Die ZHAW auf dem Weg zur hindernisfreien Hochschule

Um Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen, ist unter anderem ein gleich-berechtigter Zugang zur physischen Umwelt zu gewährleisten. Dieser Anspruch, welcher beispielweise in der 2014 von der Schweiz ratifizierten UN-Behinderten-Rechtskonvention (Vgl. Art. 9 UN-BRK) geltend gemacht wird, erstreckt sich auch auf den Bildungsbereich. Die ZHAW orientiert sich an diesem Anspruch und hat sich mit einer baulichen Erhebung aller Gebäude unserer Hochschule auf den Weg gemacht – auf den Weg hin zu einer hindernisfreien Hochschule.

Vom Begriff der Hindernisfreiheit…

Was ist mit einer hindernisfreien Hochschule gemeint? Bevor die Resultate der Erhebung in einem kurzen Zwischenbericht vorgestellt werden, soll der Begriff der Hindernisfreiheit etwas genauer vorgestellt werden. Gemeinhin werden unter dem Begriff der Hindernisfreiheit primär die baulichen Aspekte einer Dienstleistung verstanden. Dieses Verständnis von Hindernisfreiheit greift jedoch zu kurz: Neben der baulichen Dimension gilt es hinsichtlich hindernisfreien (Bildungs-) Dienstleistungen stets auch betriebliche Aspekte zu berücksichtigen, wie die Art des Unterrichtes, die Modalitäten der Prüfungen (Stichwort: Nachteilsausgleich) oder die Ausgestaltung der hochschulergänzenden Angebote (Sportangebot, Wohnen …).

Der Begriff der Hindernisfreiheit wird oftmals synonym mit jenem der Barrierefreiheit verwendet. Letzterer ist jedoch etwas ungenau: Während Barrieren durchaus Sinn machen können (zum Beispiel als Sicherung bei einem Bahnübergang), stellen Hindernisse in jedem Fall eine Behinderung der vollen Teilhabe an der Gesellschaft dar. Diese Hindernisse gilt es abzubauen oder wenn immer möglich ganz zu beseitigen, um eine unabhängige Lebensführung an einer hindernisfreien Hochschule zu ermöglichen.

Die unabhängige Lebensführung soll hierbei allen Personengruppen möglich sein, unabhängig von der Art der Behinderung: Im Verständnis einer breiten Öffentlichkeit und (inkl. vieler Architektinnen und Architekten) wird die bauliche Dimension der Hindernisfreiheit zumeist auf Menschen mit Mobilitätsbehinderungen respektive auf Menschen in einem Rollstuhl verengt. Der gleichberechtigte Zugang zur physischen Umwelt für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen geht allzu oft vergessen. Ziel eines hindernisfreien Zuganges zu Bildungsangeboten ist jedoch die Gleichstellung aller Hochschulangehörigen.

… zu seiner Anwendung

Die Stabsstelle Diversity hat im vergangenen Jahr eine breite leitfadenbasierte Erhebung aller Gebäude der ZHAW durchgeführt. Jede Baute wurde, abhängig von ihrer Bauweise und der Nutzungsart seitens der ZHAW, nach rund 102 Gesichtspunkten in 13 Kategorien (Homepage, Anreise, Gebäudezugang, Alternativeingänge Zirkulation und Orientierung im Gebäude, Ausgestaltung der Treppenhäuser, Personenlifte, Unterrichtsräume, Büroräumlichkeiten, Mensen und Cafeterien, WC- Anlagen, Bibliothek, Informations-Anlagen, Fluchtwege) durchleuchtet.

Als Zwischenfazit kann gesagt werden, dass keines der (zumeist alten) Gebäude vollständig hindernisfrei ist. Viele Gebäude bieten jedoch aufgrund ihrer guten und durchdachten Bauweise Zugangsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen, auch wenn diese oftmals nicht benachteiligungsfrei sind, also zum Beispiel nur über grosse Umwege oder nicht selbständig genutzt werden können. In manchen Bauten wurden bereits Anpassungen realisiert, um die Hindernisfreiheit zu verbessern. Von wenigen Ausnahmen abgesehen beschränken sich diese jedoch einzig auf die Bedürfnisse von Menschen im Rollstuhl – Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen wurden von diesen Anpassungen zumeist nicht erfasst.

Die Resultate dieser Erhebung werden aktuell aufbereitet und sollen auf dem Internet allen Hochschulangehörigen zur Verfügung gestellt werden. Sollte Sie bereits jetzt konkrete Fragen zu einem Gebäude haben, kann die Stabsstelle Diversity gerne Auskunft geben. Wenden Sie sich bitte an Brian McGowan: mcgo@zhaw.ch

Zur Bedeutung der vollen Teilhabe im Bildungsbereich

Die aufbereiteten Daten werden die Grundlage bilden für eine Diskussion darüber, welche baulichen Massnahmen getroffen werden, um Hindernisse abzubauen oder sie in den meisten Gebäuden ganz zu beseitigen. Diese Massnahmen sind nicht nur für das Selbstverständnis und die Attraktivität der ZHAW von grosser Wichtigkeit, sondern auch in sozial- und finanzpolitischer Hinsicht bedeutsam: Mit Blick auf die aktuellen und wiederkehrenden IVG-Revisionsdebatten ist festzuhalten, dass die Ziele der Integration von Menschen mit Behinderungen in den Erwerbsbereich nur dann gelingen können, wenn alle Menschen gleiche Bildungschancen haben – ob mit oder ohne Behinderung.

 Geschrieben von: Brian McGowan, Stabsstelle Diversity ZHAW