Ein Gemisch aus Farben und Klängen

Winterthur‒Addis Abeba: Generalsekretär Matthias Elmer hat in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba die nationale Agentur für Hochschulakkreditierungen evaluiert.

Eindrücklich war für mich diese ungeheure Lebendigkeit in den Strassen von Addis Abeba. Die Menschen sind sehr farbenfroh gekleidet, und von jedem Stand an den Strassenmärkten wird man aus tragbaren CD-Spielern mit westlicher Musik beschallt – in der Summe ein wildes Gemisch an Klängen. Autos vorab chinesischer Hersteller und Busse teilen sich die Strassen mit Lasteseln, die an speziellen Stationen beladen werden, und manchmal auch mit Schafherden. Und morgens vor sieben Uhr, wenn die Luftverschmutzung noch nicht so hoch ist, trainieren die äthiopischen Marathonläufer.

Anfang September 2016 war ich während zweier Wochen für die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Äthiopiens Hauptstadt. Die Gesellschaft unterstützt das Bildungsministerium bei Planung und Aufbau von Hochschulen und Universitäten. Ich habe zusammen mit Gutachtern aus den Niederlanden und aus Grossbritannien die äthiopische Agentur für Hochschulakkreditierungen evaluiert. Vor dieser Reise war ich schon mehrmals in Deutschland als Gutachter tätig. Das gibt mir auch wichtige Impulse für meine Aufgaben an der ZHAW.

Matthias Elmer vor dem Lokal Chez Lucy, inspiriert vom Urmenschen Lucy

Meine äthiopischen Kontaktpersonen waren sehr bemüht und sehr stolz auf das, was sie im Bildungswesen erreicht haben. Der Staat investiert viel in die Entwicklung der Bildung. Doch es mangelt an grundlegenden Dingen: Es gibt auf allen Stufen viel zu wenig Lehrkräfte, und Internetverbindungen an den Hochschulen funktionieren mehr oder weniger nach dem Zufallsprinzip, so scheint es. Selbst fliessendes Wasser in den Toiletten ist nur selten vorhanden. Die Hälfte der 90 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner sind Analphabeten, und nur rund 750 000 studieren.

Die meisten Menschen leben in bescheidenen Verhältnissen; doch ich habe nie jemanden klagen gehört. Und jeder hat immer irgendeine Idee bereit, wie noch etwas Geld dazuverdient werden könnte: beispielsweise indem man für die Autofahrer Parklücken organisiert. Als ich wieder in der Schweiz war, habe ich bei mir gedacht: Eigentlich haben wir hier gar keine Probleme, wir machen uns nur oft selbst welche.

 Aufgezeichnet von: Sibylle Veigl, freie Journalistin

Dieser Beitrag stammt aus dem Hochschulmagazin ZHAW-Impact 36 /2017.

Gender Studies Förderpreis – ein Rückblick

In feierlichem Rahmen wurden die zwei Gewinnerinnen, Larissa Holaschke und Eva Vitija, geehrt. Nach sechs erfolgreichen Durchführungen schwang dieses Mal auch etwas Schwermut mit, denn der Wettbewerb wurde zum vorerst letzten Mal ausgeschrieben. Vergeben wurde der Preis in einer entspannten Runde, begleitet von angeregten Gesprächen und einem feinen Apéro. Die Juy-Mitglieder Marion Strunk und Thomas Weilenmann hielten die Laudationen für die zwei Gewinnerinnen.

Larissa Holaschke, ZHdK, wurde für ihre Arbeit «Lipstick Tehran. Subversive Zeichen im Reich der Mullahs» geehrt. Ergebnis der Arbeit ist ein wunderschön gestaltetes Buch, welches sowohl inhaltlich als auch ästhetisch zu überzeugen vermag. Das Buch soll publiziert werden. Eva Vitija, ebenfalls ZHdK, wurde für ihren Kinodokumentarfilm «Das Leben drehen» prämiert. Der Film hat bereits mehrere Preise gewonnen und befasst sich auf eindrückliche Weise mit Familienbildern und Tochter-Vater-Beziehungen. Der Film kann erworben werden und wurde bereits in einigen Kinos gezeigt.

Warum sich das Glück nicht festhalten lässt

Ein eindrückliches Portrait einer Tochter-Vater-Beziehung

Der Wettbewerb – 10 Jahre Förderung von Gender Studies
Zum ersten Mal ausgeschrieben wurde der Förderpreis 2006. Als Projekt der Arbeitsgruppe Diversity ZFH wurde er von ihr und dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) gestiftet. Der Förderpreis diente der Förderung der Geschlechterforschung an der Zürcher Fachhochschule und ehrte herausragende studentische Arbeiten. Die Arbeiten konnten dabei eine theoretisch-wissenschaftliche, künstlerische, anwendungsorientierte oder praktische Ausrichtung haben.

Der Wettbewerb fand Anklang: Im Rahmen der sechs Ausschreibungen wurden insgesamt 200 Arbeiten eingereicht. Daraus gingen sieben Gewinner_innen des Förderpreises und vier Gewinner_innen des Anerkennungspreises hervor. Vertreten waren erfreulicherweise jeweils Studentinnen und Studenten aller Teilhochschulen der ZFH. Eine Jury, bestehend aus internen und externen Fachpersonen in Cultural und Gender Studies, befand über die eingereichten Arbeiten.

Quo vadis Gender Studies

In den vergangenen Jahren haben das SBFI und die ZFH den Wettbewerb im Rahmen des Bundesprogramms für Chancengleichheit an Fachhochschulen finanziert. Im Moment steht noch offen, ob der Wettbewerb auch im Rahmen der nächsten Programmperiode 2017 bis 2020 ausgeschrieben werden kann. Für alle Beteiligten steht jedoch fest: Gender Studies leisten einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von gesellschaftlichen Machtbeziehungen und fördern das kritische Denken der Studentinnen und Studenten. Es muss im Interesse der ZFH liegen, Gender Studies in ihren Studiengängen zu implementieren.

 Geschrieben von Sheila Karvounakis, Departement Soziale Arbeit ZHAW 

Europa – was fangen wir damit an?

Wer zum Vortrag von Adolf Muschg möchte, muss über eine Kunstinstallation steigen. Vor dem Hörsaal liegt eine aus Gips nachgebildete Landkarte Europas. Auf den Ländern stapeln sich leere Schubladen, die aus einer Apotheke stammen. Sie tragen die Aufschrift „Salbe“. Das passt gut, denn heute Abend geht es um einen kranken Patienten. Der Patient heisst Europa.

Eigentlich trete ich nicht gerne auf Europa, denn dieses Konstrukt liegt mir am Herzen. So gehe ich behutsam über den Gips und hoffe, dass die vielen Länder, die mir lieb sind, keinen Schaden nehmen. Ich bin gekommen, da sich mir in letzter Zeit immer mehr Fragen stellen und ich mir Sorgen mache. Ich habe einen deutschen Vater. Meine Mutter war Griechin und mein Mann ist Franzose. Ich bin auf Zypern geboren, in Deutschland in den Kindergarten, in Frankreich zur Primarschule und in Griechenland aufs Gymnasium gegangen. Ich lebe seit zehn Jahren in der Schweiz, einem Land, das viele verschiedene Kulturen in sich trägt. Eigentlich ein „kleines Europa“, das so manches Mal besser funktioniert als das Grosse.

Gegen Schubladendenken: Die Künstlerinnen (v.l.n.r.) Katrin Odermatt, Daniella Tuzzi und Karin Mairitsch.

Streifzug durch die Geschichte
Auf die vielen Fragen liefert der Schriftsteller und Germanist Adolf Muschg zahlreiche und tiefgründige Antworten. In einem historischen Streifzug führt er uns zurück zu den Anfängen Europas. Der Redner lässt gekonnt und mit unglaublichem Tempo die verschiedenen Epochen vom antiken Griechenland mit dem Raub der phönizischen Königstochter Europa und ihrer Entführung nach Kreta über die Zeit der Aufklärung bis heute vor unserem inneren Auge auferstehen. Wie ein gewiefter Kulissenschieber zieht er die einzelnen Szenenbilder der prägnantesten Zeitalter hervor, um mit ein paar schnellen Pinselstrichen die wichtigsten Charakteristika hervorzuheben und dessen Bedeutung auf uns einwirken zu lassen. Wir sollen uns auf das besinnen, was uns eint. Es geht so schnell, dass dieser Beitrag keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Doch zumindest einen Versuch will ich wagen, um das Wesentliche herauszuschälen.

Am besten lässt sich der Abend in drei Themenblöcke zusammenfassen: unsere gemeinsame kulturgeschichtliche Entwicklung in Europa und die daraus gewachsenen Werte, der Umgang mit Fremden und ein Lösungsansatz für jeden Einzelnen in unserem Alltag.

Besinnung auf unsere gemeinsamen Werte
Jede Gesellschaft brauche dreierlei, um zu funktionieren, sagt Muschg und bezieht sich dabei auf Jacob Burckhardt. Das sind eine gute Ordnung (Staat), ein guter Sinn (Religion) und die Freiheit (Kultur). Das seien die drei wesentlichen Potenzen, die im Gleichgewicht bleiben müssen, um Auswüchse zu vermeiden. Adolf Muschg stellt ein Ungleichgewicht fest. Aus seiner Sicht hat sich der heutige Markt, der aus der Freiheit erwachsen ist, fast zu einer totalitären Macht entwickelt. Alle Menschen müssten sich verkaufen und seien der Macht des Marktes unterworfen: „Wenn der Markt überall ist, dann hat das, was sich nicht verkaufen kann, eine geringe Chance“. Unter die Räder kommt dabei die Menschlichkeit.

Deshalb empfiehlt er den Zuhörerinnen und Zuhörern sich auf das Konzept des Individuums aus der Zeit der Aufklärung zu besinnen. Dieses Konzept beinhalte: „die Fähigkeit den anderen zu sehen“. Die Individualität sei die Schlüsselsubstanz jeder Kultur, die diesen Namen verdiene. Ihre geniale Eigenschaft sei die produktive Vereinigung von Widersprüchen. Er meint damit, dass die Individualität uns helfe als Menschen Ambivalenzen, Widersprüche und vieles mehr auszuhalten und uns trotzdem zivilisiert zu verhalten. Deshalb kann er nicht verstehen, warum wir uns heute immer mehr der Macht der Zahlen (Big Data) unterwerfen, die das Einzelne aufheben. Mit der digitalen Re-Konstruktion des Gehirns habe die Menschheit seiner Meinung nach bereits den Weg zur Barbarei beschritten.

Der Umgang mit Fremden
Auch für den Umgang mit Fremden greift der Historiker auf dieses Konzept zurück. Wir könnten nur das Einzelne wertschätzen somit auch den Fremden nur als einzelnes Individuum. Denn der Mensch könne nur wenigen Menschen gegenüber reale Nähe empfinden. Man habe herausgefunden, dass jeder Einzelne zu maximal 138 anderen Menschen reale Nähe empfinden könne. Das erkläre, warum wir nur wirklich an denen Anteil nehmen, die zu dieser kleinen Gruppe gehören würden. Deshalb sei die Arbeit an der eigenen Individualität umso wichtiger. Bei seinem Streifzug durch die Geschichte geht er darauf ein, wie man zu verschiedenen Zeiten mit den Fremden umgegangen ist und dass hochentwickelte Kulturen in der Vergangenheit immer Platz für das „Fremde“ hatten. Denn man habe schon damals im Fremden die Spiegelung des eigenen Selbst zu sehen gewusst.

Als Hilfsmittel für die Überwindung schwieriger Zeiten gibt uns Muschg noch den Humor mit auf den Weg. Er sei der Kern der Humanität. Es sei wichtig, dass wir über unsere Werte noch lachen könnten, denn das schärfe unser Bewusstsein für die Relativität. Der Andere brauche unsere Werte nicht zu teilen und wir müssten trotzdem in der Lage sein, ihn gelten zu lassen. Er erinnert an das Zitat von Lessing: „Liebet einander und wenn es durchaus nicht geht, dann lasst euch mindestens gelten“.

Ein grosser Dank für diesen wunderbaren Abend geht natürlich an den Redner, aber auch an Elena Wilhelm und das Team der Hochschulentwicklung der ZHAW, die ihn konzipierten und ermöglichten. Es war die Auftaktveranstaltung zum Ringseminar ZHAW europäisch: Europa verstehen – Europa mitgestalten.

 Geschrieben von: Leonie Renouil, Stabsstelle Diversity ZHAW 

Peer-to-Peer an der ZHAW – Studierende und Mitarbeitende mit Behinderungen bilden eine Stimme

Es beginnt bereits einzudunkeln, als die Eintreffenden etwas schüchtern sich vergewissern, ob dies das Kartenzimmer im Technikum-Gebäude sei und ob sie hier richtig wären beim Peer-to-Peer Treffen (im Folgenden P2P genannt). Ein langer Tisch steht bereit, Gläser und ein Buffet mit Apéro-Häppchen. Einige Stühle an der einen Längsseite des Tisches fehlen, noch ist unklar, ob auch Hochschulangehörige im Rollstuhl anrollen werden. Vorsichtig stellen sich die Angekommenen gegenseitig vor, die ersten Gespräche setzen ein. Es sollte ein lebendiger, diskussionsfreudiger Abend werden mit zahlreichen authentischen, kritischen und solidarischen Wortmeldungen.
Ein Abend, der gleichbedeutend war mit dem bereits zweiten Netzwerktreffen von Studierenden und Mitarbeitenden mit Behinderungen an der ZHAW. Diese Netzwerktreffen, die sich dem sogenannten Peer-to-Peer-Ansatz verpflichten, finden ein- bis zweimal jährlich statt und werden von der Stabsstelle Diversity des Rektorats der ZHAW organisiert. Sie bieten allen Hochschulangehörigen mit einer Behinderung eine Plattform, um sich gemeinsam zu behinderungs- und gleichstellungsrelevanten Themen auszutauschen und sich sowohl beruflich als auch privat kennenzulernen und zu vernetzen.

Was ist Peer-to-Peer?
Peer-to-Peer, auch Peer-Beratung genannt, leitet sich vom englischen Begriff peer im Sinne von „Gleichgestellter“ oder „Ebenbürtiger“ ab und bezeichnet die Kommunikation unter Gleichen. Gemeint ist damit eine emanzipatorische Kommunikationsform, welche die gegenseitige Beratung von Personen gleichen Interesses oder gleicher Erfahrungen ermöglicht. So zum Beispiel bei Menschen mit Behinderungen, älteren Personengruppen oder bei Angehörigen von LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender). Alle P2P-Gruppen eint die Überzeugung, dass ihre Mitglieder Expertinnen und Experten in eigener Sache sind und die bestmögliche Beratung und Unterstützung deshalb immer nur von jemandem stammen kann, der die gleichen Erfahrungen und Lebensvoraussetzungen teilt.

Die Einrichtung von P2P-Angeboten, die eine Beratung für Menschen mit Behinderungen auf Augenhöhe ermöglichen, wird von der UN-Behindertenrechtskonvention, die 2014 von der Schweiz ratifiziert wurde, explizit verlangt. In Artikel 26 wird „peer support“ als geeignete Massnahme definiert, um „…umfassende körperliche, geistige, soziale und berufliche Fähigkeiten…zu erreichen und zu bewahren“ (Vgl. UN-BRK, Art.26).

Weshalb fördert die ZHAW P2P?
Gemäss Leitbild und Hochschulstrategie setzt sich die ZHAW für Chancengleichheit und eine Politik der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Nachhaltigkeit (Vgl. Qualitätsstrategie ZHAW, S.11-14) ein. Geeignete Massnahmen und Rahmenbedingungen ermöglichen es unseren Mitarbeitenden und Studierenden, ihre Fähigkeiten, Potenziale und persönlichen Bedürfnisse im Hochschulalltag frei zu entwickeln und einzubringen. Die Schaffung von P2P-Angeboten trägt zum Erreichen dieser Zielsetzungen bei, indem die bestmögliche, gegenseitige Beratung von Hochschulangehörigen gefördert, ihre Selbstbestimmung gestärkt und die Entwicklung von umfassenden beruflichen Fähigkeiten ermöglicht wird.

Eine geeinte Stimme bilden
Seitens der Hochschulangehörigen wurden sowohl beim ersten wie beim zweiten P2P-Abend übereinstimmend die folgenden Ziele benannt und diskutiert: Trotz breiter Zufriedenheit mit den Unterstützungsangeboten der ZHAW, bekräftigten die meisten Anwesenden, dass sie zur nachhaltigen Verbesserung der Situation aller Hochschulangehörigen an der ZHAW beitragen wollen. Zudem wurde mehrfach der Wunsch geäussert, eine geeinte Stimme zu bilden, um hochschulintern die Bedürfnisse der Studierenden und Mitarbeitenden mit Behinderungen in die Weiterentwicklung unserer Hochschule einbringen zu können. Dieses Engagement der P2P-Teilnehmenden fördert eine Entwicklung der ZHAW, durch welche nachhaltige Strukturen der Chancengleichheit geschaffen werden. Aus diesem Grund sind regelmässigen Treffen sowohl für die Hochschule als auch für die Peers von grossem Wert.

Ein Abend des Engagements und der Begegnungen
Der Abend begann nach einigen informellen Gesprächen mit einem offiziellen Diskussionsthema: Jenem der baulichen Hindernisfreiheit der ZHAW-Gebäude. Nach der Vorstellung der Resultate einer von der Stabsstelle Diversity durchgeführten Erhebung setzte ein lebhafte Diskussion ein, was diese Resultate für die Hochschulangehören bedeuten, was gut sei und was verbessert werden könnte. Mehrmals meldeten sich Teilnehmende mit Tipps und Hinweisen, wie sie dieses oder jenes Hindernis umschifft hatten und was allenfalls eine geeignete Strategie sein könnte. Für einige der benannten Hindernisse konnte die Stabsstelle eine Lösung anbieten. Andere Hindernisse wurden der Stabsstelle erst aufgezeigt und erklärt, welche dieser trotz breiter Erhebungsanalyse bis dahin verborgen geblieben waren. Es war ein gegenseitiger, lehrreicher Austausch, der mit viel Engagement gepflegt wurde.

Spätestens nach den offiziellen Diskussionsthemen war jede Schüchternheit abgelegt. Man diskutierte offen über die eigene Beeinträchtigung und wie diese zuweilen im Studien- und Berufsalltag zu Behinderungen werden. Längst war man beim Buffet und bei Ideen zur weiteren Verbesserung der Hochschulsituation jenseits der baulichen Fragen angelangt – zwei dieser mitunter tollen und kreativen Ideen hat die Stabsstelle mittlerweile aufgegriffen und in konkrete Projektideen umgewandelt.

Es war ein Abend mit Begegnungen auf Augenhöhe. Das gegenseitige Verständnis im Wissen um gemeinsame Erfahrungen von Behinderungen im Alltag und von zahlreichen ideen- wie humorreichen Lösungsstrategien schuf eine Atmosphäre, welche anregende Gespräche und solidarische Begegnungen ermöglichte. Einer der Teilnehmenden zeigte sich trotz aller konstruktiven und nötigen Kritik erstaunt darüber, wieviel die ZHAW hinter den Kulissen bereits für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen unternehme und stellte fest, dass es ihn stolz mache, an dieser Hochschule zu studieren. Dieses Gefühl würde er gerne an andere Studierende weitergeben und bot seine Dienste im Sinne des P2P bei zukünftigen Projekten an. Beschwingt beschlossen wir den Abend und das Kartenzimmer entliess uns in die mittlerweile kühl gewordene Herbstnacht.

Geschrieben von: Brian McGowan, Stabsstelle Diversity ZHAW

PS: Wer am nächsten P2P-Treffen teilnehmen oder Kritik und Anregungen einbringen möchte – meldet sich bitte unter brian.mcgowan@zhaw.ch

Psychische Probleme am Arbeitsplatz – darüber reden wir (nicht)?

Das Thema Psychische Gesundheit und Arbeit ist aktuell und bewegt. Für Betroffene stellt sich die Frage, inwieweit sie ihre Probleme am Arbeitsplatz offen legen können. Führungspersonen sind oft unsicher, wie sie mit den Problemen ihrer Mitarbeitenden umgehen sollen. In der Veranstaltungsreihe „Fokus z’Mittag“ ging der Psychologe Niklas Baer auf die Ängste und Bedürfnisse der Beteiligten ein. Er zeigte sinnvolle Unterstützungsmöglichkeiten und deren Grenzen auf.

Grosser Andrang beim Fokus z’Mittag des Departements Angewandte Psychologie. Studierende und Mitarbeitende informieren sich über Lösungswege, wie man das Thema „Umgang mit psychischen Problemen am Arbeitsplatz“ in Zukunft enttabuisieren kann.

„Würde ich an meinem Arbeitsplatz offen über meine psychische Krise sprechen oder wäre die Befürchtung vor negativen Reaktionen zu gross?“, fragte ich mich im Vorfeld der Veranstaltung Fokus z’Mittags zum Thema „Psychische Probleme am Arbeitsplatz – darüber reden wir (nicht)“. Während meiner Arbeit als Pflegefachfrau auf verschiedenen psychiatrischen Stationen habe ich erlebt, dass der Einbezug von Vorgesetzten bei der Bewältigung akuter Krisen und vor allem bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz oft hilfreich und wichtig war. War das Arbeitsumfeld informiert, konnten Sorgen und Ängste im Vorfeld angesprochen und Schwierigkeiten bei der Rückkehr besser abgefangen werden. Gleichzeitig war die Sorge vor negativen Reaktionen bei den Betroffenen oft gross. Viele hatten in früheren Situationen negative Erfahrungen gemacht, wenn sie offen und ehrlich über die Schwierigkeiten berichtet hatten. Nicht selten hatten sie deswegen bereits einen Job verloren.

Psychische Störungen sind ein Tabu-Thema
Das grosse Interesse am Thema zeigte sich bereits vor der Veranstaltung am Departement Angewandte Psychologie der ZHAW. Der Raum füllte sich früh mit Studierenden und Mitarbeitenden, schnell mussten weitere Stühle her. Der Referent, Dr. phil. Niklas Baer, Leiter der Fachstelle für Psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland, beschrieb zum Einstieg anschaulich die aktuelle Situation rund um die psychische Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung in der Schweiz: Ein Viertel der Schweizer Bevölkerung erkrankt im Verlauf eines Jahres an einer psychischen Störung. Jede zweite Person leidet einmal in ihrem Leben an einer psychischen Krankheit. Ein grosser Teil der Betroffenen steht aktiv im Berufsleben. Das zeigt, welch grosse Bedeutung die psychische Gesundheit für die Arbeitswelt hat. Doch obwohl psychische Störungen zu den häufigsten Krankheiten überhaupt zählen, werden sie insbesondere im Arbeitsalltag weitgehend tabuisiert.

Dr. phil. Niklas Baer, Leiter der Fachstelle für Psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland, führte konkrete Beispiele aus der Praxis an.

Führungspersonen brauchen Unterstützung
Mit Daten aus verschiedenen Befragungen von Arbeitgebenden ging Niklas Baer auf deren Situation, sowie auf die Auswirkungen auf die betroffenen Teams ein. Anschaulich beschrieb er die Wünsche und Forderungen, aber auch die Ängste und Unsicherheiten der Führungspersonen in Bezug auf psychische Probleme ihrer Mitarbeitenden. Und damit wird auch gleich das erste Dilemma deutlich: Vorgesetzte wollen über psychische Probleme ihrer Mitarbeitenden informiert sein, gleichzeitig möchten sie niemanden mit einer bekannten psychischen Erkrankung einstellen. Da scheint es verständlich, dass Betroffene am Arbeitsplatz oft so wenig wie möglich über ihre Probleme sprechen. Waren meine Eingangsfragen also nach wenigen Minuten schon geklärt? Nein, so einfach ist es doch nicht. Der persönliche Bezug zu Menschen mit psychischen Problemen spielt eine entscheidende Rolle. Je mehr Personen mit psychischen Störungen im eigenen Umfeld bekannt sind, desto mehr sinkt die Hemmschwelle, betroffene Personen anzustellen. Gerade weil Personen mit psychischen Krankheiten weiterhin stark stigmatisiert werden, ist die persönliche Erfahrung im Umgang mit Betroffenen umso wichtiger. 9 von 10 befragten Arbeitgebenden gaben an, dass sie es bereits mit betroffenen Mitarbeitenden zu tun hatten. Das Thema einfach auszuklammern ist daher sicher keine Lösung. Der Leidensdruck ist nicht nur bei den Betroffenen gross, auch Vorgesetzte und Team-kolleginnen und -kollegen sind davon betroffen. Und da zeigt sich schon die nächste Schwierigkeit: Führungspersonen brauchen in solchen Situationen selber Unterstützung und Beratung. Gleichzeitig haben in der Schweiz nur wenige Unternehmen intern oder extern Kontakt zu psychologischen Fachpersonen. Die Interventionen der Vorgesetzten sind daher oft wenig zielgerichtet und beginnen erst, wenn die Schwierigkeiten bereits zu einer grossen Belastung geworden sind. Zwar gaben 50 Prozent der befragten Führungspersonen an, sie hätten das Problem schlussendlich lösen können, allerdings bestand die Lösung in der Hälfte, also in 25 Prozent der Fälle, in der Auflösung des Arbeitsverhältnisses.

Also was tun? Diese Frage stellte Niklas Baer am Ende seines Referats direkt dem Publikum. Sollten Betroffene offen über ihre Probleme sprechen oder ist es doch besser, wenn immer möglich, darüber zu schweigen? Die Antwort fiel auch nach dem informativen Vortrag niemandem leicht. Und auch der Referent hatte keine abschliessende Antwort bereit. Aus seinem Fazit wurde jedoch deutlich, dass im Einzelfall eine möglichst nachhaltige Lösung für alle Beteiligten anzustreben ist. Ist absehbar, dass die psychischen Probleme die Arbeit und die Arbeitsbeziehungen über längere Zeit und wiederholt beeinträchtigen können, so ist Offenheit wahrscheinlich besser. Gleichzeitig nimmt dies Unternehmen in die Pflicht, denn nur eine Unternehmenskultur, welche die nötige Offenheit und Anerkennung der Unterschiedlichkeit von Mitarbeitenden zulässt, ermöglicht es allen Beteiligten, die Schwierigkeiten offen und konstruktiv anzugehen. Dazu gehört auch, dass Unternehmen Beratungsmöglichkeiten schaffen, wo sich insbesondere Führungspersonen Unterstützung im Umgang mit schwierigen Situationen holen können.

Mit diesen Erkenntnissen verliess ich die Veranstaltung. Abschliessende Antworten auf meine Fragen habe ich nicht bekommen, dafür viele neue Anregungen um weiterzudenken und zu diskutieren. Und ich bin sicher, dass ich nicht die Einzige bin.

Geschrieben von: Maria Sorgo, 
wissenschaftliche Assistentin und Psychologiestudentin
am Departement Angewandte Psychologie der ZHAW 

Der nationale Zukunftstag als „Türöffner“ für zukünftige Berufsperspektiven

Die Berufswahl ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die Jugendliche und junge Erwachsene treffen müssen. Sie ist herausfordernd, weil das Angebot gross ist und sie auf wenige eigene Erfahrungen zurückgreifen können. Um dieses Feld anzugehen und eine offene Berufswahl zu fördern, die sich an den eigenen Talenten und Potenzialen orientiert, wurde vor sechzehn Jahren der Nationale Zukunftstag ins Leben gerufen, der sich inzwischen bundesweit zum Grossevent entwickelt hat. Das Ziel des Projekttages ist die Förderung der offenen geschlechterunabhängigen Berufs- und Lebensplanung von Schülerinnen und Schülern. Die Jugendlichen sollen „Berufsluft“ schnuppern und zu sehen bekommen, was es alles für Ausbildungswege gibt. Sie sollen erfahren, dass ihnen zahlreiche Möglichkeiten offenstehen. Dieses Ziel unterstützten in diesem Jahr mehr als 2300 Unternehmen, die sich beim Grundprogramm registrierten. Sie ermöglichten, dass am 10. November 2016 Tausende von Kindern den Arbeitsplatz ihrer Mutter oder ihres Vaters kennenlernen konnten.

Insgesamt nahmen 217 Jugendliche an allen drei Standorten der ZHAW teil

Insgesamt nahmen 217 Jugendliche an allen drei Standorten der ZHAW teil

Das vielfältige Studien- und Berufsbildungsangebot der ZHAW
Auch die ZHAW unterstützt dieses Anliegen bereits seit Jahren mit einem eigenen Angebot, um den Berufswahlhorizont der Jugendlichen zu erweitern und sie für eine offene Berufswahl zu sensibilisieren und zu begeistern. Aufgrund des eigenen breit aufgestellten Berufsbildungsangebotes ist die ZHAW eine ideale Gastgeberin, da sie durch zahlreiche Workshops die Vielfalt der Berufswelten von der Arbeit als Ingenieurin bis zum Ergotherapeuten an eigenen Beispielen aufzeigen kann. In diesem Jahr nahmen 155 Kinder im Alter zwischen 11 und 13 Jahren (5. bis 7. Klasse) in Winterthur teil. Der Projektleiter der Stabsstelle Diversity, Matthias Fehlmann, hatte in Zusammenarbeit mit den einzelnen Departementen ein umfangreiches und altersgerechtes Angebot zusammengestellt. Nach einer Einführung konnten die Jugendlichen an zwei verschiedenen Workshops teilnehmen. Durch die Aufteilung in zwei thematische Blöcke mit jeweils natur-wissenschaftlich/technischem und sprachlich/gesundheitlichem Schwerpunkt wurde dafür gesorgt, dass jedes Kind einen Einblick in Themen bekam, die es selbst bei einer freien Auswahl vielleicht nicht berücksichtigt hätte.

Lernvideos produzieren - das fanden diese Mädchen sehr spannend

Lernvideos produzieren – das fanden diese Mädchen sehr spannend

Um die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ihr Spezialgebiet zu begeistern und sie in neue „Berufswelten mitzunehmen“, boten die Dozentinnen und Dozenten in achtzehn verschiedenen Workshops anwendungsorientierte Aufgabestellungen an, die von den Mädchen und Jungen mit viel Interesse aufgenommen und umgesetzt wurden. Die Kinder konnten sich unter anderem als Pilotin oder Pilot in einer Simulation erproben (Zentrum für Aviatik), selber ein Märchen in einer professionell ausgestatteten Kabine dolmetschen (Institut für Übersetzen und Dolmetschen), einen Transistor zusammenbauen, um Musik verstärken zu können (Institut für Angewandte Mathematik und Physik) oder ausprobieren, wie man mit einem Rollstuhl durch den Alltag kommt (Institut für Ergotherapie und Institut für Physiotherapie). Genauso aktiv beteiligt waren die ZHAW Standorte Zürich (22 Kinder) und Wädenswil (40 Kinder), die ebenfalls einen eigenen Zukunftstag mit verschiedenen Workshops durchführten. Ein gemeinsames Mittagessen mit den Eltern und der anschliessende Besuch beim Arbeitsplatz der Mutter oder des Vaters rundeten den Projekttag ab.

Mal etwas anderes ausprobieren: drei Jungen erlernen, wie man eine Spritze verabreicht

Mal etwas anderes ausprobieren: drei Jungen erlernen, wie man eine Spritze verabreicht

Spezialprogramme der ZHAW
Um zukünftige Ingenieurinnen zu gewinnen, engagierte sich die School of Engineering zusätzlich auch für externe Kinder und bot ein Spezialprogramm für Mädchen an, die sich über die Geschäftsstelle des Nationalen Zukunftstages angemeldet hatten. Unter der Leitung der Dozentin Dr. Marina de Queiroz Tavares konnten zwanzig Mädchen an vier verschiedenen Schwerpunkten teilnehmen und Wissen zu den Themen Aviatik und Energie, Elektronik, Mechanik und Informatik sammeln. Am Nachmittag besuchte die Gruppe dann gemeinsam die Mechatronik Schule Winterthur. Auch das Departement Gesundheit war aktiv, um der Unterrepräsentation der männlichen Studierenden in ihrem Bereich entgegenzuwirken. Stefan Engler und Markus Dali boten ein Spezialprogramm für Buben an, die sich für gesundheitsbezogene Themen interessieren. Fünfzehn Jugendliche nahmen an einem Workshop im Departement Gesundheit teil und besuchten am Nachmittag die Rettungsdienste des Kantonspitals Winterthur. Somit trug die ZHAW auch zum Spezialprogramm bei, das die Geschäftsstelle des Nationalen Zukunftstages koordinierte und an dem in diesem Jahr neben dem Grundprogramm zusätzlich 3100 Mädchen und 1700 Buben teilgenommen haben.

Zusatzangebot für Eltern der ZHAW
In diesem Jahr wurde zum ersten Mal auch den Eltern eine Weiterbildungs-möglichkeit im Rahmen des Nationalen Zukunftstages angeboten. Die Studienlauf- und Berufsberaterin, Dr. Nicola Kunz, die am Departement für Angewandte Psychologie tätig ist, erklärte, wie der Berufsfindungsprozess der Jugendlichen abläuft und wie die Eltern ihre Kinder bei dieser wichtigen Weichenstellung helfen können. Im Mittelpunkt stand vor allem die Frage, wie man Kinder bei der Entwicklung einer eigenen beruflichen Identität unterstützen kann. Dies ist leichter gesagt als getan und erstreckt sich über viele Jahre, da die Jugendlichen sich diesem Ziel nur über eigene Erfahrungen und Ausschlussverfahren annähern können. Im Mittelpunkt stehen hier wichtige Fragen wie „Wer bin ich? Was macht mich aus? Was kann ich gut und was mache ich gerne? Wichtige Einflussfaktoren sind die Eltern sowie Freundinnen und Freunde. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. „Denn Erfahrung ist etwas, was man nicht geschenkt bekommen möchte“, sagt Nicola Kunz.

Der unbewusste Orientierungsprozess beginnt bereits im Alter von sechs bis acht Jahren. In dieser Zeit werden die geschlechtsspezifischen Zuordnungen der einzelnen Berufsgruppen wahrgenommen. Bereits zu diesem Zeitpunkt findet das Ausschlussverfahren statt und geschlechtsuntypische Berufe werden ausgeklammert. In der Altersgruppe der neun- bis dreizehnjährigen beginnt die Wahrnehmung der Prestigeträchtigkeit der einzelnen Berufe und erst ab 14 Jahren fangen die Jugendlichen an, die eigenen Fähigkeiten und Interessen in den Berufsfindungsprozess miteinzubeziehen. Es läuft also vieles bereits ab bevor die Kinder ernsthaft über ihre eigenen Möglichkeiten nachdenken. Das zeigt, dass der Nationale Zukunftstag ein gutes Instrument ist, um als Schaukasten einmal die ganze Bandbreite der Berufsbilder und der dazugehörigen Entfaltungsmöglichkeiten zu zeigen.

 Geschrieben von: Leonie Renouil, Stabsstelle Diversity ZHAW 

Beratungsdienste klären auf und warnen vor medizinisch unbegründeter Einnahme leistungssteigernder Mittel

Grosses Interesse am IAP beim Vortrag Ritalin - das "legale" Kokain?

Grosses Interesse am IAP beim Vortrag Ritalin – das „legale“ Kokain?

Die Studierenden der ZHAW zeichnen sich durch ihre Vielfalt und Unterschiedlichkeit aus, allen gleich ist, dass sie grosse Leistungen erbringen müssen, um erfolgreich ihr Studium zu absolvieren. Nicht jeder oder jedem fällt es allerdings leicht, sich mit dem gleichsam einhergehenden Leistungsdruck gut zu arrangieren. Einige fühlen sich überfordert, manche resignieren oder greifen zu stimulierenden Substanzen, in der Hoffnung, damit ihre Leistungen verbessern zu können.

Bei den Beratungspersonen, welche bei Problemen im Studium Hilfe und Unterstützung anbieten, wird eine Zunahme des Missbrauchs leistungssteigernder Mittel unter Studierenden beobachtet. Aus diesem Grund wurde im November ein Vortrag unter dem Titel „RITALIN –das „legale“ Kokain?“ angeboten. Mit etwas mehr als 150 Zuhörerinnen und Zuhörern löste das Thema grosses Interesse aus. Dr. Alessandro Huber, Psychiater und Psychotherapeut am IAP, referierte über die Geschichte von Ritalin, welches 1944 zum ersten Mal synthetisiert und ab den 1970er Jahren nur für Kinder mit einer ADHS-Störung zugelassen wurde. Diese Verordnung fiel in die sogenannten ‚Anti-Ritalin-Jahre‘, einem gesellschaftlichem Umfeld, welches eher durch Leistungsverweigerung charakterisiert werden kann. Bei den Eltern betroffener Kinder löste die medikamentöse Indikation vielfach starken Widerstand aus.

Um die Jahrtausendwende änderte sich das gesellschaftliche Umfeld hin zu einer ausgeprägten Leistungsorientierung. Karriere statt Aussteigertum waren die neuen Werte, mit welchen diese Phase beschrieben werden kann. Ritalin wurde in dieser Zeit nicht nur als therapeutische Massnahme für Kinder, sondern auch in der Behandlung von Erwachsenen salonfähig. Die an Schweizer Ärzte und Apotheker gelieferte Menge Methylphenidat stieg von 2000 bis 2014 um 810 Prozent an!

Vorsicht vor Nebenwirkungen
Auch wenn Konsumierende die positive Wirkung in Form von gesteigerter Aufmerksamkeit, besserer Konzentration und Ausdauer beschwören, so zeigen sich im Konsum auch starke körperliche und psychische Nebenwirkungen, Suchtentwicklung und Abhängigkeit. Auf die Frage, ob Ritalin als leistungssteigerndes Mittel wirklich das bringe, was sich Studierende davon versprechen, resümiert Alessandro Huber mit den Ergebnissen einer Studie die aufzeigt, dass es keine Evidenz für gesteigerte Lern- oder Gedächtnisleistung durch Substanzen wie Ritalin gebe. Die Nutzung steigere schlicht die generelle Wachheit und Aufmerksamkeit und verkürze die Schlafdauer. Somit liegen die Erwartungen an die Wirksamkeit an das Medikament höher als der tatsächliche Nutzen. Oder um es kurz zu sagen: Ritalin ist für das Studium entsprechend nicht mehr wert als Kaffee…

Gabi Rechsteiner weist alternative Lösungswege auf

Gabi Rechsteiner weist alternative Lösungswege auf

Leistungssteigerung durch Stressabbau
Die Psychologin Gabi Rechsteiner, welche unter anderem in der psychologischen Beratung für Studierende an der ZHAW tätig ist, ging im zweiten Teil des Vortrags auf das Zusammenwirken von Leistungsfähigkeit und Druck respektive Stresserleben ein. Sie zeigte modellhaft auf, wie Stresserleben instrumentell (durch das Reduzieren von Stressoren), mental (durch die eigene Einstellung und eigene Denkmuster) und regenerativ (durch Regulierung von Stressreaktionen) bewältigt werden kann. So können unterschiedliche Bereiche mit dafür verantwortlich sein, bessere Leistungen im Studium zu erzielen: auf motivationaler Ebene zum Beispiel das Setzen realistischer Ziele oder auch sich Lernerfolge regelmässig bewusst zu machen und sich dafür zu belohnen. Hilfreich kann eine Verbesserung der eigenen Arbeitsorganisation sein oder gar das Erlernen neuer Arbeitstechniken, und auch die klarere Trennung von Arbeit und Erholung führen in der Regel zu besseren Leistungen. Zu letztgenannter wurden scheinbar recht simple und doch nachgewiesenermassen wirksame Beispiele wie bewusste Entspannung durch Sport, körperliche Betätigung und dem Pflegen sozialer Kontakte genannt.

Gabi Rechsteiner wies ergänzend auch auf die Angebote der psychologischen Beratungsstelle der ZHAW hin, welche fachliche Unterstützung beim Erlernen von Arbeits- und Lerntechniken bietet, die bei Überforderung unterstützt und Hilfestellung dabei leistet, wie Prüfungsangst überwunden werden kann.

Aufgrund der hohen Nachfrage wird der Vortrag im kommenden Jahr wiederholt.
Auch wird es an diesem neuen Datum ausreichend Gelegenheit für einen Austausch mit und Rückfragen an die Fachpersonen geben.

 Geschrieben von: Dr. Annette Kahlen, 
Stabsstelle Diversity und Koordinatorin 
der Beratungsdienstleistungen der ZHAW

Warum sich Mentoring-Programme lohnen und wann man sich dafür interessieren sollte

Mentoring-Programme sind sehr interessante Entwicklungsangebote, da sie durch das Mentorat auf die Bedürfnisse der einzelnen Mentees eingehen können. Bei der Arbeit mit der persönlich zugewiesenen Mentorin bzw. dem Mentor kann man an den eigenen Fragestellungen arbeiten und Zukunftsperspektiven entwickeln, die man vielleicht alleine so nicht gesehen hätte.

Es stellt sich die Frage, wann ein Mentoring-Programm geeignet ist. Letztendlich ist ein Mentoring-Programm dazu da, um einen grösseren Veränderungsprozess zu begleiten. Der Wunsch nach neuen Erfahrungen und Herausforderungen oder nach einem neuen Umfeld, ein diffuses Gefühl der Unzufriedenheit bei der Ausübung der aktuellen beruflichen Aufgabe oder Unsicherheit bei der Karriereplanung sind oft Auslöser für die Teilnahme an einem Mentoring-Programm. Das sind gute Beweggründe, da sie auf einen Wunsch nach Veränderung zurückzuführen sind. Wichtig ist, dass der Wunsch stark genug ist, um den Prozess bis zum Schluss zu durchlaufen und auszuhalten. Das Mentoring bietet eine Plattform, um sich mit den eigenen beruflichen Wünschen und Entwicklungsmöglichkeiten auseinander zu setzen. Neben dem Mentorat bieten die zahlreichen angebotenen Workshops (z.B. Auftrittskompetenz, Konfliktmanagement u.a.m.) viele Gelegenheiten, um die Selbstkompetenzen zu verbessern. Wer sich selber besser kennt, mit Konflikten gut umgehen kann, selbstreflektierter ist, kann anspruchsvolle Aufgaben besser meistern.

Veränderung gehört zum Leben und ist auch nötig im beruflichen Alltag. Es gibt einen Richtwert, der besagt, dass es einem nicht guttut, wenn man länger als sieben Jahre die gleiche Tätigkeit ausübt. Wenn sich diese Tätigkeit nicht wandeln und ausbauen lässt, sollte man an einen Wechsel denken. Häufig können die zukünftigen Mentees noch gar nicht sagen, was sie eigentlich genau verändern möchten oder wo die Reise hingehen soll. Diese Unklarheit ist am Anfang nicht immer leicht zu ertragen, da man offen sein und vieles hinterfragen muss, um sich beruflich verändern oder verbessern zu können. Im Gespräch mit der Mentorin und dem Mentor entwickelt sich ein neues Bild von der eigenen Situation und es eröffnen sich oft neue Horizonte, die man je nach Interesse und Möglichkeit anstreben kann. Letztendlich wird einem der Spiegel hingehalten. Vielleicht ist das was man sieht nicht immer schön, aber umso hilfreicher kann dann die Auseinandersetzung damit sein.

Mit der Anmeldung ist dann der erste Schritt getan und man begibt sich auf den Weg. Das Schöne am Mentoring-Programm ist, dass man diesen Weg nicht alleine gehen muss. Man wird zum einen begleitet von der Mentorin bzw. dem Mentor und zum anderen tauscht man sich mit den anderen Mentees aus, die man bei den Workshops und Netzwerktreffen trifft. Im Gespräch mit ihnen kann man hochschulübergreifend sowie interdisziplinär viel lernen und eben auch beobachten, was andere für Wege gehen. Das gibt Mut und Inspiration.

Das einjährige Mentoring-Programm ZFH ist seit 2008 achtmal durchgeführt worden. Es haben insgesamt 251 Mentees daran teilgenommen. Das Programm ist ein Kooperationsprojekt der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH), der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Im Hochschulmagazin ZHAW-Impact ist ein dreiseitiger Bericht erschienen, der drei Tandems des siebten Durchgangs 2014-2015 vorstellt. Das Mentoring ZFH wird ein Jahr ausgesetzt, um eine Evaluation zu erstellen. Das neue Programm beginnt wieder im Oktober 2017.

 Geschrieben von: Leonie Renouil, Stabsstelle Diversity ZHAW und Projektleiterin Mentoring ZFH 

P.S.: Ein herzlicher Dank für die geleistete Arbeit und die Betreuung der ersten sechs Jahrgänge geht an meine Vorgängerin Sheila Karvounakis.

Science Week: Naturwissenschaften mit garantiertem Spassfaktor

Vier Jugendliche schauen sich ein Modell an, dass die Funktionsweise von Wind-, Wasser- und Stromproduktion abbildet. Sie erfahren, wie sich das Wetter auf Stromproduktion auswirkt.

Am Modell wird erprobt, wie sich unterschiedliches Wetter auf die Wind-, Wasser- und Solarstromproduktion auswirkt.

Um Jugendliche für MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu begeistern und auf Ingenieurberufe aufmerksam zu machen, bietet das Departement Life Sciences und Facility Management die Science Week an. Das Angebot richtet sich an Jungen und Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren. Die Veranstaltung findet vom 8. bis 12. August in Wädenswil statt. Die Jugendlichen können zwischen sechs ganztägigen Kursen aus den Bereichen Chemie, Biotechnologie, Umwelt und Informatik auswählen.

Die Vielfalt der Themen in den angebotenen Workshops ist gross. Sie reichen von der Erzeugung erneuerbarer Energien bis zur Programmierung eines menschlichen Roboters. Alles ist altersgerecht aufbereitet, so dass die Jugendlichen einen schnellen Zugang bekommen und etwas selber ausprobieren können. Wer sich zum Beispiel für Biologie interessiert, kann einen Bioreaktor bauen und Hefezellen kultivieren. Wer an Lebensmitteln und deren Zusammensetzung interessiert ist, kann Kartoffelchips auf Fettgehalt und Proteine hin untersuchen. Das genaue Programm ist auf der Website eingestellt.

Zwei Mädchen untersuchen in einem Versuch die DNA von Pflanzenzellen.

Hier wird die DNA von Pflanzenzellen untersucht.

Damit auch die Eltern die ZHAW und die spannende Welt der Hochschulforschung besser kennenlernen können, gibt es am 10. August einen Parent’s Day. An diesem Tag werden die Mütter und Väter in einer Vorlesung viel Neues über das Thema „essbare Insekten“ erfahren. Im Anschluss können sie an einem der Workshops ihrer Kinder teilnehmen. Die Science Week wird zum dritten Mal durchgeführt. Im vergangenen Jahr haben 150 Schülerinnen und Schüler daran teilgenommen. Davon waren 55 Prozent männlich und 45 Prozent weiblich. Die Science Week erfreut sich grosser Nachfrage und wird entsprechend positiv von den Medien begleitet.

Der Anmeldeschluss ist der 22. Juli 2016. Zur Anmeldung geht es hier.

Die Veranstaltung steht unter dem Patronat der Schweizerischen UNESCO-Kommission. Die Projektleiterin ist Frau Azita Ambühl-Khatibi.

 Geschrieben von: Leonie Renouil, Stabsstelle Diversity ZHAW 

Flexible Arbeitsmodelle als Ausweg aus der Teilzeitfalle?

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Die Arbeitsorganisation an den Hochschulen, in der Wirtschaft und in der Verwaltung verändert sich kontinuierlich und bietet immer mehr Mitarbeitenden mehr Flexibilität. Die Studie SwissFlexWork 2014 der FHNW belegt, dass heutzutage bereits ein knappes Viertel der Beschäftigten in der Schweiz mobil arbeitet. Dies zeigt, welche Nachfrage besteht und es ist davon auszugehen, dass sich diese zukünftig weiterhin verstärken wird. Viele Organisationen haben bereits reagiert und bieten von Teilzeitmodellen, über Home Office, Job-Sharing, mobiles Arbeiten und neuen Arbeitsplatzkonzepten (ohne feste Zuordnung) bis zu Teilpensionierungsmodellen unterschiedlichste Möglichkeiten, um die Vereinbarkeit zwischen Beruf- und Privatleben zu verbessern.

Für die Mitarbeitenden sind flexible Arbeitsmodelle sehr attraktiv, jedoch gilt es zu beachten, dass sie bei einer Reduktion des Beschäftigungsgrades oft schlechtere Aufstiegsmöglichkeiten in Kauf nehmen müssen. Um diese Zusammenhänge zu untersuchen, lud die ZHAW als Gastgeberin den Verein Gleichstellungs-Controlling in den Technopark nach Winterthur ein. Der Verein engagiert sich unter der Leitung von Gudrun Sander seit mehr als zehn Jahren für ein Umdenken bei den Arbeitgebenden in Bezug auf das Diversity-Management und setzt sich für ausgewogene Geschlechterverhältnisse auf allen Führungsebenen ein. Die langjährige Sensibilisierungsarbeit trägt ihre Früchte und so trafen sich am 31. Mai 2016 Vertreterinnen und Vertreter unter anderem von AXA Winterthur, HEKS, Julius Bär, die Mobiliar, SBB, SRF sowie der Bundesverwaltung, einzelner Kantonsverwaltungen und Hochschulen, um sich über mögliche Auswege aus der Teilzeitfalle auszutauschen.

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Eine Antwort auf die Frage ob flexible Arbeitsmodelle aus der Teilzeitfalle führen, liefert die Studie CCDI-FIM der HSG (siehe Advance Future of Work Studie), die von Advance Women in Auftrag gegeben wurde. So konnte festgestellt werden, dass flexible Arbeitsmodelle keinen negativen Einfluss auf den Karriereaufstieg haben. Die Studie hat unter anderem auch ergeben, dass ein durchschnittlicher Mutterschaftsurlaub von 5.3 Monaten heute keine Karrierebremse mehr ist. Dafür haben aber das Alter, die Ausbildung, die Ergebnisverantwortung, die Sichtbarkeit durch wichtige Projekte und der Beschäftigungsgrad einen signifikanten Einfluss auf die Karriereaufstiegschancen. Deshalb ist es umso erschreckender festzustellen, dass nach Angaben der Studie bereits ein leicht reduziertes Arbeitspensum von 90% signifikant negative Effekte auf zukünftige Karrierechancen hat. Wer aufsteigen will, muss heutzutage weiterhin ein Arbeitspensum von 100% absolvieren. Dies macht klar, dass nur ein Kulturwandel ein Umdenken herbeiführen kann, um von der Präsenzorientierung zur Ergebniskultur zu kommen.

Arbeit ist eine Aktivität und kein Ort

Grundlegend werden folgende vier Faktoren als Hemmnis für die Einführung von flexiblen Arbeitsmodellen wahrgenommen: Angst vor Veränderungen, unbewusste Biases, mangelnde Kenntnisse und zu erwartende Anpassungsschwierigkeiten. Die Vorteile von flexiblen Arbeitsmodellen überwiegen jedoch in vielen Fällen, da das Vertrauensverhältnis der Mitarbeitenden steigt, sich die Arbeitszufriedenheit verbessert, weniger Krankentage anfallen und das Personal belastbarer wird. Das neue Arbeitsmodell im digitalen Zeitalter stellt in den Mittelpunkt, dass Arbeit eine Aktivität ist und kein Ort und dass der Fokus auf den Ergebnissen und weniger auf den geleisteten Arbeitsstunden liegen sollte (Quelle: Alison Maitland 2016). Es entsteht so etwas wie „Bindung durch Freiheit“. Die Mitarbeitenden werden immer selbständiger und die Verantwortung für die Arbeitsausübung wandert von der Organisation zu den Mitarbeitenden.

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Viele Organisationen interessieren sich für neue Arbeitsmodelle und deren Vorteile. Arbeitsplätze mit entsprechender Infrastruktur sind teuer, da kommt es gar nicht so ungelegen, wenn viele Mitarbeitende auch mal ein bis zwei Tage von zuhause arbeiten wollen und Arbeitsplätze geteilt werden können.

Die Mobiliar geht mit gutem Beispiel voran und hat mit einer Stichprobe von 150 Mitarbeitenden ausprobiert, wie es sich anfühlt, wenn man morgens ins Büro kommt und sich einen freien Arbeitsplatz aussuchen kann. Alle Dokumente sind digitalisiert, alle Mitarbeitenden verfügen nur noch über einen kleinen Wandschrank in Form eines Lockers für persönliche Dinge und schon starten sie ins neue Zeitalter des papierlosen und ortsungebundenen Büros…

 Geschrieben von: Leonie Renouil, Stabsstelle Diversity ZHAW 

Die Bilder wurden freundlicherweise von der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG zur Verfügung gestellt (Fotograf: Nik Hunger, Zürich).