photo halbklein

Was sich für die einen eher abschreckend anhört, macht die Arbeit für Sabine Chevalley umso reizvoller: Allerlei Unvorhergesehenes gesellt sich zum „Daily Business“, und so ist es nichts Ungewöhnliches, wenn „der Arbeitstag nicht genug Stunden“ hat.

2011 habe ich meinen Bachelor in Mehrsprachiger Kommunikation an der ZHAW abgeschlossen. Drei Tage nach der letzten Prüfung zog ich bereits von Winterthur weg mit dem schönen Ziel Montreux. Mein Freund und ich hatten nämlich einen Deal: Er begleitete mich drei Jahre nach Winterthur, unter der Bedingung, dass wir danach wieder in die Romandie zurückziehen. Ich fand eine Stelle als administrative Mitarbeiterin bei einem Sprachreisebüro in Montreux. Da mir die Arbeit etwas zu eintönig war und ich ein Stellenangebot von einem früheren Arbeitgeber erhielt, verliess ich das Büro bereits nach wenigen Wochen wieder. Seither bin ich als Chef de Réception in einem Drei-Sterne-Hotel in Morges tätig. Da ich vor meinem Studium eine Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten im Hotel abgeschlossen hatte, war es für mich eine schöne Vorstellung, wieder in das Hotelgeschehen einzusteigen. Seit meiner Babypause 2013 arbeite ich allerdings nur noch 40 %, das heisst zwei fixe Tage die Woche, und teile den Posten mit einer anderen Person.

Meine Aufgaben als Verantwortliche des Empfangs sind sehr vielseitig. Mein Team von drei Rezeptionistinnen erledigt die anfallenden Tagesarbeiten (z. B. Gästebetreuung, Korrespondenz, Check-in und -out). Ich kontrolliere die Reservationen in unserem Hotelsystem, treffe potentielle Kunden für die Organisation von Banketten oder Seminaren, kümmere mich um verschiedene Bestellungen (z. B. von Blumen, Papeterieartikeln oder Putzmitteln), erstelle die Arbeitspläne für die Rezeption und das Housekeeping, mache die Ferienplanung, kontrolliere die Debitoren, pflege Kontakte, erarbeite Verträge… Es gibt viel zu tun in einem Hotel!

Kein Tag gleicht dem anderen. Obwohl gewisse Aufgaben jeden Tag dieselben sind, gibt es immer Unvorhergesehenes, positive Momente und knifflige Fälle. In groben Zügen sieht ein typischer Tag in etwa so aus:
Beim Eintreffen am Arbeitsplatz gehe ich zuerst auf allfällige Fragen der Rezeptionistin ein, welche die Morgenschicht macht. Falls wir Seminare im Haus haben, studiere ich deren Dossiers und fakturiere die vereinbarten Pauschalen. Die Reservationen der kommenden Tage müssen angeschaut werden, und je nach Tag mache ich die Arbeitspläne. Da ich das Büro mit dem Hoteldirektor teile, übergibt er mir die zu erledigenden Arbeiten des Tages. Ich unterstütze meine Kolleginnen bei ihren Arbeiten und kontrolliere Rechnungen. Bestellungen erledige ich meistens am Nachmittag, wofür ich zuerst einen Hotelrundgang mache. Da mir meine Arbeiten grossen Spass machen und im Hotel rund um die Uhr Betrieb ist, hat mein Arbeitstag oft nicht genug Stunden…

Direkt an der Front arbeite ich nicht mehr oft, sodass der Gästekontakt etwas zu kurz kommt. Dies ist nämlich etwas vom Schönsten in diesem Beruf. Der Umgang mit Gästen aus vielen Teilen der Welt ist extrem bereichernd und erweitert den Horizont. In unserem Hotel ist aber nicht nur die Kundschaft international, sondern auch das Personal. Nicht weniger als 10 Nationalitäten sind in unserer Belegschaft vertreten! Die Arbeitssprache im Hotel ist Französisch. Täglich spreche ich jedoch auch Deutsch und Englisch. Eher selten kommt es vor, dass ich meine Spanischkenntnisse anwenden kann.

Ich bin sehr zufrieden, dass ich die Herausforderung, die der Posten einer Chef de Réception darstellt, angenommen habe. Die Kombination von Verantwortung, Hotellerie und Sprachen ist für mich ausgesprochen interessant und befriedigend.