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In Montpellier ist vieles anders – vom Strassensystem über die Toiletten bis hin zur scheinbar inexistenten Nachtruhe. Geküsst wird allerdings gleich wie in der Schweiz. Die Anleitung dazu findet sich unter Anderem im folgenden Beitrag.

Von knappen 20 Grad in Zürich nach 30 Grad in Südfrankreich. Wir kommen erst nach Mitternacht in Montpellier an. Ich habe mich richtig entschieden, das wird mir bei unserer Ankunft bewusst. Die Studentenstadt zählt mit den Vororten ca. 400’000 Einwohner.  Obwohl wir erst spät ankommen, ist auf den Strassen immer noch viel los. Junge Leute geniessen das Nachtleben rund um den Place de la Comédie. Lautes Gelächter, Musik  und fröhliche Stimmung heissen uns willkommen. Die vielen Einbahnstrassen machen nicht nur uns, sondern auch dem Navigationssystem Schwierigkeiten. Nachdem wir uns  mit dem Auto in die Fussgängerzone verirrt haben, stellen wir das Fahrzeug auf einem Parkplatz ab und erreichen die Jugendherberge zu Fuss. Am nächsten Tag treffe ich meinen zukünftigen Mitbewohner, mit dem ich die nächsten vier Monate zusammenlebe. Somit lerne ich auch  gleich, dass in Montpellier drei Küsschen und nicht zwei, wie ich zunächst dachte, zum  Begrüssungsritual gehören. Die WG befindet sich ein bisschen ausserhalb des Zentrums im ruhigeren Viertel St. Martin.

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Ich bin froh, bleibt noch ein wenig Zeit, bis es ernst wird an der Uni. So kann ich in den vielen kleinen und charmanten Gässlein in der Altstadt herumirren, im Peyrou Park verweilen oder im Jardin des Plantes Pflanzen aus aller Welt betrachten. Weiter östlich der Stadt kommt man zum Fluss Lez. Entlang seinem Flussbett erstrecken sich Wiesen und schöne Spazierwege, wo viele ihre Kalorien purzeln lassen. Wer gerne im Meer
badet oder im Sand die Sonne geniesst, kommt in Montpellier auch auf seine Kosten. Nach einer 30-minütigen Busfahrt sind wir in Villeneuveles-Maguelone. Von da aus geht’s zu Fuss weiter, vorbei an weissen Camarque-Pferden und rosaroten Flamecos. Für das letzte Stück ans Meer genehmigen wir uns eine Fahrt im „petit train“. Das Züglein fährt ungefähr alle 15 Minuten und bringt einen direkt an den Strand.

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Nach einer mühsamen Einschreibprozedur geht es nun los. Die Universität Paul Valéry 3 zählt ungefähr 20’000 StudentInnen. Dazu gehören auch jedes Jahr viele Erasmus-Neulinge. Nicht selten hört man Studierende, die sich auf Spanisch, Englisch oder Deutsch austauschen. Zudem fallen auch die vielen Chinesen auf. Die erste Woche fühle ich mich auf dem riesigen Campus  ein bisschen verloren. Selbstverständliches, wie zum Beispiel auf die Toilette gehen, wird zur Herausforderung. Die Auswahl ist nämlich gross: Einfache Löcher, auch ToiTois, Klos ohne Toilettenränder und die „normalen“, die unserem Standard  entsprechen, sind zu finden. Trotz Orientierungsschwierigkeiten fällt mir sofort die gute  Stimmung auf dem Campus und der Campuswiese vor der Uni auf. Dort sitzen die  Studierenden in Kreisen, spielen Gitarre, singen, hören Musik und spannen Slacklines  zwischen die Bäume. Nicht umsonst wird Montpellier Studentenstadt genannt. 50% der  Bewohner, so heisst es in der Erasmus-Einführungsvorlesung, sind unter 34 Jahre alt. Nach einer Woche Vorlesungsmarathon habe auch ich eine Auswahl der Kurse getroffen. Die Englisch- und Chinesischkurse gefallen mir sehr gut. Der Unterricht ist  abwechslungsreich und das Niveau angemessen. Auch der Erasmuskurs Civilisation Française ist sehr interessant und ich erfahre viel über die Stadt Montpellier, das Département Hérault und die Region Languedoc-Roussillon.

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Claudia Masurs Post ist einer von sechs prämierten Studierendenbeiträgen zum Auslandsemester. Die Verfasserin hat ihren Bachelor in Angewandten Sprachen im Sommer 2015 abgeschlossen und hat wie viele ihrer Mitstudierenden das fünfte Semester im Ausland verbracht. Näheres zum Auslandsemester lesen Sie hier.