Von Mexiko war die Absolventin Christine Recher schon früh fasziniert. Dass die Stadt trotz Luftverschmutzung einmal zu ihrer neuen Heimat wird und sie dort ihre Traumstelle findet, hätte sie aber nicht gedacht.

Knapp sechs Jahre nach Abschluss meines Studiums sieht mein Berufsleben heute so aus, wie ich es mir während des Studiums immer vorgestellt hatte: Ich arbeite als Deutschlehrerin am Goethe-Institut in Mexico City, gebe nebenbei Privatunterricht und mache gelegentlich Übersetzungen.

Meine Leidenschaft fürs Unterrichten und für Mexiko hatte ich schon vor Studienbeginn. Ich lernte hier Spanisch, absolvierte während des Studiums ein Praktikum an einer Sprachschule in Mexico City und im letzten Studienjahr begann ich, bei Allegra! das Sprachenzentrum Deutsch als Zweitsprache zu unterrichten. Danach arbeitete ich als Assistentin der Studiengangleitung für den Bachelor Angewandte Sprachen und absolvierte berufsbegleitend die Fortbildung für Sprachkursleitende für Erwachsene (SVEB). Und dann hat es mich wieder nach Mexiko verschlagen, wo ich zwei Wochen nach meiner Ankunft beim Goethe-Institut vorbeischaute und mich nach freien Stellen erkundigte. Eine Woche später hatte ich das Vorstellungsgespräch, ein paar Tage darauf die Zusage und drei Monate später das Arbeitsvisum – und konnte somit die Stelle antreten.

Ich unterrichte seit einem halben Jahr zwischen 15 und 25 Lektionen pro Woche. Mit zwei anderen Kolleginnen entwickle ich ein Unterrichtskonzept für Kinderkurse – in Planung sind auch Kurse für Jugendliche. Momentan habe ich einen Kinderkurs und mehrere Erwachsenenkurse. Da die Nachfrage hier sehr gross ist, führen wir grosse Klassen mit bis zu 19 SchülerInnen, davon mehrheitlich Studierende, die in Deutschland studieren oder ein Praktikum machen wollen, Angestellte von deutschen Firmen (diese sind in Mexiko zahlreich vertreten) und solche, die in Deutschland arbeiten möchten oder sich einfach für die deutsche Sprache interessieren. Das Schöne ist, dass sie alle sehr motiviert, offen und humorvoll sind, was ein positives Unterrichtsklima schafft. Wir arbeiten alle mit demselben Lehrmittel, haben klare Richtlinien bezüglich Lernzielen und führen ein virtuelles Klassenzimmer auf Moodle. Die meisten Lehrpersonen sind Deutsche, ein paar Mexikaner und momentan sind wir eine Österreicherin und eine Schweizerin.

Das Arbeitsumfeld ist super, wir haben eine gute Arbeitsatmosphäre und es gibt auch viele Anlässe ausserhalb der Arbeit für die Angestellten. Von Seiten des Instituts werden wir ständig gefördert: Es gibt regelmässig interne Fortbildungen, Präsentationen von neuen Lehrwerken und wir werden auch für externe Fortbildungen unterstützt. Kürzlich war ich in New York an einer Schulung für Unterrichtsplanung und nächstens gehe ich an eine Fortbildung in Chicago. Danach werde ich für die Einarbeitung und Betreuung von neuen Lehrpersonen zuständig sein. Unser Institut gehört zur Region Nordamerika, weshalb wir eng mit den Instituten von Kanada und den USA zusammenarbeiten.

Das Leben in der Stadt ist sehr vielseitig, es gibt täglich Neues zu entdecken und man kann an den freien Tagen schöne Ausflüge in die Natur oder in der Stadt machen. Nur an den Verkehr und die Luftverschmutzung muss man sich erst mal gewöhnen, so auch an die grossen Distanzen innerhalb der Stadt. Ich bin, wenn’s geht, mit dem Fahrrad unterwegs, was oft ein kleines Abenteuer ist. Aber auch auf diese Weise bringe ich ein Stück Schweizer Mentalität unter die Mexikaner. Ich liebe meinen Job hier, auch wenn es manchmal sehr intensiv, anstrengend und ein bisschen chaotisch ist. Es ist sehr motivierend, unter so guten Arbeitsbedingungen meinen Traumjob auszuüben und gleichzeitig gefördert zu werden. Und ich habe gelernt – man soll nicht die Erwartung haben, direkt nach dem Studium seinen Traumjob zu finden und es lohnt sich, zuerst in verschiedenen Bereichen Erfahrung zu sammeln.

Wir bedanken uns bei Christine Recher für ihren Beitrag und wünschen ihr weiterhin viel Freude am Unterrichten und spannende Erlebnisse in Mexiko.