: auf motivationaler Ebene zum Beispiel das Setzen realistischer Ziele oder auch sich Lernerfolge regelmässig bewusst zu machen und sich dafür zu belohnen. Hilfreich kann eine Verbesserung der eigenen Arbeitsorganisation sein oder gar das Erlernen neuer Arbeitstechniken, und auch die klarere Trennung von Arbeit und Erholung führen in der Regel zu besseren Leistungen. Zu letztgenannter wurden scheinbar recht simple und doch nachgewiesenermassen wirksame Beispiele wie bewusste Entspannung durch Sport, körperliche Betätigung und dem Pflegen sozialer Kontakte genannt.

Gabi Rechsteiner wies ergänzend auch auf die Angebote der psychologischen Beratungsstelle der ZHAW hin, welche fachliche Unterstützung beim Erlernen von Arbeits- und Lerntechniken bietet, die bei Überforderung unterstützt und Hilfestellung dabei leistet, wie Prüfungsangst überwunden werden kann.

Aufgrund der hohen Nachfrage wird der Vortrag im kommenden Jahr wiederholt.
Auch wird es an diesem neuen Datum ausreichend Gelegenheit für einen Austausch mit und Rückfragen an die Fachpersonen geben.

 Geschrieben von: Dr. Annette Kahlen, 
Stabsstelle Diversity und Koordinatorin 
der Beratungsdienstleistungen der ZHAW

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