Im folgenden Beitrag berichtet Nina Johannes über ihr Praktikum am Goethe-Institut in Marokko. Seit dem Herbstsemester 2015 haben die Studierenden der Vertiefungen Mehrsprachige und Multimodale Kommunikation im Bachelor Angewandte Sprachen die Möglichkeit, ihr fünftes Studiensemester als Praktikumssemester zu absolvieren. 

Als wir uns zwischen Auslandssemester, Unterricht an der ZHAW oder Praktikum entscheiden mussten, war für mich ziemlich schnell klar, dass ich ein Praktikum im Ausland absolvieren wollte. Ich wollte Arbeits – sowie Auslandserfahrung sammeln. Als dann im Mai 2016 die Zusage für ein Praktikum in der Sprachabteilung des Goethe-Instituts Marokko am Standort Rabat kam, freute ich mich riesig.

Das Goethe-Institut in Marokko ist an zwei Standorten, Rabat und Casablanca, vertreten. Aufgabe der weltweiten Goethe-Institute ist es, international anerkannte Standards im Deutsch als Fremdsprachunterricht zu setzen, die international kulturelle Zusammenarbeit zu fördern und ein aktuelles Deutschlandbild zu vermitteln. Am Goethe-Institut Rabat gibt es neben den von der Sprachabteilung organisierten Deutschkursen immer wieder von der Programmabteilung organisierte kulturelle Anlässe wie Film-, Tanz- oder Konzertveranstaltungen von marokkanischen und deutschen Kulturschaffenden und eine Bibliothek, die den Kursteilnehmenden als Raum zum Lernen dient und den Zugang zu deutscher Literatur schafft.

Um einen Eindruck von Land und Leuten zu gewinnen, brach ich schon drei Wochen vor Praktikumsbeginn nach Marokko auf. Eine super Entscheidung, wie sich später rausstellte, denn so musste ich bei Arbeitsbeginn nicht mehr ganz so viele kulturelle Eindrücke verarbeiten. Die Reise durchs Land war für alle Sinne intensiv. Bei Spaziergängen durch die verwinkelten Gassen der Medinas (marokkanische Altstädte) steigen einem an der einen Ecke Gerüche von gegrillten Zwiebeln und Fleisch in die Nase und zwei Schritte weiter die Süsse von marokkanischem Honiggebäck. Man muss aufpassen, nicht von Eselkarren oder hupenden Mopeds angefahren zu werden und vom Darija (marokkanisches Arabisch), das in einer enormen Lautstärke um einen herumgesprochen wird, habe ich kein Wort verstanden. 

Zu meinen Aufgaben als Praktikantin der Sprachabteilung gehörten neben vielen alltäglichen administrativen Aufgaben wie beispielsweise dem Erstellen von Statistiken, der Auswertung von Umfragen oder der Prüfungsvorbereitungen auch organisatorische Aufgaben. So durfte ich in einem kleinen Organisationsteam den „Marokkanischen Deutschlehrertag 2016“ mitorganisieren und merkte, wie unterschiedlich die Veranstaltungsorganisation in Marokko und der Schweiz doch ist. Später bekam ich die Verantwortung für das Projekt „Studium in Deutschland“, wo ich den Kursteilnehmenden in einer dreiteiligen Workshopreihe wertvolle Informationen zum Studium und Leben in Deutschland vermittelte. Einen Einblick in die Arbeit der Programmabteilung erhielt ich durch die Mitarbeit bei der Terminkoordination und der Gästebetreuung, als ein deutscher Regisseur nach Marokko kam.

Ich bin nach wie vor überzeugt, mit dem Praktikumssemester die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Fachlich gesehen habe ich einen Einblick in den DaF-Unterricht, die Arbeiten einer Sprachabteilung und die kulturelle Zusammenarbeit erhalten. Ich konnte mein verrostetes Französisch auffrischen und einige Wörter Darija aufschnappen. Persönlich gesehen habe ich viele schöne Eindrücke vom Leben im Ausland erhalten, aber auch gemerkt, dass unerwartete Schwierigkeiten gemeistert werden müssen.     

Unter der Rubrik Praktikum werden regelmässig Beiträge zu den absolvierten Pratika veröffentlicht.