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Nach Abschluss ihres Studiums 2009 hatte Patricia keine klare Vorstellung, wohin es für sie beruflich gehen sollte. „Irgendetwas mit Kommunikation in einer Branche, die mich interessiert und mit der ich mich identifizieren kann, sollte es sein“, beschreibt Patricia die Ausgangslage ihrer Stellensuche.

Die frischgebackene Absolventin bewarb sich für diverse Stellen in den Bereichen Marketing und Kommunikation. Zunächst blieb der Erfolg aber aus und Spuren der Ernüchterung machten sich breit. „Ich erhielt immer die gleiche Begründung: Es fehlte die Berufserfahrung.“ Seit ihrem 17. Lebensjahr hat Patricia zwar permanent irgendetwas gearbeitet, „die Betonung liegt dabei aber auf ‚irgendetwas‘“ fügt sie augenzwinkernd an. Von der Supermarktkasse bis zur Bartheke war vieles dabei – davon aber nichts Relevantes für ihre Wunschkarriere. Nachdem sie sich schon etwas von ihrer Idee verabschiedet hatte, fand Patricia eher zufällig eine auf vier Monate befristete Stelle als Englisch-Übersetzerin bei einem international tätigen Unternehmen zur Vermittlung von Ferienhäusern und -wohnungen. Obwohl im Stellenbeschrieb Englisch eigentlich als Muttersprache verlangt wurde, hatte sie bei einer Testübersetzung die Gelegenheit, Ihre Kompetenzen unter Beweis zu stellen und bekam die Stelle prompt. Diese Erfahrung brachte eine weitere Erkenntnis: „Die Tätigkeit war für meinen Geschmack nicht abwechslungsreich und interaktiv genug, was mich weiterhin in meinem Vorhaben bestätigte, in der Kommunikationsbranche Fuss zu fassen“, fasst Patricia zusammen.

Durch einen Kontakt erfuhr sie, dass bei der Swiss International Air Lines regelmässig Praktika für Bachelor-AbsolventInnen angeboten werden. Sie bewarb sich initiativ und erhielt eine Zusage. Das halbe Jahr auf der PR-Abteilung gab ihr wertvolle Einblicke in die Kommunikationsabläufe und -wege. Patricia koordinierte Medienanfragen, verfasste Texte und erledigte administrative Aufgaben. Da die Praktikumsnachfolge abgesprungen war, konnte sie das Praktikum verlängern und danach aufgrund einer temporären Unterbesetzung sogar noch für ein halbes Jahr als Junior Media Officer arbeiten. Es gab zwar von Anfang an keine Aussicht auf eine Festanstellung, aber das Praktikum habe ihr für das weitere Bewerbungsverfahren sehr geholfen, berichtet Patricia. Nach insgesamt 14 Monaten bei der SWISS entdeckte sie dann ihre heutige Stelle bzw. ihren heutigen Arbeitgeber. „Es passte wie die Faust aufs Auge. Es war eine Junior-Position, das heisst Erfahrung war zwar gefragt, gleichzeitig wurde aber die „Aufbaufähigkeit“ der Stelle betont. Ausserdem ist Primus Communications in der Tourismusbranche tätig, was ideal zu meiner bisherigen Laufbahn passte.“ Zwar sei ein Job auf Agenturseite in der Kommunikation nie geplant gewesen, aber Patricia betont die Vorzüge: Ein kleines Team von 8 Leuten, eher flache Hierarchiestufen, kurze Kommunikationswege, viel Abwechslung. Ausserdem habe man „den unvoreingenommenen Blick von aussen“, den man als Firmeninterne nicht habe. Patricias Mandate sind vielseitig. Je nach Kunde organisiert sie Pressereisen, schreibt Texte oder ist für die Mediaplanung zuständig. Ungefähr ein Drittel sei Textarbeit, die restlichen zwei Drittel Koordination, Organisation und Beratung. „Eines der Highlights war eine Medienreise nach Marrakesch, bei der ich eine Gruppe von 5 JournalistInnen begleiten durfte. So etwas macht dann die weniger attraktiven Seiten, die der Job mit sich bringt, sogleich wieder wett.“ Dazu Patricia: „In einer kleinen Firma muss man sich halt auch mit den administrativen Dingen auseinandersetzen: Protokolle, Rechnungen schreiben usw.“ Eine weitere Herausforderung stelle die Unplanbarkeit dar: „Du schreibst dir am Morgen eine To-do-Liste und musst sie nach einer Stunde gleich wieder über Bord werfen. Das fordert ein hohes Mass an Flexibilität, die Fähigkeit sich zu organisieren und den Überblick zu behalten. Eine gewisse Stressresistenz muss man da definitiv mitbringen.“

Manchmal sei es auch mit den Kunden nicht ganz einfach: „Manche sehen in der PR ein Tool, das einen schnellen Kaufreiz auslösen soll. Eigentlich geht es aber darum, längerfristig ein positives Image zu einem Produkt oder einer Firma zu kreieren und damit Glaubwürdigkeit zu schaffen. Für mich bedeutet das umso mehr, dass ich nur für eine Firma arbeiten möchte, die ich auch moralisch vertreten kann.“ Die Ernsthaftigkeit löst Patricia sogleich wieder auf: „Ich wollte eben nicht nur Schönwetter-PR für den PR-Beruf machen“, lacht die Wortgewandte.

Dieser Beitrag entstand im Kontext der Workshopreihe „Wege ins Berufsleben“, die sich an die Studierenden im zweiten und dritten Studienjahr richtet und zum Ziel hat, Unterstützung beim Übergang in die Arbeitswelt zu bieten. Patricia ist eine von vier AbsolventInnen, die im März 2015 in diesem Rahmen von ihren Erfahrungen aus dem Berufsalltag berichtet haben. Mittlerweile arbeitet Patricia nicht mehr bei Primus Communications und widmet sich momentan ihrer Leidenschaft, dem Reisen. Herzlichen Dank, Patricia, für den spannenden Bericht!