Tipps, wie man sich  mit dem Wetter und dem sächsischen Dialekt in Leipzig am besten anfreundet, gibt uns Sara Marchesi in ihrem Blogbeitrag über ihr Auslandsemester.

Leipzig ist eine vielfältige Stadt, ihre unterschiedlichen Facetten erlebt man in den verschiedenen Stadtteilen. Das Herz Leipzigs ist die Leipziger City sowie die Altstadt, die sich kreisförmig tatsächlich im Zentrum Leipzigs befindet. Um das Zentrum formieren sich die verschiedenen Stadtviertel, darunter die Hipster-Südvorstadt, die linksalternativen Viertel Connevitz und Plagwitz sowie die ruhige Gohlis.

In Leipzig habe ich mich sofort wohl und willkommen gefühlt. Es gab immer was zu tun: Konzerte, Film-Festivals, Flohmärkte, Street-Food-Märkte oder Ausstellungen bei der alten Baumwollspinnerei. Was für mich besonders wichtig war und mir sehr gefallen hat, ist, dass man von der Stadt schnell im Grünen ist. Riesige Parks und Wälder ziehen sich über weite Flächen bis zum Cospudener See, dort kommt zuweilen richtig Ferienstimmung auf. In Leipzig kann man an einem Tag echt vieles erleben. Das Wetter ist so wechselhaft, dass man sogar alle vier Jahreszeiten in 24 Stunden erleben kann. Glaubt mir, ein Blick in den Himmel ist meist nicht ausreichend, um festzustellen, ob die Notwendigkeit eines Schirms besteht oder nicht. Bei den starken Winden, die mit dem Regen einhergehen, ist es meist sowieso klüger, diesen zuhause zu lassen, da er sonst kaputt gehen könnte.

Nach dem ersten Schneesturm anfangs Oktober dachte ich schon «Wir überspringen einfach den Herbst und fliegen direkt in den harten Winter». Bei der geografischen Lage Leipzigs war dies ja aber zu erwarten. Doch plötzlich erhellten frühlingshafte Sonnenstrahlen die Stadt und vor allem die Gemüter deren Einwohner, was eine unglaubliche Stimmung brachte. Die halbe Uni hat draussen gegessen und geplaudert, oft ohne Jacke (nein, so warm war es doch nicht, aber irgendwie musste man diese südliche Luft feiern, oder?).

Leipzig erleben, bedeutet Fahrrad fahren. Die Stadt ist dafür weder zu klein noch zu gross. Sie ist genau richtig. Überall sind Fahrradwege und alle halten sich fast schon penibel genau an die Verkehrsregeln. Als Fussgänger wird man schräg angeschaut, wenn man es wagt, bei einer roten Ampel die Strasse zu überqueren. Selbst mitten in der Nacht, wenn man sich die Strasse nur mit ein paar Katzen teilt.

Leipzig ist die grösste Stadt Sachsens und logischerweise spricht man dort Sächsisch, diese komische Mundart, die in Deutschland als unbeliebtester Dialekt empfunden wird. Die erste Begegnung mit Sächsisch war fast ein Trauma. Wirklich Sorgen hatte ich mir nicht gemacht, ich bin ja an die Schweiz gewöhnt, wo wir mit den schweizerdeutschen Varietäten eine Hochburg an Kauderwelsch darstellen. Aber Sächsisch klingt einfach so komisch, lustig und ja, ziemlich unsexy. Im Grunde wird alles breiter gemacht: A wird zu O, O zu OO, E wird zu Ä, AU zu O. Die Augen sind also «Ogen», ein Ei ist ein «EE». Bei den «Gonsonanden» wird P zu Beh, T wird Deh und K wird Gah, wie in Guuchen (Kuchen). Lustig ist, die Fremden werden wirklich davon abgehalten, Sächsisch zu lernen. Der Dialekt sei nicht erlernbar, «man muss es mit der Muttermilch eingesogen haben».

Sara Marchesi hat den Bachelor Angewandte Sprachen 2016 mit der Grundsprache Italienisch abgeschlossen und studiert derzeit Fachübersetzen im Master Angewandte Linguistik an der ZHAW. Ihr Blogbeitrag ist einer von sechs Beiträgen zum Austauschsemester, die am International Day 2016 an der ZHAW prämiert wurden. Weitere Beiträge sind unter der Kategorie «Auslandsemester» zu finden.